Duftende Köstlichkeiten im reich bestückten Verkaufswagen

"Do, nimmsch no a Guatsle mit..."

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Karl Trunzer vor seinem Verkaufswagen.

Wenn am Samstagmittag der weiße Kleintransporter hupend in den Nachbarhof einfährt, gibt es für die Kinder kein Halten mehr. „Mama, komm´ schnell! Der Bäcker Trunzer ist da!“ 

„Der Bäcker Trunzer“, das ist Karl Trunzer aus Schrattenbach. Schon seit mehr als sechzig Jahren bringt er die Augen seiner kleinen Kunden zum Strahlen. Das liegt allerdings nicht nur an den duftenden Köstlichkeiten in dem reich bestückten Verkaufswagen, die er bis fast vor die Haustür liefert, sondern ganz sicher auch an der Tatsache, dass Kinder bei ihm seit jeher immer ein paar Süßigkeiten aus einer kleinen Kiste aussuchen dürfen. „Mir sagen heute noch gestandene Familienväter, dass sie oft daran zurückdenken, wie ich ihnen früher immer Guatsle geschenkt habe“, freut sich Karl Trunzer mit schelmischem Funkeln in den Augen. 

Seit 65 Jahren ist er Bäckermeister und fast genauso lange schon fährt er – anfangs noch mit Pferd und Wagen – seine Backwaren in vielen Dörfern und Weilern rund um Dietmannsried aus. Heute ist der Chef 89 Jahre alt und steht immer noch fünfmal die Woche ab vier Uhr früh bis gegen Mittag in der Backstube. Nach dem Motto „Unsere Ware läuft nicht vom Band, wir schaffen noch mit Herz und Hand“ stellt er dort zusammen mit einem Meister, zwei Gesellen und einem Lehrling überwiegend in traditioneller Handarbeit Tag für Tag rund 500 Brezen (am Samstag sind es um die 1000), zahllose Semmel, Kuchen und Gebäck her. 

„Mir macht das immer noch Spaß. Was soll ich denn daheim?“, fragt der fitte Senior. Die Touren hat er in letzter Zeit zwar öfter einmal ausfallen lassen, „weil halt hier so viel Arbeit war. Aber ich hab schon vor, wieder mit raus zu fahren“, meint er. Schließlich mag er die Leute, kennt viele seiner Kunden schon seit deren Kindheitstage und ist immer für ein paar freundliche Worte zwischendrin zu haben. Die Bäckerei selbst befindet sich, wie schon seit gut 150 Jahren in der St.-Nikolaus-Straße 2 in Schrattenbach. Karl Trunzer übernahm den alteingesessenen Familienbetrieb im Jahr 1951. Bis 1956 erledigten er und seine mittlerweile 85-jährige Frau Melanie den Verkauf noch über den Hausgang, erst danach wurde das Hauptgeschäft gebaut. 1997 erweiterte sich der Familienbetrieb um eine Filiale in Lauben. Auch Melanie Trunzer ist bis heute mit im Geschäft. „Wenn in der Filiale oder dem Auto etwas ausgeht, liefere ich die Sachen schnell nach“, erklärt sie. Die guten Trunzer-Brezen und Semmel gibt es mittlerweile übrigens sogar in Japan. „Wir hatten eine japanische Tierärztin als Lehrling. Die hat sich inzwischen in Japan selbstständig gemacht und ist damit sehr erfolgreich.“ Sabine Stodal

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