Kastanien nicht zu halten

Die sechs Kastanien an der Ecke Bahnhofstraße/Allgäuer Straße sollen verschwinden, wenn der angrenzende Gebäudekomplex abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird. Im Gegenzug muss der Investor sein geplantes Bürogebäude um fünfeinhalb Meter verkürzen und damit Platz für drei neue Bäume entlang der Allgäuer Straße schaffen. Das haben Bauausschuss und Stadtrat vergangene Woche im Bebauungsplan „Westlich Forum Allgäu“ festgeschrieben. Gleichzeitig machten die Stadträte endgültig den Weg frei für eine Discothek in der ehemaligen Telekom-Kantine auf der anderen Seite der „Alten Post“.

„Dieser Punkt wird uns länger beschäftigen“, warnte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) seine Ausschusskollegen vor. Nicht weniger als 20 Seiten stark war die Liste an Einwänden und Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit und von Behörden, die die Stadträte bezüglich des Bebauungsplans „Westlich Forum Allgäu“ abzuarbeiten hatten. Im Zentrum der Diskussion stand dabei die Frage, was mit den sechs Kastanien im Bereich des Imbissstandes nahe des Zebrastreifens in der Bahnhofstraße geschehen soll. Baureferentin Monika Beltinger präsentierte dazu die Ergebnisse eines Gutachtens, das die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hatte, um den Gesundheitszustand der Bäume festzustellen. Auch Tomografien vom Innenleben der Bäume hat der Gutachter mit einem so genannten „Baumschallgerät“ gemacht. Das Fazit: Zwei der Bäume seien so krank, dass sie umgehend gefällt werden müssen, ebenfalls zwei sollten mittelfristig folgen. Lediglich das Baumpaar, das am nächsten zur Allgäuer Straße steht, sei relativ gesund. Was also tun? Beltinger stellte drei Optionen vor. Erstens, man könnte die Bäume einfach fällen und beim Thema Stadtbild ganz auf die Wirkung der Gebäude setzen. Möglichkeit zwei würde bedeuten, nur die beiden gesündesten Bäume zu erhalten. Dann könnte der Investor sein Gebäude allerdings nicht in der gewünschten Länge bauen. Doch mit dieser Lösung erwarte die beiden Kastanien zudem wohl keine rosige Zukunft. Laut Gutachter seien die Bäume anfälliger gegen den Wind, wenn sie allein stehen, zudem könnte der Bau der Tiefgarage sie längerfristig schädigen. Die Möglichkeit, die dann auch das einstimmige „Ja“ der Stadträte fand, sieht vor, alle sechs Kastanien zu fällen und sie durch drei neue Bäume entlang der Allgäuer Straße zu ersetzen. Dafür muss das geplante Bürogebäude fünfeinhalb Meter kürzer ausfallen. Einen weiteren Baum, der an der Ecke Bahnhofstraße/Haubenschloßstraße steht, nahm der Ausschuss auf Antrag der unteren Naturschutzbehörde als erhaltenswert in den B-Plan auf. Disco kann kommen Eine gute Nachricht hatte die Baureferentin für den Gastwirt im Gepäck, der die ehemalige Telekom-Kantine in eine Disco umfunktionieren möchte. Diesen Plan hatten die Mitglieder des Bauausschusses in ihrer Juni-Sitzung zwar befürwortet (der KREISBOTE berichtete), sowohl der Bebauungsplan als auch die Kerngebietssatzung verboten jedoch Vergnügungsstätten auf dem Areal. Nur Spielhallen und Bordelle habe man damit verhindern wollen, hieß es damals. „Eine Differenzierung in verschiedene Unterarten von Vergnügungsstätten ist aber möglich“, wie Beltinger jetzt erklärte. Eine Discothek sei demnach eine nicht kerngebietstypische und damit zulässige Variante, für die der Ausschuss kurzerhand eine Ausnahme erteilte. Auch an der Festsetzung, dass sich westlich des Forums kein Einzelhandel ansiedeln darf, hielt der Ausschuss trotz zahlreicher Einwände aus der Öffentlichkeit fest. Außerdem gehört nun die Wertstoffinsel gegenüber der Billard-Arena zum Geltungsbereich des Plans. Darüber hinaus einigten sich die Stadträte darauf, in diesem Gebiet künftig besondere Vorgaben hinsichtlich der Gestaltung der Fassaden an den Nachbarhäusern machen zu dürfen.

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