Terroranschläge, Naturkatastrophen und die globale Verbreitung von Krankheiten stehen im Fokus

Katastrophenschutz im Jahr 2016

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Im Katastrophenfall sind viele engagierte Helfer gefragt. Um die Einheiten des Katastrophenschutzes in Bayern aktiv zu unterstützen bilden die Allgäuer Johanniter regelmäßig Helfer für die Bereiche Sanitätsdienst und Betreuungsdienst aus. 

Kempten – Seit den Terror- anschlägen in Paris und seit dem Zugunglück bei Bad Aibling ist es wieder in den Focus der Öffentlichkeit gerückt – ein Unglück, ein Großschadensereignis, eine Katastrophe kann sich auch in einem hochentwickelten Industriestaat wie Deutschland oder Frankreich ereignen. Auch im Allgäu hat es sich schon mehrfach gezeigt, dass es ratsam ist, auf größere Schadensereignisse vorbereitet zu sein. Im Sommer 2013 waren es starke Niederschläge die in Kempten „nur“ kleinere Schäden im Bereich der Füssener Straße verursachten. In den Hochwasser-Jahren 1999 und 2005 war die Situation deutlich angespannter und die Verantwortlichen in Stadt und Land sahen sich gezwungen, den Katastrophenalarm auszulösen.

Wenn sich die Wassermassen den Weg die Iller hinunter und durch die Stadt Kempten bahnen behalten die Katastrophenschutzbehörden die Situation genau im Auge.

Im Jahr 1950 wurde als Katastrophenschutzorganisation des Bundes das Technische Hilfswerk gegründet. Im Vordergrund stand damals auf kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Ostblock vorbereitet zu sein. Mit dem Ende des kalten Krieges, der Konfrontation von USA und UdSSR, und der deutschen Wiedervereinigung schien die Gefahr von Angriffen auf Deutschland gebannt und die Bedeutung des Katastrophen- und Zivilschutzes trat in den Hintergrund. Mit den Terroranschlägen auf das World-Trade-Center in New York am 11. September 2001 und dem Elbe-Hochwasser im August 2002 begann ein Umdenken und so wurde am 1. Mai 2004 das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) aufgebaut. In diesem Amt werden Ausbildung der Helfer, Krisenmanagement, Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz und Forschung und Entwicklung koordiniert.

Vor Ort – und so auch bei uns im Allgäu – werden im Falle eines Unglücks die Bereiche Katastrophenhilfe und Zivilschutz aktiv. Katastrophenhilfe bedeutet Schutz von Leben, Gesundheit und Umwelt in oder vor einer Katastrophe. Am Beispiel des Hochwassers in Kempten bedeutete Katastrophenhilfe die Verlegung von Sandsäcken um Gebäude und Straßen vor Überflutung zu schützen bzw. die Auswirkungen zu begrenzen. Diese Aufgaben wurden von vielen ehrenamtlichen Helfern aus Feuerwehr und Technischem Hilfswerk übernommen. Parallel zur Katastrophenhilfe läuft der Bevölkerungsschutz ab. Eine von vielen Aufgaben ist es, Bewohner gefährdeter Gebäude zu evakuieren, diese in Notunterkünfte unterzubringen und mit Kleidung, Nahrung und psychologischer Betreuung zu versorgen. Hier arbeiten Polizei, Feuerwehr und die Einheiten des Katastrophenschutzes Hand in Hand. Zu den Einheiten des Katastrophenschutzes zählen Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund und das Technische Hilfswerk. Diese Einsatzorganisationen werden im Alarmierungsfall in den Bereichen Sanitätsdienste, Betreuungsdienste und Fachdienste tätig. Der Sanitätsdienst ist in zwei Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) untergliedert: Die SEG-Transport ist für den Transport von Verletzten und Erkrankten zuständig während die SEG-Behandlung vor Ort die Infrastruktur für eine schnelle medizinische Versorgung errichtet. Der Betreuungsdienst ist ebenfalls in zwei SEG’s eingeteilt: Die SEG Betreuung, die sich um Nichtverletzte, Angehörige und Einsatzkräfte kümmert und mit warmen Getränken versorgt und die SEG Verpflegung die mit der berühmten „Gulaschkanone“ den Hunger von Einsatzkräften und Betroffenen bekämpft.

Um auf Naturkatastrophen, Großschadensereignisse oder Terroranschläge vorbereitet zu sein, werden solche Szenarien regelmäßig geübt. So wurde im Sommer 2014 eine Katastrophenschutzübung auf dem Gelände der Allgäuer Festwoche durchgeführt (der Kreisboteberichtete). Simuliert wurde dabei der Teileinsturz eines Festzeltes in Folge orkanartiger Windböen, Hagelschlags und umstürzender Bäume. Neben Unwettern und Überflutungen sind im Allgäu auch Lawinenabgänge als Katastrophenszenarien denkbar. Ein Großbrand, eine Massenkarambolage auf der Autobahn, ein großflächiger Stromausfall oder verseuchtes Trinkwasser – die Ursachen, warum aus einem Unfall eine Katastrophe werden kann sind vielfältig. Und es bedarf regelmäßiger Übungen und engagierter Ehrenamtlicher um im Katastrophenfall helfen zu können. Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Allgäu hat rund 400 ehrenamtliche Helfer in den verschiedenen ehrenamtlichen Bereichen. Sei es der Bevölkerungsschutz, der Rettungsdienst, der Besuchsdienst, die Ausbildung in Erste Hilfe oder die Johanniter-Jugend – alle Helfer stehen in ihrer Freizeit für den Dienst am Menschen ein. Im Sommer 2013 waren die Allgäuer Johanniter beim Hochwasser an der Donau in und um Deggendorf mit Katastrophenschutz-Helfern beteiligt.

Michael Schropp

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