#kemptenlässtsichnichtfluten

Bündnis »Mensch sein« startet Online-Aktion gegen Querdenker-Proteste

Statement des Kemptener Bündnisses „Mensch sein – für ein gerechtes & friedliches Miteinander“ zur geplanten Großkundgebung der Querdenker-Bewegung im April 2021 auf türkisfarbenem Grund.
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Gemeinsame Presseerklärung des Bündnisses „Mensch sein“ zur Querdenker-Demonstration in Kempten.

Kempten - Die Querdenker-Bewegung hat unter dem Hashtag #wirflutenkempten eine große Protestveranstaltung angekündigt. Das Bündnis „Mensch sein – für ein gerechtes & friedliches Miteinander“ ruft alle Kemptener und Allgäuer dazu auf, zu widersprechen und mit einer Flut bunter, kritischer Videobotschaften zu antworten.

Das Verwaltungsgericht Augsburg hat den für Samstag, 17. April, geplanten Demonstrationszug der Querdenker zwar untersagt, eine Kundgebung mit bis zu 200 Teilnehmern aber erlaubt. (Siehe Kreisboten-Corona-Ticker.)
Das Bündnis „Mensch sein“ hofft, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, und die Veranstaltung verboten wird. Es ruft zu einer Gegenkundgebung auf – online und auf Distanz. Die Initiatoren wollen mit ihrer Aktion auch zeigen, dass freie Meinungsäußerung möglich ist, ohne den Infektionsschutz zu missachten:

„Wir möchten kurze persönliche Stellungnahmen von Menschen aus unserer Region zum Thema ‚Mensch sein und solidarisch handeln‘ veröffentlichen und rufen alle auf, uns ihre Botschaft zu senden. Wir erwarten eine große Flut von Nachrichten und freuen uns über jeden noch so kleinen Beitrag oder Kommentar. Die Videobotschaften (maximal eine Minute) können bis zum Sonntag, 18. April, 18 Uhr, an video@sjr-kempten.de gesandt werden und werden ab Dienstag, 19. April, auf unserer Website bzw. verschiedenen Sozialen Medien eingestellt:
www.stadtjugendring-kempten.de/buendniss-mensch-sein_stadtjugendring.html
www.facebook.com/buendnismenschsein/
www.youtube.com/channel/UCDDLncHvRX7vC-vec-mGRFw

Als Bündnis ‚Mensch sein‘ aus Kempten und dem Oberallgäu setzen wir uns seit Jahren bewusst ein für ein friedliches und gerechtes Miteinander in unserer Stadt und unserem Landkreis ein.
Entschieden wenden wir uns gegen alle Versuche, unsere demokratische Rechtsordnung zu unterlaufen und gegen jegliche Form von Rassismus und Sündenbockmentalität. Hetze und Verschwörungstheorien haben keinen Platz in unserer offenen, menschenfreundlichen Stadt.
Eine Massenkundgebung wie sie die ‚Querdenker‘ für Samstag planen, lehnen wir aus mehreren Gründen ab. Zum einen halten wir eine Veranstaltung in dieser Größe angesichts der aktuellen Infektionslage für unverantwortlich. Sie missachtet zudem all jene, die sich seit einem Jahr mit aller Kraft, oft bis zur Erschöpfung gegen die Pandemie stemmen. Die Opfer der Pandemie und deren Angehörige werden kein Verständnis dafür haben, dass ausgerechnet jetzt eine Demonstration in dieser Größenordnung und mit überregionaler Reichweite erfolgen muss, zumal zu befürchten ist, dass die Infektionsschutzregeln außer Acht gelassen werden. Zum anderen passt die aufwieglerische, radikalisierende und wissenschaftsverachtende Sprache und Haltung der bekannten ‚Querdenker‘- Redner nicht in eine demokratische Debattenkultur und zu unseren Grundwerten. Die Nähe zu rechtem Gedankengut und teilweise auch antisemitischen Einstellungen ist in vielen Redebeiträgen offensichtlich.

Die ‚Querdenker‘-Bewegung wirbt mit dem Hashtag #wirflutenkempten. Wir stellen bewusst dagegen: Kempten lässt sich nicht fluten. Wir alle leiden in unterschiedlicher Weise unter den Belastungen der Pandemie und die politische Pandemiebekämpfung ist nicht über Kritik erhaben. Jede Person, die Kritik an der aktuellen Pandemiebekämpfung üben will, kann dies tun – sollte sich aber gut überlegen, an wessen Seite und in welcher Form sie dies tun möchte.

Es ist unsere tiefe Überzeugung, dass sich Krisen wie diese Pandemie nur in einem gerechten und solidarischen Miteinander lösen lassen und immer auch die Schwächsten der Gesellschaft im Blick behalten muss. Wir verzichten bewusst auf eine Großveranstaltung, um keine Menschen durch Ansteckung zu gefährden und der gebotenen Vorsicht Rechnung zu tragen. Unsere Freiheit zur Meinungsäußerung sehen wir durch vielfältige Möglichkeiten in unserer Demokratie auch ohne Demonstration gewahrt.“

Der Stadtjugendring Kempten, der Kreisjugendring Oberallgäu, der damalige Integrationsbeauftragte des Stadtrates, Siegfried Oberdörfer, das Haus International, die Dekanate der Stadt Kempten und die Gewerkschaftsjugend im DGB (ver.di) haben 2017 das Bündnis „Mensch sein – für ein gerechtes & friedliches Miteinander“ gegründet. Der Oberbürgermeister der Stadt Kempten, Thomas Kiechle, und der Altlandrat des Kreises Oberallgäu, Anton Klotz, sind Schirmherren des Bündnisses.
Die Gründungsmitglieder möchten antidemokratischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Gesinnung aktiv entgegentreten.

kb

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