Kein Grund zum Schämen

Wie lange bleibt Dr. Ulrich Netzer (CSU) noch Oberbürgermeister von Kempten? Diese Frage stellen sich viele, seit die Süddeutsche Zeitung (SZ) zum Jahreswechsel vermeldete, der Allgäuer sei als neuer Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes im Gespräch. „Wir sind im Bereich der Spekulationen“, wiegelte Netzer am Freitag im Gespräch mit dem KREISBOTE jedoch ab. Offiziell sei er noch gar nicht informiert worden. Sollte Netzer jedoch tatsächlich nach München gehen, müsste innerhalb von drei Monaten ein neuer OB gewählt werden.

Das Desaster der BayernLB hat Auswirkungen bis ins Kemptener Rathaus. Einem Bericht der SZ zufolge ist neben den beiden Landräten Theo Zellner (Cham), Ulrich Reuter (Aschaffenburg) und dem Erlanger OB Siegfried Balleis (alle CSU) auch der Kemptener Rathauschef als Nachfolger für den jetzigen Sparkassenverbands-Präsidenten Siegfried Naser im Gespräch. Naser hat wegen des Landesbank-Debakels für Ende des Monats seinen Rücktritt angekündigt. Gegenüber dem KREISBOTE erklärte Netzer am Freitag, dass er erst aus der Zeitung davon erfahren habe, dass sein Name gehandelt werde. Wie es dazu gekommen ist, kann er sich nur mit seinem langjährigen Schaffen im Bereich der Sparkasse erklären: Bereits seit 2002 ist er Vorsitzender des Bezirksverbands der Schwäbischen Sparkassen und ist seitdem auch Mitglied des Landesvorstandes. „Ich nehme an, dass man auf meine Kompetenzen aufmerksam geworden ist“, so Netzer. Allerdings sei er von fast 70 Prozent der Wahlberechtigten bis 2014 gewählt worden und habe noch einige Ziele, die es in den nächsten Jahren zu realisieren gelte. „Und ich bin mit Leib und Seele Oberbürgermeister in Kempten“, betonte er. "Kein schlechtes Zeichen" Ein wenig geschmeichelt sei er natürlich, gab Netzer zu. „Dafür muss man sich nicht schämen“, sagte er. „Und grundsätzlich ist das auch für Kempten und die Stadtverwaltung kein schlechtes Zeichen, wenn ihr OB genannt wird“, so Netzer weiter. Und was ist mit dem finanziellen Anreiz? Immerhin soll das Amt an der Spitze des Landesverbandes mit einem Jahresgehalt von rund 600000 Euro dotiert sein. „Für mich ist das Entscheidende, was ist die Aufgabe und wie passe ich in diese Aufgabe – und da fühle ich mich in Kempten sehr wohl“, betonte Netzer. Nichts desto trotz wird das Thema Netzer weiter beschäftigen. Denn als Mitglied des Landesvorstands des Sparkassenverbandes gehört er zu den 20 stimmberechtigten Vertretern, die den neuen Präsidenten wählen werden. Bereits in dieser Woche werde sich der Vorstand treffen, kündigte Netzer an. Mit einer Entscheidung über die Nachfolge Nasers rechnet er deshalb in den nächsten vier bis fünf Wochen. Doch was passiert, wenn Netzer tatsächlich gewählt werden würde? Sein Amt als OB von Kempten müsste er dann auf jeden Fall niederlegen, es käme zu Neuwahlen, wie Stadtdirektor Wolfgang Klaus am Montag gegenüber dem KREISBOTE erläuterte. Im Regelfall müsste die Wahl innerhalb von drei Monaten stattfinden. „Der Zeitraum kann aber auch verlängert werden“, so Klaus. „Das ist gesetzlich offen.“

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