Kein "Turm" in der Altstadt

Auf der Tiefgarageneinfahrt soll der Anbau von Soloplan entstehen. Foto: Läufle

„Wenn es überhaupt keine Lösung gibt, müssen wir uns einen anderen Standort suchen“, meinte Wolfgang Heidl, Geschäftsführer von Soloplan, am Donnerstag gegenüber dem KREISBOTEN. Hintergrund seiner Aussage ist eine Bauvoranfrage seiner Software-Firma. Soloplan braucht Platz für etwa 30 neue Mitarbeiter und Besprechungsräume und möchte dafür die Einfahrt der Tiefgarage „Altstadt“ überbauen. Die dabei angedachte turmartige Ausprägung des Neubaus stieß allerdings auf wenig Begeisterung bei den Bauausschuss-Mitgliedern – sie wurde mit 7:4-Stimmen abgelehnt.

Die Erweiterungspläne von Soloplan würden zwar nicht dem städtebaulichen Ziel entsprechen, gab Baureferentin Monika Beltinger zu, die Verwaltung könne aber zustimmen, damit der Entwicklung der Firma keine Steine in den Weg gelegt werden. Auf der Tiefgarageneinfahrt sollte der Neubau direkt an das erste und zweite Obergeschoss des bestehenden Soloplan-Firmengebäudes angeschlossen werden. Geplant sind zudem ein drittes Obergeschoss und ein viertes, das als Besprechungsraum genutzt werden soll. Während das dritte Obergeschoss laut Beltinger städtebaulich noch gut eingegliedert werden könnte, ist ein viertes Obergeschoss nur als turmartige Ausprägung mit Flachdach vorstellbar. Nur bedingt mit dieser Lösung anfreunden konnte sich CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier. „Nebendran sind doch weitere Gebäude geplant. Ist es nicht möglich, die 30 Arbeitsplätze dort unterzubringen“, fragte er. „Ich finde die Gestaltung suboptimal, das ist städtebaulich ein hoher Preis, den wir bezahlen würden“. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) entgegnete ihm, dass die Pläne im Vorfeld intensiv besprochen wurden, Geschäftsführer Wolfgang Heidl eine solche Lösung jedoch abgelehnt habe. „Er möchte in seinem Eigentum bleiben“. Er selbst bezeichnete die Planungen als grenzwertig, war aber der gleichen Meinung wie die Stadtverwaltung. Karl Sperl (CSU) tat sich ebenfalls schwer mit den Plänen. „Wir haben erst beim Nachbargebäude über einen Höhenunterschied von 1,50 Meter diskutiert und das abgelehnt“, gab er zu bedenken. Dass so einfach das Dach ausgeschnitten werden soll, überzeugte ihn nicht. Siegfried Oberdörfer (SPD) meinte, dass er zwar die Anliegen seiner Vorredner teile, aber bereits bei der Diskussion über das Haus der Sozialbau der Meinung war, dass es die Höhe vertragen könnte. „Ich kann dem zustimmen. Ich empfinde es nicht als zu große Dimension.“ Herbert Karg (FW) ging es vor allem um die wichti- gen Arbeitsplätze, die entstehen sollen. Die Arbeitsplätze in den Vordergrund stellen, darum geht es auch Heidl. Er habe in Vorgesprächen Beltinger und den OB gefragt was wichtiger sei: Die gestalterische Frage, die in drei Jahren sowieso niemanden mehr interessiere, oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Bei der Abstimmung im Bauausschuss lehnte die Mehrheit die Bauvoranfrage allerdings ab. Lediglich OB Netzer sowie die Stadträte Oberdörfer, Karg und Bruno Steinmetz (FDP) stimmten dafür. Netzer war es jedoch wichtig zu betonen, dass die Bauvoranfrage in dieser Form abgelehnt wurde. Grundsätzlich sei ein Anbau auf der Tiefgarageneinfahrt möglich. Und Beltinger ergänzte, dass das vierte OG, also der Besprechungsraum und das Fluchttreppenhaus auf der Rückseite des Turms im Innenhof die Hauptgründe für die Ablehnung waren. Das werde man dem Antragssteller auch so vermitteln. Dringender Bedarf Soloplan-Geschäftsführer Heidl sah das ähnlich. „Noch ist nicht alles verloren“, meinte er auf Anfrage. Die Firma habe den Planer gewechselt. Nun werden die Pläne für den Neubau von dem gleichen Architekten, der auch das jetzige Soloplan-Firmengebäude geplant habe, komplett überarbeitet. „Wir hoffen, dass die neuen Pläne in der Mai-Sitzung abgesegnet werden“, so Heidl. Ist das allerdings nicht der Fall, ist es möglich, dass die Firma den Standort Burgstraße verlässt. „Wenn es überhaupt keine Lösung gibt, dann müssen wir uns einen anderen Standort suchen“. Allein für das eE-Tour-Allgäu Projekt brauche er eine fünfköpfige Truppe. „Die kann ich nicht in Büros in ganz Kempten verteilen“, betonte der Geschäftsführer. Insgesamt möchte die Firma rund 30 neue Arbeitsplätze schaffen. „Momentan sieht's gut aus bei uns“, frohlockte Heidl gegenüber dem KREISBOTEN.

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