Keine Augenwischerei

Wie viele Parkplätze sind auf dem Hildegardplatz nötig, wenn keine Tiefgarage gebaut wird? Diese Frage hat OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) vergangene Woche im Verkehrsausschuss erneut auf die Tagesordnung gebracht. 110 bis 120 lautete die Antwort des Verkehrsexperten Reiner Neumann von Modus Consult. Grüne und SPD forderten jedoch weniger.

Netzer hatte die Frage erneut aufgeworfen, „weil in der letzten Zeit in der Diskussion die Frage aufkam, ob es nicht auch mit weniger als 120 geht“. 120 Parkplätze um und auf dem Platz sieht die Planungsvariante vor, die auf eine Tiefgarage verzichtet, basierend auf dem Verkehrsgutachten von Modus Consult. Neumann sprach im Ausschuss von „ganz extremem Kurzeitparken“ auf dem Hildegardplatz. Heute stünden dort 183 Parkplätze zur Verfügung, von denen aber nur maximal 160 genutzt würden. Dreiviertel der Parker lassen ihr Auto dort weniger als eine Stunde lang stehen, knapp ein Viertel sogar weniger als 15 Minuten. Nur rund ein Viertel der parkenden Autos stehe dort länger als eine Stunde. Eine Befragung habe ergeben, dass ein Viertel der Fahrer nicht wegen der Läden am Hildegardplatz dort parkt, sprich: sie könnten auch woanders parken. Zieht man dieses Viertel von den 160 ab, bleiben die besagten 120 übrig. Auf einen Stellplatz genau wollte sich Neumann jedoch nicht festlegen, „ich kann nur eine Zahl im Zehnerbereich nennen, alles andere wäre Augenwischerei“, erklärte er. Tiefgarage finanzierbar? „Warum fährt man auf den Hildegardplatz?“, fragte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Thomas Hartmann? „Weil man es so gewohnt ist, weil es billig ist und weil es oberirdisch ist“, meinte er. Er plädierte für nur 80 oberirdische Plätze, da die für eine brauchbare Belebung des Platzes seiner Ansicht nach ausreichen. Dem widersprach Netzer und bezog sich auf die Zahlen Neumanns: „Die Leute parken dort nicht aus Gewohnheit, sondern weil sie etwas vor Ort zu erledigen haben.“ Unterstützung erhielt Hartmann vom SPD-Stadtrat Siegfried Wehrmann, der sich für weniger als 120 und eine höhere Zahl an Kurzzeitparkplätzen aussprach. Als unbedingt nötig bezeichnete hingegen Stadtrat Karl Sperl (CSU) die 120 Stellplätze. Er begründete das mit der Parkplatznot der umliegenden Veranstaltungshäuser. Auch gegen eine Tiefgarage sprach sich Hartmann während der Sitzung aus. Die habe zwar Vorteile für den Wochenmarkt, was die immensen Kosten aber nicht rechtfertige. Er mahnte, dass aufgrund der drohenden niedrigen Steuereinahmen in den kommenden zwei Jahren am Platz möglicherweise gar nichts tun werde, wenn man sich ein so teures Projekt vornimmt. Wenn eine Tiefgarage gebaut wird, erläuterte Neumann, dann muss sie hell erleuchtet, bequem und mit einer praktikablen Einfahrt versehen sein. Dann würden auch Frauen sie nicht meiden, wie Stadtrat Michael Hofer (ödp/UB) kritisierte. Hofer bezeichnete die drohenden Kosten von über vier Millionen Euro als monströs. „Man muss schon sagen, die Investitionen sind hoch, aber es stehen 2,5 Millionen Euro aus der Stellplatzrücklage bereit“, entgegnete der OB.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Der älteste Kemptener feiert 105. Geburtstag
Der älteste Kemptener feiert 105. Geburtstag
EEG ein "teurer Irrweg!"
EEG ein "teurer Irrweg!"
Demokratie unter Beschuss
Demokratie unter Beschuss

Kommentare