Aus dem Rennen

Kaum noch Chancen?

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Muss der Wegweiser an der Kemptener Hochschule demnächst ausgetauscht werden? Derzeit deutet einiges darauf hin, dass der neue Zweig „Gesundheit und Generationen” doch nach Kempten kommt. Kaufbeuren würde dann leer ausgehen.

Kempten/Kaufbeuren – So verschwurbelt sich folgende Aussage zu einer Außenstelle der Hochschule Kempten in Kaufbeuren auch anhört, so klar ist doch ihr Inhalt: „Das hatten wir doch schon bei der Eröffnung der Messe am Samstag!

Nach einigen Diskussionen wurde mir gesagt, ich soll sagen: Sag im Allgäu, aber sag nicht den Ort! Ich mische mich in diese Diskussion nicht ein! Und Markus Ferber hat signalisiert: ,Wir lösen das!’“. Was Ministerpräsident Horst Seehofer am Dienstag in Marktoberdorf damit sagen will, ist erstens: Beim heiklen Thema Hochschulaußenstelle will sich der Chef die Finger offenbar nicht verbrennen. Das überlässt er lieber seinen Allgäuer Staatssekretären und Ministern. Zweitens: Diese sind sich offenbar uneins. Was drittens darauf hinweist, dass Kaufbeuren als Standort wohl aus dem Rennen ist.

Tatsächlich spricht seit Seehofers Auftritt bei der Eröffnung der Allgäuer Festwoche am vergangenen Samstag einiges dafür, dass die Außenstelle „Gesundheit und Generationen” nicht in Kaufbeuren angesiedelt wird, sondern in Kempten verbleibt. Wie berichtet, befürchtet der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler), dass etwaige politische Strömungen dieses Ziel verfolgen. In einem Brief an Pschierer erinnert er ihn daran, dass dieser selbst sich für den Standort Kaufbeuren beim Hochschulrat eingesetzt habe und sich auch im Rahmen der Konversion für dessen Realisierung einsetzen wolle. Pohl hat diesbezüglich offenbar schon lange nichts mehr vom Finanzstaatssekretär gehört: „Ich kann nicht umhin, mein Unverständnis über Deine Blockadehaltung zu äußern, die Du seit Monaten an den Tag legst“. Pohl hatte im Sinne der Sache noch gehofft, dass Pschierer im Zuge des Wahlvorkampfes diese Sache auf eigene Faust lösen wolle: „Nun sehe ich aber, dass dies nicht der Fall ist“, so Pohl in seinem Schreiben an Pschierer. Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler sieht inzwischen dringenden Handlungsbedarf, „um zu retten, was vielleicht noch zu retten ist“.

Der Präsident der Hochschulleitung Kempten, Prof. Robert F. Schmidt, sieht die Angelegenheit dagegen pragmatisch: „Für uns als Hochschule ist wichtig, dass wir eine Genehmigung für dieses neue Studienfeld bekommen und uns entsprechend auf diesem Gebiet weiterentwickeln können“. Der Einstieg sei wichtig, denn dies sei auch bedeutend für die Region. Denn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Zuge der demografischen Entwicklung werde zunehmen. Dabei könne sich der Hochschulleiter auch vorstellen, in Kempten vorerst nur mit zwei Studiengängen zu beginnen – dies sei deutlich kostengünstiger, als wenn man in Kaufbeuren mit einer kompletten Außenstelle durchstarten müsste, denn nur dieses würde dort Sinn machen.

Die jährlichen Betriebskosten für eine Außenstelle in Kaufbeuren bezifferte Prof. Schmidt auf Anfrage des Kreisboten auf rund 5,5 Millionen Euro. In Kempten hingegen könnte man deutlich günstiger den Einstieg in das neue Studienfeld schaffen. Vorhandene Hörsäle könnten beispielsweise genutzt werden, ein Labor müsste man wohl noch bauen, so Schmidt. Er betonte aber auch, dass die Hochschule Kempten offen für beide Varianten sei. „Wichtig ist der Einstieg“, so Schmidt. Er hob auch hervor, dass der Hochschulrat sich damals zwar einstimmig für eine Außenstelle in Kaufbeuren ausgesprochen, im Grunde aber eine Ansiedlung des neuen Studienfelds in Kempten favorisierte habe. Doch durch die Zusage des Staatssekretärs Franz Pschierer (CSU), die Kosten für die Hochschulnebenstelle in Kaufbeuren im Rahmen der Konversion finanziell auf die Beine stellen zu lassen, ließ den Hochschulrat letztlich für Kaufbeuren stimmen. Denn nur die Wertachstadt falle mit dem Abzug der Truppen vom Fliegerhorst in dieses Raster.

Hauptsache im Allgäu

Schmidt erklärte aber auch, dass das Wissenschaftsministerium schon immer gegen die Schaffung neuer Hochschulnebenstellen gewesen sei. Daher erging von dieser Behörde die Aufforderung an die Hochschule Kempten, „Alternativen zu suchen“. „Einem Einstieg der Hochschule im Bereich ‚Gesundheit und Generationen’ in Kempten selbst steht das Wissenschaftsministerium hingegen offen gegenüber“, erklärte Schmidt und fügt hinzu: „Wir brauchen jetzt eine mutige Entscheidung der Politik. Sie müssen vorgeben, was sie bereit sind in solch eine Hochschule zu investieren“. Zeit habe man aus Schmidts Sicht nicht mehr viel, da die Gefahr bestehe, dass auch andere Hochschulen das Studienfeld „Gesundheit und Generationen“ für sich entdecken.

Der Kemptener Staatsminister Thomas Kreuzer versucht indes, zu beschwichtigen. Eine Entscheidung stehe noch längst nicht an. Entscheidend sei vor allem, was die Hochschule wolle. In der Debatte müssten aber sämtliche Argumente sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. „Man muss das in der Gesamtbetrachtung sehen“, sagte er auf Anfrage des Kreisboten. Schließlich hätten sich für Kaufbeuren neue Alternativen ergeben. Kreuzer verwies in diesem Zusammenhang auf die Pläne des ADAC, dort ein High-Tech-Testzentrum zu etablieren (wir berichteten). Auch die Fluglotsenausbildung bleibt nun offenbar doch in der Wertachstadt. „Wichtig ist, dass das Projekt überhaupt im Allgäu umgesetzt wird“, betonte der Leiter der Staatskanzlei. Schließlich sei der Gesundheitsbereich eine „wichtige Zukunftsbranche“. Das letzte Wort in der Sache hat aber ohnehin der Landtag. Angesichts des „erheblichen Finanzierungsvolumens“, so Kreuzer, müsse der in der nächsten Legislaturperiode über den Standort einer Außenstelle entscheiden.

Pschierer selbst erklärte auf Anfrage, dass er nach wie vor am Standort Kaufbeuren festhalte. Dafür sprächen aus seiner Sicht zwei Punkte: Zum einen sei Kaufbeuren durch den Abzug der Truppen vom Fliegerhorst stark betroffen und müsse deshalb im Rahmen der Konversion unterstützt werden. Zum anderen werde dadurch die Gesundheitsregion gefördert, insbesondere in Zusammenarbeit mit Gesundheitsein- richtungen im Unterallgäu, allen voran Bad Wörishofen. Darüber hinaus fehle bis heute eine Grundsatzentscheidung des Wissenschaftsministeriums für den Standort Kaufbeuren. Auch sei von dort beim Finanzministerium noch kein Antrag über Mittel für Raum- und Stellenbedarf eingegangen, so Pschierer.

Kai Lorenz/Matthias Matz

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