Keine Experimente

Solider Klassikgenuss beim Sommerkonzert in der Klassikbox

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Diesmal führte Francesco Angelico den Taktstock beim Sommerkonzert der Münchner Symphoniker in der Klassikbox. Er erhebt die Hand von Solist Nikita Boriso-Glebsky, der das Publikum mit seinen Klängen bezauberte.

Kempten – Das Sommerkonzert der Münchner Symphoniker in der Big Box Allgäu war wieder einmal ein Abend für die Anhänger der Klassik alter Schule: Serviert wurden weder Experimente noch besonders schwere oder moderne Musikkost. Auch bereits beim Einzug der Musikerinnen und Musiker im edlen, traditionellen Schwarz war dies zu spüren.

Eine Überraschung gab es vielleicht doch: Nicht der Chefdirigent der Münchner Symphoniker, Kevin John Edusei, führte den Taktstock, sondern Francesco Angelico, auch kein unbeschriebenes Blatt. Der 1977 auf Sizilien geborene Dirigent ist regelmäßig an führenden Opernhäusern weltweit präsent. Und so leitete er an diesem Abend in der leider nicht so ganz gefüllten Klassikbox mit südländischem Temperament und wallenden schwarzen Locken die Musikerinnen und Musiker, spornte sie mit lebhaften Bewegungen an, um im nächsten Moment in die Knie gehend das Orchester zu bremsen und mit leisen Tönen die Werke von Franz Berwald, Hugo Wolf und Henri Vieuxtemps zu intonieren. 

Nach der Pause zelebrierte Nikita Boriso-Glebsky Violinenkunst in der Klassikbox. Der 1985 in Weißrussland geborene Solist, der als Preisträger u.a. des Internationalen Fritz-Kreisler-Violin-Wettbewerbs von sich reden machte und über dessen Virtuosenkunst Kritiker schreiben: „Seine Technik ist erstklassig mit einer Schärfe, die einzigartig ist“, zauberte virtuose Soli in den schönen Abend. Für den langen Applaus gab‘s noch extra Zugaben, bei denen auch das gesamte Orchester andächtig lauschte. 

Titel des Abends war „Reisende“. „Nichts entwickelt die Intelligenz wie das Reisen“, befand einst der große französische Schriftsteller Emile Zola – und man ist versucht zu ergänzen: Nichts entwickelt die Musik wie das Reisen. Fremde Länder und deren Musik kennenzulernen, andere Sprachen und Musiksprachen zu hören, ist zu allen Zeiten für Komponisten inspirierend gewesen. Und auch der junge Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Sinfonie Nr. 4 nach der Pause das Programm bestimmte, nutzte Reisen zu Musikinspirationen. „Schreiben, wie mir’s ums Herz ist, das ist die einzige Richtschnur, die ich kenne“ meinte er, „und auch das lustigste Stück, das ich je gemacht habe.“ Ein schönes Klassikevent wieder hier im Allgäu.

Achim Crispien/kb

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