Nach langer Diskussion spricht sich der Stadtrat mit 21:20 Stimmen dagegen aus

Keine Gastronomie am Hildegardplatz

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Der Blumenhügel am Hildegardplatz wird nicht durch einen Kiosk ersetzt.

Kempten – Stolze 21 Redebeiträge von Stadträten hatte OB Thomas Kiechle am Ende der Diskussion um den Gastronomie-Kiosk am Hildegardplatz gezählt. Eine schicksalhafte Zahl, wie sich bei der Abstimmung zeigte: mit 20:21 Stimmen wurde vergangenen Donnerstag beerdigt, was der Haupt- und Finanzausschuss am 22. Januar noch mit 6:5 Stimmen durchgewunken hatte. Nämlich dem Antrag der CSU-Fraktion folgend, das Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) mit Kostenermittlung, Pächtersuche und einem Entwurf bezüglich Erbbaurecht zu beauftragen, um die Möglichkeit für den wirtschaftlichen Betrieb einer Gastronomie am jetzigen Blumenhügel vor dem Eingang zum Fürstensaal zu prüfen.

Wie berichtet, war im direkten Anschluss an den Beschluss ein Antrag auf dessen Nach-prüfung im Stadtrat gestellt worden.

Die „Kiosk“-Geschichte in Kürze: 2012 hatte sich der Stadtrat für die Errichtung eines Gebäudes mit gastronomischem Betrieb auf 33,6 Quadratmetern Verkaufsfläche ent- schieden. Auch eine Pächterin war bald gefunden, die aber wegen der zu hohen Pachtkosten kurzfristig wieder absprang. Danach wurde das Unternehmen nicht mehr weiter verfolgt.

Schon am korrekten Begriff für den Stein des Anstoßes schieden sich die Geister und eine einheitliche Bezeichnung – für den Kiosk?, Verkaufsstand?, gastronomischen Betrieb? – schaffte es bis Sitzungsende nicht, sich durchzusetzen. Einen „Kiosk“ jedenfalls „wollen wir da nicht“, hieß es von den Freien Wählern. Ihnen ging es nicht so sehr um die Frage Gastro oder nicht, zumal der Platz auch ohne Gastronomie funktioniere. „Wir wollten diese Entscheidung nicht einfach an das KKU abgeben“, denn „Stadtentwicklung ist unsere Aufgabe“, so Fraktionsvorsitzender Alexander Hold.

"Massiv gestört"

Als Kulturbeauftragte könne sie nicht mit Ja stimmen, meinte Silvia Rupp (CSU). Zum einen würde ihres Erachtens das historische Ensemble „massiv gestört“ und außerdem sei dort inzwischen viel gastronomisches Angebot zu finden. Damit sprach sie einer Reihe Stadtratskollegen aus der Seele, wie Siegfried Oberdörfer (SPD), der sich zudem nicht vorstellen konnte, dass sich bei schlechtem Wetter jemand auf den rund 30 Quadratmetern Verkaufsfläche tummeln wolle, die Belebung des Platzes bei gutem Wetter aber auch so funktioniere. Zudem wolle er den „wunderbaren, freien und offenen barocken Platz“ nicht durch ein Bauwerk verstellt wissen.

Dem konnte Erwin Hagenmaier (CSU) nicht folgen, da seines Erachtens der Blick höchstens verstellt werde, wenn man einen Meter vor dem Bau stehe. Helmut Hitscherich (UB/ödp) erinnerte daran, dass sich beim zum Thema oft bemühten „Markt der Meinungen“ seinerzeit gerade einmal 22 Bürger „für mehr Gastronomie“ ausgesprochen hätten und damals habe es am Platz nur die „Paula“ gegeben. Somit sei dem Wunsch der Bürger bereits nachgekommen worden. Dr. Philipp Jedelhauser (ödp) führte kalkulatorisch vor, dass im allergünstigsten Fall 1250 Euro Pacht pro Monat – Sommer wie Winter – plus Erbpacht bezahlt werden müssten, wobei „wir da schon etwas subventionieren“.

Eine „städtebauliche Herausforderung“ sah Hans Mangold (Grüne), der meinte, es müsse „ein sehr schöner Kiosk werden“, da er bei allen Touristen auf dem Foto vom historischen Ensemble zu sehen sein werde. Abgesehen von den Marktleuten, die einen Kiosk als störend empfänden oder der ablehnenden Haltung der Stiftsstadtfreunde sei auch „in der Bürgerschaft jetzt ein anderer Tenor als vor zwei bis drei Jahren“. Dieter Zacherle (FW) stellte fest, dass „noch keiner verhungert, noch keiner verdurstet ist“ seit der Neugestaltung des Platzes. Lothar Köster (SPD) äußerte den Wunsch, den Bebauungsplan von vor drei Jahren zu ändern und das Thema damit endgültig vom Tisch zu haben.

Diplomatisch gab sich Baureferent Tim Oliver Koemstedt, der das, „was jetzt dort entstanden ist“, als eine „wirklich sehr gute Lösung“ bezeichnete. Es sei sicher auch möglich, ein Gebäude zu schaffen, „das sich in diesen großen Platz einfügt“ und so ein „Kontrapunkt zum Brunnen entsteht“.

K.O.-Kriterium

Helmut Berchtold (CSU) warf den Punkt Attraktivitätssteigerung für „Städtetourismus“ in den Ring und sein Parteikollege Harald Platz konnte sich gar vorstellen, das Gebäude als Anlaufstelle für Touristen einzurichten, falls es mit der Gastronomie nicht klappen sollte. Das wiederum verwunderte Michael Hofer (ödp) doch ziemlich, da die Touristen-Information doch schon lange im Erdgeschoss bei den Prunkräumen beziehungsweise dann im Zumsteinhaus geplant sei.

Ein echtes K.O.-Kriterium lieferte Klaus Knoll zum Schluss der Diskussion: das Fehlen von Gästetoiletten. 

Von Christine Tröger

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