Keine Kredite für das Kulturzentrum

Lindenbergs Bürgermeister Johann Zeh mit den Abgeordneten Eberhard Rotter und Georg Winter im Kesselhaus. Foto: Budzinski

An der Sanierung des alten denkmalgeschützten Gebäudes der Reich’schen Hutfabrik führt kein Weg vorbei. Nachdem nun eine sinnvolle öffentliche Nutzung gefunden ist, stellen sich zwei Fragen. Kann sich die Stadt die Sanierung leisten? Die Antwort lautet: Ja! Kann sich die Stadt die Folgekosten eines Kulturzentrums mit modernen Hutmuseum leisten? Auch die Antwort lautet: Ja! „Das Kulturzentrum lässt sich ohne Kreditaufnahme finanzieren“, sagt Bürgermeister Zeh. „Die Investition wird aus laufenden Einnahmen und Grundstücksverkäufen bezahlt.“

Die Kostenseite des Gesamtprojekts gliedert sich folgendermaßen auf: Gebäudesanierung mit Nebenkosten 6,4 Millionen Euro (Fördermittel hierfür 5,3 Millionen Euro), Hutmuseum 2,55 Millionen Euro (Zuschüsse hierfür 1,45 Millionen Euro), Grunderwerb 0,55 Millionen Euro (Zuschuss hierfür 0,13 Millionen Euro). Schon bei der ursprünglich als Messlatte für die Realisierbarkeit angelegten Mindestförderhöhe von 50 Prozent hätte die Stadt das Vorhaben ohne Kredite finanzieren können. Die ausgezeichnete Förderung verbessert nun die Ausgangslage erheblich. Überdies hat die Erneuerung der östlichen Innenstadt eine hohe Priorität. „Die Stadt hat das Fabrikareal der Firma Reich damals aus der Konkursmasse erworben, um ein ganzes Stadtviertel aufzuwerten“, berichtet Hauptamtsleiter Roland Kappel. Auch im Stadtleitbild wurde die Neunutzung des Reich’schen Areals als wichtig eingestuft. Im Förderprogramm Die Stadt gelangte ins Förderprogramm Stadtumbau West, das die Umnutzung alter Industriebrachen und den Erhalt wichtiger Industriebauten fördert. Für die Freimachung des Geländes erhielt Lindenberg 480 000 Euro Zuschuss. Weil sich bei näherer Untersuchung herausgestellt hat, dass ein Einzelgebäude von denkmalhafter Qualität ist und zudem sich durch eine gute Bausubstanz auszeichnet, ergaben sich neue Aspekte. Ein Fabrikbau wurde erhalten: das letzte unverändert erhaltene imposante Gebäude aus Hutmacherzeiten. Gerade weil viele Hutfabriken dem Erdboden gleichgemacht wurden, hat dieses Gebäude einen einmaligen Stellenwert für die geschichtliche Identität. Dieses Gebäude gehört zur Stadt, enthält ein Stück Seele der Stadt, ist städtische Kultur. Nun zur zweiten Frage: Kann sich die Stadt auch die laufenden Kosten eines Kulturzentrum mit modernem Hutmuseum leisten? Positive Perspektiven Dafür gibt es verlässliche Aussagen durch den Konzeptentwickler Firma Argus. Es ist für das Kulturzentrum mit Museum mit einem jährlichen Defizit von 125 000 Euro zu rechnen. Diese Angaben wurden von fachlich neutraler Stelle wie der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen mit viel Hintergrundwissen geprüft und für realistisch befunden. Auch die Stadtverwaltung hat die Betriebskostenansätze durch Vergleich mit bestehenden Gebäuden in der Stadt geprüft und festgestellt, dass die Kosten eher zu hoch als zu niedrig angesetzt sind. Inzwischen haben sich neue positive Zusatzperspektiven ergeben. Es gibt im Kulturzentrum die ideale Gegebenheit einer Heizung mit Wärme aus Grundwasser. Diese Heiztechnik ist im Betrieb kostensparend, erfordert aber höhere Anfangsinvestitionen (die wiederum gut gefördert werden). Wie Bürgermeister Zeh berichtet, musste vor Bewilligung von Förderbescheiden sogar die Rechtsaufsicht bestätigen, dass sich Lindenberg das Projekt leisten kann. Das errechnete Defizit ist jedoch nur eine separierte Zahl. Sie verzeichnet nicht, wie viel indirekt durch einen möglichen wirtschaftlichen Aufschwung in die städtische Kassen fließt. Denn bei prognostizierten 30 000 Besuchern jährlich bleibt natürlich auch Geld in der Stadt liegen. Es ist das Gesamtkonzept, das die Fachleute, Besucher, Außenstehende überzeugt. Der Landtagsabgeordnete Georg Winter, Vorsitzender des Bayerischen Haushaltsausschusses, war bei seinem Informationsbesuch im Kulturzentrum in Lindenberg von dem Projekt jedenfalls so angetan, dass er sogar für einen höheren Zuschuss plädierte.

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