Keine Prachtstraße

Der Haupt- und Finanzausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung am Montag vergangener Woche überplanmäßige Haushaltsmittel in Höhe von 430000 Euro für den Ausbau der Beethovenstraße zur Verfügung gestellt (der KREISBOTE berichtete). Nur einen kleinen Teil davon muss die Stadt jedoch im Endeffekt selbst aufbringen, denn die Beethovenstraße gehört dem Bund. Nur einen Tag später hieß auch der Bauausschuss die Pläne gut. Begonnen werden soll mit den Arbeiten bereits kurz nach Ostern, die Fertigstellung ist dann für Ende Juni/Anfang Juli vorgesehen.

380000 Euro bekommt die Stadt vom Staatlichen Bauamt, um den Asphalt der Beethovenstraße zwischen Salzstraße und Linggstraße zu erneuern. „Dieses Geld ist uns sicher“, erklärte Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann im Ausschuss. In diesem Zuge wird die Stadt auch gleich den Gehweg sanieren. Das wird laut Wiedemann 50000 Euro kosten, die Hälfte davon entfällt auf die Anwohner. Ursprünglich hatte das Tiefbauamt Pläne präsentiert, wie man gleichzeitig das Stadtbild verschönern könnte. Demnach hätte der Gehsteig gepflastert und nicht asphaltiert werden sollen und Straßenlaternen hätten die alten Straßenlampen ersetzt, die derzeit über der Fahrbahn hängen. Wiedemann hatte diese Ideen damit begründet, das die Häuser, die diesen Teil der Beethovenstraße säumen, größtenteils Stadtvillen aus dem 19. Jahrhundert sind. Mit der optischen Aufwertung des Gehwegs wollte die Verwaltung dem ursprünglichen Prachtstraßen-Charakter Rechnung tragen. Anwohner für einfachen Weg Im Bauausschuss waren die Pläne jedoch zunächst auf wenig Anklang gestoßen (der KREISBOTE berichtete). Das Pflaster und die Laternenmasten seien teuer und unpraktisch, lautete der Tenor. Die Verwaltung erhielt daraufhin den Auftrag, die Anwohner zu befragen. Und auch die, berichtete Wiedemann in der vergangenen Woche, seien für einen gewöhnlichen Asphalt-Gehweg und Oberlicht. „Manchmal möchte man die Leute zu ihrem Glück zwingen“, meinte Stadträtin Elisabeth Brock (Die Grünen/FL), die durchaus die Vorzüge der Pflasterung sah. Die wäre aber mit 100000 Euro doppelt so teuer und würde ebenso zu gleichen Teilen zwischen Stadt und Anwohnern aufgeteilt. Eine nennenswerte Änderung zum bisherigen Straßenverlauf sei laut Wiedemann, dass der Radweg künftig auf dem Niveau der Fahrbahn und nicht mehr des Gehwegs verläuft. Kritik äußerte Thomas Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen/FL. Er hatte kürzlich im Verkehrsausschuss vorgeschlagen, mehrere Straßen für Fahrzeuge zu sperren, um den Abkürzungsverkehr durch die Innenstadt einzudämmen, darunter auch das Teilstück der Beethovenstraße zwischen Linggstraße und Freudental. Das habe das Tiefbauamt bei seiner Planung nicht berücksichtigt, erfuhr er von Wiedemann. Zu viel Polemik? Unterstützung erhielt Hartmann von Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp/FDP). Beide hatten zusammen ein Gesamtverkehrskonzept beantragt mit dem Ziel, den Kfz-Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren. Hitscherich beklagte die viele Polemik, die ihren Plänen im Verkehrsausschuss entgegengeschlagen war. „Bestimmt die Hälfte der 16000 Autos, die täglich durch die Beethovenstraße fahren, sind Durchgangsverkehr“, erklärte er. Bürgermeister Josef Mayr (CSU) verwies dagegen auf die 16000 Einpendler, die das Kemptener Verkehrsnetz täglich verkraften müsse. Mit der Gegenstimme von Hartmann gab der Ausschuss letztendlich die Mittel frei.

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