Für die Halde-Nord sollen alternative Pläne entwickelt werden

Querspange verabschiedet

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Im Bauausschuss wurde beschlossen, die weiteren Planungen der Halde-Nord ohne Querspange fortzuführen. Die Verwaltung soll nun neue Pläne ausarbeiten.

Kempten – Unter wirtschaftlichen, stadtplanerischen und verkehrlichen Gesichtspunkten wird die aktuelle Planung der Halde-Nord derzeit kritisch betrachtet und auch Planungen wieder verworfen. So hat sich der Bauausschuss am vergangenen Dienstag mit sechs zu fünf Stimmen knapp gegen eine weitere Planung mit Querspange ausgesprochen. Dem Stadtrat sollen jetzt neue Zielvorgaben vorgeschlagen und im Anschluss eine alternative Planung entwickelt werden.

Bisher war eine durchgehende Hauptverbindungsstraße zwischen der Memminger und Heiligkreuzer Straße vorgesehen, von der dann die innere Wohngebietserschließung abzweigen sollte. Dadurch sollte eine reduzierte Belastung der Mariaberger und Lotterberg Straße an den Knotenpunkten zur Rottachstraße erreicht werden und der Verkehr der „alten“ Halde-Süd entlastet werden.

Grund dafür, dass die bisherigen Planungen in Frage gestellt wurden, war nicht nur die nicht finanzierbare Grünbrücke über der Querspange sondern auch die erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen, die die Wohnsituation nachhaltig beeinträchtigt hätten. Unabhängig davon, ob die Trasse für die Querspange eingeschnitten oder geländenah verläuft, wäre eine durchgehende Lärmschutzwand von bis zu zwei Meter Höhe im östlichen und bis zu vier Meter im zentralen Plangebiet erforderlich gewesen, erläuterte Stadtplanerin Antje Schlüter. Als Alternative wäre eine Wohnquartiersstraße denkbar, die dann zwar nicht förderfähig, dafür aber beitragsfällig wäre. Durch den Wegfall der Querspange wird die bestehende Haldesiedlung mit 600 bis 800 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag belastet, „die aber noch weit unter der Zumutbarkeitsgrenze liegen.“

„Hohe Erschließungskosten sind auf jeden Fall da und attraktiv ist das Wohngebiet nicht, ich glaube, das größere Problem ist die Verschattung und die Typografie, die Lärmschutzwand ist nur von der äußeren Wohnreihe aus zu sehen und die wird auch irgendwann einwachsen“, sprach sich Siegfried Oberdörfer (SPD) dennoch für den Bau einer Querspange aus. Es gehe um die Qualität des neuen Baugebiets, aber es gehe auch darum die alte Halde zu berücksichtigen und den „Schleichverkehr“ durch beide Wohngebiete zu entlasten. Die Querspange wäre demnach zukunftsorientiert, so Oberdörfer weiter. Auch Hans-Peter Hartmann (FW-ÜP) sah in der Querspange eine langfristige Lösung. „Wenn wir diese Anbindung nicht bauen, gibt es in 20 Jahren den Supergau, wenn wir weiter oben noch mehr Grundstücke haben.“ Anderer Meinung waren da Erwin Hagenmaier und Richard Hiepp (beide CSU). Die Querspange und eine meterhohe Lärmschutzwand seien für ein attraktives Wohngebiet hinderlich und würden aus wirtschaftlicher und immissionsrechtlicher Sicht zum „Fiasko“ werden.

Geändert hat sich bei den Planungen aber nicht nur die verkehrliche Anbindung des neuen Wohngebiets. Auch die Baustruktur der bereits geplanten südlichen Hälfte der Halde-Nord wurde überarbeitet. Die Zahl freistehender Einfamilienhäuser wurde weiter vergrößert, Multifunktionsflächen mit den vorgesehenen Freibereichen sind ersatzlos entfallen.

Nach aktuellem Planungsstand entstehen 45 freistehende Einfamilienhäuser, 21 Kettenhaustypen, zwölf Doppelhaushälften sowie acht Doppelhaushälften in Hausgruppen, 53 Reihenhäuser und fünf Mehrfamilienhäuser, wodurch insgesamt rund 170 Wohneinheiten entstehen. „Die Gesamtdichte des Wohngebiets wurde somit weiter reduziert“, erklärte Schlüter.

Keine gemeinschaftlichen Bereiche geplant 

Gemeinschaftliche öffentliche Bereiche sieht die Planung derzeit nicht mehr vor, lediglich die Randlagen der Querspange wären noch für öffentliche Angebote zur Verfügung gestanden. „Wir haben noch drei Quartiersplätze als innere Freiräume, aber die sind nicht wirklich grün“, so Schlüter weiter. Aufgrund der starken Neigungen könnten diese Plätze nicht als attraktive Aufenthalts- und Spielbereiche gestaltet werden. Die vielen Geländebewegungen hätten auch zur Folge, dass Grundstückbesitzer beim Bau teurere Lösungen finden müssen, „einfache Standard-Einfamilienhäuser sind da schwer zu realisieren.“

Lea Stäsche

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