»Muss man alles machen, nur weil es möglich ist?!«

Haldenwang: 2800 Menschen unterschreiben gegen Kiesgrube Pfaffenhofen

Ein Bulldog mit Kipper fährt durch Probstried, links ist ein Banner mit dem Hinweis auf die Bürgerinitiative gegen die Kiesgrube zu sehen
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Entlang der engen Ortsdurchfahrtsstraße in Probstried weisen Banner auf die drohende Problematik hin.

Haldenwang – In Pfaffenhofen, einem Weiler der Gemeinde Haldenwang, hängt der Dorffrieden schief.

Einer der rund 50 hier ansässigen Bürger hat seinem langjährigen Arbeitgeber, dem Oberstdorfer Bauunternehmen Geiger, eine rund fünf Hektar große Wiese zur Pacht angeboten. Man erwägt, hier eine Kiesgrube anzulegen. Seit Monaten schlagen deswegen die Wellen hoch, denn die Idee stößt auf massive Gegenwehr. Zwar liegt noch kein Bauantrag vor, doch die Vertreter der umliegenden Gemeinden haben bereits Vorbehalte bzw. ihre klare Ablehnung geäußert. Die Bürgerinitiative „Nein zur Kiesgrube Pfaffenhofen“ hat mittlerweile mehr als 2800 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Die Initiatoren hoffen, dass Geiger seine Pläne fallen lässt.

Die unscheinbare Wiese liegt am östlichen Ortsausgang von Pfaffenhofen, zwischen einer kleinen Hügelkuppe und einem Waldgebiet, an der Staatsstraße 2377 Richtung Untrasried. Im Lauf von mindestens zehn bis 15 Jahren könnten hier 450.000 Kubikmeter Kies bis in eine Tiefe von zehn bis zwölf Metern abgebaut werden. Bei einem Ortstermin mit dem Kreisboten führen Michaela Sindlhauser und weitere Mitglieder der Bürgerinitiative „Nein zur Kiesgrube Pfaffenhofen“ die Hauptgründe aus, weswegen sie gegen das Projekt auf die Barrikaden gehen.

Michaela Sindlhauser zeigt das Areal, in dem die Kiesgrube entstehen könnte.

„Wir gehen davon aus, dass das zusätzliche Verkehrsaufkommen bei mindestens 40 Schwerlastern täglich liegen würde – das macht rund 100.000 LKW für die Gesamtdauer“, rechnet Michaela Sindlhauser vor. „Die Laster müssten zunächst einen viel frequentierten Radweg kreuzen. Siebzig bis 80 Prozent der Fahrten würden dann über Probstried zur A7 gehen, der Rest durch Untrasried oder Seebach, Haldenwang, Börwang und Wildpoldsried, zum Beispiel zur Kieswaschanlage in Dodels.

Für die Bürger in den Anliegergemeinden würde dies eine enorme, unverhältnismäßig große Mehrbelastung mit Schwerlastverkehr, Staub, Lärm und Abgasen bedeuten“, mahnt sie. Dabei sei die Belastung der viel befahrenen Staatsstraße an sich wie auch ihrer Anwohner schon jetzt sehr groß. In Probstried sei die Trasse zudem recht schmal und führe im Ort durch ein Nadelöhr, eine unübersichtliche S-Kurve sowie an zwei denkmalgeschützten Gebäuden vorbei („die werden bis in die Fundamente erschüttert“).

Sorge ums Trinkwasser

Ein großer Punkt ist auch die Ökologie: Die Kiesgrube würde zur Zerstörung einer riesigen Grünfläche führen. Und nicht nur das: Da einer der Anrainer nicht bereit sei, sein Grundstück für die Zufahrtsstraße herzugeben, müsste diese im angrenzenden Wald verlaufen, was den ökologischen Schaden noch erhöhen würde. „Hinzu kommt, dass völlig unklar ist, inwieweit ein derartiger Eingriff die Grundwasserflüsse beeinflussen würde. Die Leute machen sich verständlicherweise Sorgen um ihr Trinkwasser“, weiß sie.

Das Bodengutachten des Wasserwirtschaftsamtes stehe noch aus. „Alle Anwohner haben zunächst versucht, im Guten mit dem Eigentümer der Fläche zu sprechen – aber der bleibt stur.“ Daran habe auch die Tatsache nichts ändern können, dass die Bürgermeister der Gemeinden Dietmannsried, Haldenwang und Untrasried gegen das Projekt Stellung bezogen hätten. „Die Bürgerinitiative setzt sich dafür ein, die Problematik ins öffentliche Bewusstsein zu tragen – so gut es in Corona-Zeiten eben geht. Die mehr als 2800 Unterschriften zeigen, dass sehr viele Leute wie wir der Meinung sind, dass hier der falsche Ort für eine Kiesgrube ist“, betont Michaela Sindlhauser.

„Wir haben ja schon ein weithin hörbares Kieswerk in Seebach, dessen Genehmigung kürzlich um weitere zehn Jahre verlängert wurde. Und entlang der A7 gibt es etliche Kiesgruben, zum Teil desselben Unternehmens, die über eine sehr viel bessere Verkehrsanbindung verfügen und noch jahrzehntelang genutzt werden können. Heutzutage wäre ein Umdenken in Richtung ressourcenschonenden Baustoffrecyclings doch viel sinnvoller und zukunftsträchtiger und würde zudem dem Image der Firma weit mehr nutzen, als wenn hier ein Projekt gegen solch großen Widerstand durchgesetzt werden würde. Die Frage ist doch auch: Muss man denn wirklich alles machen, nur weil es möglich ist?!“

Auf Nachfrage des Kreisboten erklärte die Pressestelle der Firma Geiger, man rechne damit, dass in absehbarer Zeit Informationen über das weitere Vorgehen vorliegen würden.

Sabine Stodal

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