AVKE gibt Gas … Klärgas

Erneute Förderzusage für AVKE: Zuschuss für die Wasserstoffproduktion

Faultürme Abwasserverband Kempten (AVKE) Klärwerk Kläranlage Klärschlamm Methan
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In den bauchigen Faultürmen (links) des Abwasserverbands Kempten (AVKE) produziert der Klärschlamm Methan, das nach einer Reinigung von CO2 zur Stromproduktion genutzt werden kann. Diese Energie kann wiederum der Wasserstoffproduktion dienen.
  • VonSusanne Lüderitz
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Kempten/Landkreis - Wasserstoff: Als erster Akteur der „Wasserstoffzukunftsregion HyAllgäu“ setzt der Abwasserverband Kempten Projekte ab. Förderung gibts‘s vom Bund.

Erst kürzlich bedachte Bayern den Abwasserverband Kempten mit einer Förderung für den Schichtwärmespeicher. Nun liegt ein erneuter Förderbescheid auf dem Schreibtisch von Geschäfts- und Betriebsleiter Franz Beer. Mit fast zehn Millionen Euro will das „Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit“ die Wasserstoffproduktion am Klärwerk unterstützen. Bereits jetzt produziert die Kläranlage mehr Strom als sie verbraucht. Mit der Wasserstoffproduktion sollen jährlich weitere 11.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Mehr Gas

Um die nötige Strommenge für die energieintensive Wasserstoffgewinnung zu erhalten, soll die Menge des Faulgases erhöht werden. In die bauchigen Fäulnisbehälter des Abwasserverbands werden dafür mehr konzentrierte Abwässer hineingegeben. Es gibt nämlich „Teilströme, die man doppelt verwenden kann“, erklärt Betriebsleiter Beer. Bei 37 bis 38 Grad Celsius entsteht dort unter Sauerstoffabschluss ein Gas aus 60 bis 65 Prozent Methan. „Der Rest ist CO2“, so Beer. Eine Separierungsanlage, die gefördert wird, reinigt das Methan von CO2, sodass Biomethan zurückbleibt.

Zusätzlich erhält der AVKE eine Biogasleitung von der Vergärungsanlage Kempten-Schlatt herüber. Beim Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) vergären nämlich Bioabfälle zu Komposterde und produzieren dabei ebenfalls Biogas.

Mit dieser Menge an Methan wird dann ein neues Blockheizkraftwerk gespeist, das elektrischen Strom produziert. Ein bis 1,5 Megawatt Leistung hat das geförderte BHKW. Strom und Biogas können im Mobilitätssektor genutzt werden. Und „wenn wir zu viel Strom haben, separieren wir Wasser zu Wasser- und Sauerstoff“, sagt Beer, „wir sind flexibel“.

Für den Wasserstoff hat Beer bereits einzelne Abnahmeinteressenten. „Er muss kommunal genutzt werden. Aber unsere Menge kriegen wir auf jeden Fall unter“, so der Geschäftsleiter.

Zusätzlich schafft der Abwasserverband einen Stromspeicher mit zwei Megawattstunden Kapazität an. Damit sollen Stromspitzen ausgeglichen werden. Beer will diesen Speicher aber auch als Notstromspeicher nutzen und die derzeitigen Dieselaggregate ersetzen.

Den Sauerstoff, der bei der Wasserstoffproduktion anfällt, möchte der AVKE später auch in der Abwasserbehandlung nutzen und somit bis zu zwei weitere Gigawattstunden Stunden Strom einsparen.

Das Klärwerk wird klimapositiv

Das Gruppenklärwerk des AVKE stößt bis jetzt etwa 1.600 Tonnen Treibhausgas pro Jahr aus. Mit der neuerlichen Einsparung von elf Tonnen pro Jahr wird das Klärwerk nicht nur klimaneutral sein, sondern ab 2025 sogar klimapositiv, freut sich Beer. Im Bereich HY-Allgäu ist der Verband der erste Akteur, der ein Projekt abschließt. „Ohne Henne kein Ei“, so Beer, „wir haben jetzt die nötige Anschubfinanzierung.“

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