»Funk den anderen Spähtrupp an!«

Die Aufklärungsspezialisten aus Füssen im Einsatz MINUSMA – Operationen in der Weite Malis

Ein Spähwagen der Bundeswehr des Typs „Fennek“ in der Wüste in Mali neben einem Stacheldrahtzaun.
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Mission erfolgreich beendet. Die Aufklärungskräfte kehren ins Camp Castor zurück. Ihr Markenzeichen: Der moderne Spähwagen namens Fennek.
  • vonSelma Höfer
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Füssen/Gao – Die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen (MINUSMA) dient der Sicherung des Friedens. Mittendrin Soldatinnen und Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 aus Füssen. Als gemischte Aufklärungskompanie unter Führung der 3. Kompanie sind sie die Aufklärungsspezialisten des deutschen Einsatzkontingentes in der malischen Wüste. Genauer gesag im Camp Castor in der Stadt Gao. Die englische Bezeichnung für das Kontingent lautet „ISR COY“, was kurz für Intelligence-Surveillance-Reconnaissance Company steht. Das Markenzeichen der Aufklärer sind die modernen Spähwagen namens Fennek, mit welchen die Spähzüge operieren.

Der Spähzug hat den Auftrag, Informationen im Einsatzraum zu sammeln. Mit den Fenneks kann nahezu überall, auch im schwierigsten Gelände operiert werden. Bis zu fünf Tage kann so ein Team autark arbeiten und dem Kerngeschäft, der Informationsgewinnung, nachgehen. Insgesamt besteht ein Aufklärungszug aus vier Spähtrupps, die jeweils mit zwei Fenneks mit ihrer Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung dem Auftrag nachgehen. Die Trupps dokumentieren alles Gesehene akribisch mit Kameras und Diktiergeräten. In manchen Regionen werden auch durch gezielte Gespräche, also Gesprächsaufklärung, wichtige Erkenntnisse erlangt. Die gesammelten Informationen werden dann durch andere Stellen innerhalb der MINUSMA-Mission verarbeitet und für weitere Operationen aufgearbeitet.

Ist ein Spähtrupp unterwegs, befinden sich auf jedem Fahrzeug ein Kommandant, ein Kraftfahrer und ein Systembediener. Der Kommandant führt das Fahrzeug und schaut dabei „über Luke“. So besitzt er zu jeder Zeit einen guten Blick ins Gelände. Dabei ist der Kommandant des ersten Fahrzeuges der Spähtruppführer. Ihm folgt sein „Alphakommandant“ auf dem zweiten Fennek. 

Mission in schwierigem Gelände

Jeder Kommandant ist für sein Fahrzeug verantwortlich. Bevor es raus aus dem Camp geht, erstellt der Spähtruppführer mit seinem „Alpha“ eine genaue Missionsplanung. Dieser folgt abschließend ein detaillierter Bericht, in dem er den gesamten Verlauf inklusive der Aufklärungsergebnisse festhält.

Das Fahrzeug wird von dem jeweiligen Kraftfahrer durch das anspruchsvolle Gelände gesteuert. Dieser muss „seinen“ Fennek ebenso vor dem Festfahren im Sand bewahren wie auch bei Nacht ohne Licht durch das Gelände manövrieren können.

Personal und Material müssen immer einsatzbereit sein. Die Fahrzeuge sind für die Auftragsdurchführung unerlässlich.

Aussagen und Befehle des Kommandanten, wie „Feuer!“ oder „Funk den anderen Spähtrupp an!“, gehen an einen weiteren Spezialisten im Fahrzeug, den Systembediener. Er bedient nicht nur die Waffe mittels der fernbedienbaren Leichten Waffenstation 200, kurz FLW 200, sondern verfügt über eine Vielzahl an weiteren Qualifikationen. Zu diesen gehören eine umfassende Ausbildung am gesamten System Fennek sowie der kleinen abbildenden luftgestützten Aufklärungsdrohne im näheren Bereich. Diese kleinere Drohne wird ALADIN genannt. Ohne selbst gesehen zu werden, kann damit neben Ortschaften auch markantes Gelände, wie der Fluss Niger, überflogen und beobachtet werden. Weiterhin beherrscht der Systembediener mit einer Bodensensorausstattung auch die Aufklärung und Identifikation von Fahrzeugen und Personen, selbst in etlichen Kilometern Entfernung. 

Die Multitalente der Aufklärungskompanie

Aufgrund der geringen „Manpower“ innerhalb des Spähtrupps vereint jedes Mitglied eine Vielzahl an speziellen Einzelfähigkeiten. In Notsituationen muss jeder auch noch den Job der anderen übernehmen können.

Alle Soldatinnen und Soldaten sind mit moderner Ausrüstung ausgestattet, die das Leben im Einsatz erleichtert und im Ernstfall Leben rettet. Mit neuartigen Nachtsichtgeräten kann selbst bei völliger Dunkelheit die Umgebung taghell betrachtet werden. Neben den Standardwaffen Pistole P8 und dem Sturmgewehr G36 ergänzen Maschinengewehre und -pistolen sowie das Scharfschützengewehr G27 das Arsenal der Aufklärer.

Der Austausch von Wissen und Erfahrungen ist essentiell. Fast schon familiär kann das Verhältnis untereinander beschrieben werden. Was wichtig ist, denn Vertrauen steht bei einem unter Umständen sehr gefährlichen Einsatz an erster Stelle. 

Berichte und Nachbesprechungen

Alle Operationen, von der Planung über die Durchführung bis zur Verarbeitung der gewonnenen Informationen, werden durch die Zelle Informationsverarbeitung und Auswertung (ZIVA) begleitet.

Nach ihren oft mehrtägigen Operationen schreiben die Aufklärungskräfte Berichte und führen mit der ZIVA Einsatznachbesprechungen durch. Dabei gilt bei den Soldatinnen und Soldaten das Motto: „Nachbereitung ist Vorbereitung.“

Die „rohen“ Informationen werden zusammengeführt und bewertet. Dafür ist die All Sources Intelligence Cell (ASIC) zuständig. Die Soldaten und Soldatinnen der ASIC sammeln das Material und generieren Aussagen über die vermutete Absicht von Akteuren, die Bedürfnisse der Bevölkerung sowie Gefahren für die eigenen Kräfte. Mit ihren Ergebnissen leistet die gemischte Aufklärungskompanie aus Füssen einen wesentlichen Beitrag des Kontingents im Rahmen der UN Mission MINUSMA. Die Ergebnisse werden dann dem UN-Hauptquartier zur Verfügung gestellt. 

Alle Ergebnisse laufen in der Kompanie zusammen und werden von der sogenannten ZIVA ausgewertet. Diese Informationen dienen der Kontingentführung als Grundlage für die weiteren Operationsplanungen.

»Begreifen uns als Team«

„Unseren Schwerpunkt sehe ich bei unseren Aufklärungsfähigkeiten“, sagt Oberstleutnant Carsten Windsch, der derzeit mit der Führung des Kontingents beauftragt ist. „Die Umsetzung des fordernden Auftrages gelingt uns, da wir uns hier alle als Team begreifen und auch unsere internationalen Partnernationen vor Ort mit einbeziehen“, betont Windisch. Das Gebirgsaufklärungsbataillon 230 aus Füssen stellt dabei den Kern der Fähigkeiten und trägt mit den Aufklärungsergebnissen maßgeblich zu dieser Mission bei. 

Fortsetzung folgt

Über eine weitere, wirkungsvolle Ergänzung der Fähigkeiten der „ISR COY“, eine Drohne namens LUNA, lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben des Kreisboten und demnächst auch hier auf der Kreisboten-Homepage.

PAO/Selma Höfer

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