Bühne frei für einen Neustart

APC-Sommer startete mit Weltmusik und Urban Sound

Das Musikprojekt RSxT featuring Joo Kraus spielte ein Konzert beim APC-Sommerfestival auf der Bühne im Archäologischen Park Cambodunum in Kempten.
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Sorgten für Hörgenuss im APC: RSxT featuring Joo Kraus.
  • VonJürgen Kus
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Kempten – Wieder ein APC-Musikfestival, wieder ein Open Air im Römerbezirk des Archäologischen Parks Cambodunum, wieder also ein üblicher Sommeranfang in Kempten as every year? Jeder weiß, dass nach den Lockdown-Erfahrungen des letzten halben Jahres diesmal alles anders ist.

Erst wenn man etwas vermisst hat, bemerkt man, wie lieb es einem ist. So auch in der Musik. Genauer gesagt, in der Live-Musik, denn mit Musik-Streams aus Wohnzimmern und Musikstudios ohne Publikum musste sich ja eine ganze Branche mehr oder weniger gut über die Krise retten. Und so sah man an den ersten zwei Tagen des diesjährigen APC-Sommerfestivals (eine Kooperation von Kleinkunstverein Klecks und Kulturamt) den Musikern ihre unbändige Freude an, wieder im echten und nicht nur virtuellen Kontakt mit dem Publikum spielen zu können.

Dass das Kemptener APC-Gelände zudem ein besonderes Open-Air-Ambiente bietet, hat Karen Asatrian, Pianist der Band des ersten Abends, immer wieder in seinen Ansagen durchblicken lassen. Man möchte ihm gerne glauben, dass er noch nie vor einer schöneren Kulisse gespielt habe. Armenian Spirit heißt die Gruppe, die er 2003 gegründet hat und in der er in Österreich armenische Musiker um sich versammelt. Der Name soll Programm sein und etwas von der Musik dieses in alle Welt verstreuten Volkes zu Gehör bringen. Es ist eine sehr wohltönende und eingängige Mischung aus europäischem Jazz und ein bisschen armenischen Gewürzen, die da von der Bühne klingt. Die Gewürze kommen in der Hauptsache vom immer etwas melancholischen Gesang Rita Movsesians oder den für unsere Ohren fremd wirkenden Oud- und Bouzouki-Klängen von Juan Carlos Sungurlian.

Armenian Spirit.

Alle anderen bewegen sich auf dem gewohnten Terrain des europäischen Mainstreamjazz, das kraftvoll und energiegeladen von Ante Jurinovic und Reinhardt Winkler an Bass und Schlagzeug abgesteckt wird. Karen Asatrian ist es, der die musikalischen Fäden beisammenhält und mit ausgesucht schönen Solos oder Einwürfen auf dem Klavier oder Synthie immer wieder zu einem besonderen Klangvergnügen beiträgt. Man merkt ihm seine klassische Klavierausbildung an und tippt auf Mozart als seinen Lieblingskomponisten. Seine unterhaltsamen Plaudereien zwischen den Stücken hält er mit einem immer wieder durchschimmernden österreichischen Akzent, so dass man den sympathischen Eindruck bekommt, bei der Band handele es sich um eine österreichische Außenstelle armenischer Emigranten aus aller Welt.

Am folgenden Freitagabend betreten pünktlich um 20 Uhr noch bei Taghelle die Musiker von Roman Schulers Projekt RSxT featuring Joo Kraus die kleine Bühne. Ein schönes Detail an den APC-Konzerten sind die Veränderungen der Lichtverhältnisse während eines Konzerts von Taghelle zu Beginn eines Konzerts bis zur Nacht, wenn sich die Bühnenbestrahlung in eine bunte Lichtershow verwandelt.

Keyboarder Roman Schuler ist der Sinfoniker unter den einheimischen Jazzern. Mit den vielschichtigen Klang- und Soundcollagen seiner Arrangements, die er virtuos zu den live gespielten Beiträgen seiner Mitmusiker mischt, erzeugt er dichte und eindringliche Klanggemälde, die mal cool, mal hip, immer aber spannend und voller Drive daherkommen. Urban Sound. Solistisch hält er sich dabei im Dienste seiner Ideen zurück und ist neben Live-Musiker auch Live-Musik-Produzent, also jemand, der ganz gezielt bestimmte musikalische Anmutungen und Assoziationen erzeugen möchte, ohne solistische Zutaten zu betonen. Dass dies wunderbar funktioniert, ist an diesem Abend auch das Verdienst von Axel Klauk und Konrad Herbolzheimer, die mit Schlagzeug und Bass traumwandlerisch die Synchronisation zwischen live und vorproduziert hinbekommen. Darüber spielt dann der Kraan- und Tab Two-erfahrene Joo Kraus als Gastmusiker seine elektrisch verstärkten Trompetenlinien, die cool und elegant über dem Geschehen schweben und dann wieder mitten drin sind im Getümmel.

Sorgten für afrikanisches Flair: Biboul Darouiche.

Das APC-Festival ging am Samstag und Sonntag weiter mit Konzerten von Biboul Darouiche, den Drahtziehern und AnnaLu & Shavez.

Jürgen Kus

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