FC Kempten bleibt ohne Führung

Seit der Jahreshauptversammlung am Donnerstags im „Stift“ ist der FC Kempten erstmalig in seiner 101-jährigen Tradition ohne Führung. Aus den Reihen der über 400 Mitglieder war keiner bereit, Verantwortung für den Verein in der aktuellen Situation zu übernehmen. Kurz vor 23 Uhr schien der FC mausetot. Doch dann ergriff Hubert Geiger, Sprecher der Alten Herren und ehemaliger Vorstand des FC Memmingen, die Initiative und schlug die Einrichtung einer zehnköpfigen Kommission vor, die in den nächsten zwei Monaten ausloten soll, ob und wie es mit dem FCK weitergehen kann.

Als Vorsitzender Stefan Zeiler um kurz nach 22.30 Uhr die Versammlung schließen wollte und viele dachten, dass der FC nun Geschichte wäre und am Montag zum Amtsgericht müsse, um die Einsetzung eines Notvorstands zu beantragen, ergriff Hubert Geiger noch einmal das Wort. Er regte die Einrichtung eines Gremiums an. Es solle aus zehn Personen bestehen und in den nächsten zwei Monaten ausloten, ob und wie es mit dem Verein weitergehen kann. Mit viel Überredungskunst gelang es ihm, zehn Männer unter einen Hut zu bringen: Hubert Geiger (AH-Sprecher), Herbert Hegenbart (ehemaliger Sportlicher Leiter), Anton Malz (Ehrenpräsident), Gerhard Linder (Kassier des ausscheidenden Vorstands), Walter Auerbacher (Jugendleiter), Markus Merk und Ljubomir Ristic (Vertreter der 1. Mannschaft), Reinhard Melder ( ehemaliger Sportlicher Leiter), Harald Platz (Präsident des Stadtverbandes der Kemptener Sportvereine) sowie Wolfgang Rief vom Allgäuer Brauhaus. Dieses Gremium soll sich noch in dieser Woche, voraussichtlich am morgigen Donnerstags, 5. März, zum ersten Mal an einen Tisch setzen, um die Lage zu erörtern. Somit konnte die Hauptversammlung doch noch mit einem positiven Ergebnis geschlossen werden. Doch der Reihe nach: Vorsitzender Zeiler ließ das vergangene Jahr zunächst noch einmal Revue passieren, in dem es auch positive Dinge gab, wie den Aufstieg der 2. Mannschaft in die Bezirksoberliga oder das Freundschaftsspiel gegen den TSV 1860 München. Nach dem Abstieg aus der Bayernliga und dem Abgang von wichtigen Spielern sei der Klassenerhalt in der Landesliga durchaus kein utopisches Ziel gewesen. Doch die erste Mannschaft befindet sich nun nach der Vorrunde am Ende der Tabelle und muss um den Klassenerhalt bangen. Überrascht habe die zweite Mannschaft, die zunächst oben in der Tabelle mitspielte und gegen Ende der Vorrunde wegen des kleinen Kaders und den ständigen Abstellungen von Spielern für die 1. Mannschaft etwas abbaute. Der Klassenerhalt sei jedoch ein realistisches Ziel. In seiner Rede äußerte Zeiler auch Verwunderung über die Reaktion des 1. Vorsitzenden des Hauptvereins TSV Kottern, der den Gedanken einer Fusion des FC und des TSV während seiner Amtszeit eine klare Absage erteilte. Denn eigentlich seien die Gespräche mit der Fußballabteilung sehr gut gewesen seien. Gute Jugendarbeit Er stellte nochmals den Rücktritt des aktuellen Vorstands fest und deutete darauf hin, dass einige der Mitarbeiter des FC unter Umständen auch unter einer neuen Führung weiterarbeiten würden. Schließlich dankte er allen für die Unterstützung in den vergangenen Jahren und wünschte dem FC alles Gute für die Zukunft. Als Nächster berichtete Jugendleiter Walter Auerbacher über die Jugendabteilung und vermeldete wichtige Erfolge, vor allem der A- und B-Junioren. Insgesamt gebe es acht Vollmannschaften, die doppelt besetzt sind und noch nie so weit wie jetzt waren. Schwierig, Mannschaften zu stellen, sei es nur bei den kleinen Jahrgängen (E- und F-Jugend). Zur Idee der Jugendfördergemeinschaft FC Kempten/TSV Kottern wollte er im späteren Verlauf Stellung nehmen. Auch der Trainerstab sei sehr gut besetzt, jeder helfe jedem. Er könne mit der Arbeit der Trainer sehr zufrieden sein. Einziger Wermutstropfen sei die Tatsache, dass seine Trainer und Betreuer nicht das versprochene Geld bekommen hätten. Als nächster meldete sich AH-Sprecher Hubert Geiger zu Wort und lobte die Arbeit von Walter Auerbacher. Geiger berichtete über einige Kleinfeldturniere der AH und darüber, dass es beim FC Kempten für Großfeldturniere zu wenige „junge“ AH-Spieler im Alter von 32 bis 50 Jahren gibt. Stattdessen könne man zwei oder drei Mannschaften bei den AH-Spielern über 50 stellen. Vielleicht brächte jedoch die Idee des BFV, eine geregelte Ü40 Liga einzuführen, viele ehemalige dazu, nach der aktiven Laufbahn ihre Fußballstiefel nicht endgültig an den Nagel zu hängen. Finanziell wird’s wohl eng Gerhard Linder verkündete anschließend einen Kassenstand von etwa 24000 Euro und berichtete darüber, dass die Prüfung der Sozialabgaben Ende Januar keine Beanstandungen ergeben habe. Die Spielergehälter für Dezember und Januar stünden allerdings noch aus. Das Fazit der derzeitigen finanziellen Situation könne man zwar als negativ betrachten. Der Verein sei jedoch nicht zahlungsunfähig. Es sei noch genügend Liquidität vorhanden, um Finanzamt und BFV zu bedienen. Bei den in kürze ausstehenden Beiträgen zur Berufsgenossenschaft könne man noch wie im letzten Jahr Ratenzahlungen vereinbaren. Am Ende seines Kassenberichts zog Gerhard Linder einen Vergleich zwischen dem FC Memmingen und dem FC Kempten. Der FC Memmingen sei mit insgesamt 35 Mitarbeitern (12 Vorstandsmitglieder und diverse Ausschüsse und Gremien) fast so gut besetzt wie ein Profiverein. Dagegen gebe es beim FCK nur fünf Personen, die sich die Verantwortung teilen. Der nächste Tagesordnungspunkt war die Entlastung der Vorstandschaft. Hier gab es ein wildes Wortgefecht wegen juristischer Angelegenheiten. Die Mitglieder machten ihrem Unmut Luft: „Es geht darum, wie der Verein fortgeführt werden kann und ihr schwebt in Selbstherrlichkeit“, lautete einer der Vorwürfe, oder „Es sieht fast so aus, als dachtet ihr, nach uns die Sintflut“. Zu hören war auch: „Das ist eine Katastrophe, wir sind am Ende.“ 2. Vorsitzender Manfred Singer zog daraufhin seinen Antrag auf Entlastung zurück, ebenso Stefan Zeiler. Gerhard Linder wurde hingegen einstimmig entlastet. Dann war es so weit: Wahlvorstand Siggi Irl machte sich daran, den Tagesordnungspunkt vorzunehmen, bat um Vorschläge und musste feststellen, dass sich niemand meldete – der FC Kempten war ohne Führung. Nachdem Auerbacher das Konzept der Jugendfördergemeinschaft des FC und des TSV Kottern vorgestellt hatte, zu dem es überwiegend kritische Stimmen gab, wurde festgestellt, dass eine Abstimmung gar nicht möglich sei. Ein führungsloser Verein könne gar nicht seine Unterschrift unter ein solches Vorhaben leisten.

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