Bürgerinitiative sieht die Pläne an der Rodelstrecke »Mühle Hopsassa« kritisch

Börwanger Baugebiet polarisiert

Kinder rodeln am Rodelhang Mühle Hopsassa in Börwang bei Haldenwang
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Am Fuß des Rodelhangs soll der westliche Teil der Wohnbebauung entstehen.

Haldenwang – Die Gemeinde Haldenwang will am südlichen Ortsrand von Börwang ein Baugebiet ausweisen. Am Dienstag sah der Gemeinderat die überarbeiteten Entwürfe. Eine Bürgerinitiative stellt das gesamte Bauvorhaben in Frage.

Drei Architekturbüros wurden mit der Erarbeitung von Vorschlägen zur Gestaltung des 3,3 Hektar großen Areals betraut. Die Vorentwürfe, die im September 2020 vorgestellt wurden, stießen auf viele Kritikpunkte seitens des Gremiums und wurden mit einem Dutzend Änderungsvorgaben an die Büros zurückgespielt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag 12. Januar 2021 präsentierten zwei der Büros ihre entsprechend überarbeiteten Entwürfe (das dritte Büro hatte sich aufgrund von Zeitmangel zurückgezogen). Geht es nach den Gemeindevertretern, soll im Februar die Entscheidung für eine der beiden Optionen fallen. Eine Bürgerinitiative stellt das gesamte Bauvorhaben in Frage.

Im Baugebiet „Beim Mühlenbauer“ südlich der Fleschützer Straße sollen vorzugsweise junge Familien aus der Gemeinde die Möglichkeit zum erschwinglichen Bauen erhalten. Der Bedarf scheint groß zu sein. Mehr als 200 Baubewerber hätten sich gemeldet, so Bürgermeister Josef Wölfle. „Darunter sind 39 Familien mit Kindern. 105 der Bewerber kommen aus dem Gemeindegebiet Haldenwang, 94 leben schon seit mindestens fünf Jahren hier.“

Liste von Änderungswünschen

Die Liste der Vorgaben, die die Planer bei der Überarbeitung der Vorentwürfe berücksichtigen sollten, beinhaltete unter anderem eine Verkleinerung der Grundstücksgrößen auf je maximal 700 Quadratmeter, ein tragfähiges Verkehrskonzept, die Möglichkeit zur künftigen Erweiterung des Baugebietes Richtung Süden, den Wegfall eines ursprünglich angedachten vier Meter breiten Grünstreifens in Richtung Bestandsbebauung, die Einbeziehung der bestehenden Kanaltrasse, Schneeabladeplätze, die Option eines Bachlaufes sowie den Erhalt des seit Genrationen sehr beliebten und in guten Wintern stark frequentierten Rodelhangs „Mühle Hopsassa“, der sich genau an dieser Stelle befindet.

Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten – das Baugebiet weist ein starkes Gefälle und im östlichen Teil Wasseradern und Oberflächenwasser auf – wurde ein Baugrundgutachten durchgeführt. Dies hätte ergeben, dass „alles bebaubar“ sei, so Wölfle. „An einem Streifen am östlichen Rand sind etwas schwierigere Verhältnisse“, hier müsse man dann besonderes Augenmerk auf die Bodenbeschaffenheit legen.

Neuentwurf Müller

Der überarbeitete Entwurf von Landschaftsarchitekt Wilhelm Müller sieht eine Gliederung in einen oberen östlichen mit 21.000 Quadratmetern und einen unteren westlichen Teil mit 9000 Quadratmetern vor. Insgesamt sollen 35 Einfamilienhäuser (die Nachfrage nach Doppelhäusern ist laut Wölfle in der Gemeinde verschwindend gering) mit durchschnittlich 670 Quadratmeter sowie, im unteren Teil, ein Mehrfamilienhaus für vier Parteien entstehen. Im beiden Teilen könnte der Verkehr durch eine Ringstraße geführt werden, welche im Osten auf die Fleschützer Straße abzweigt, im Westen auf die bestehende Trasse „Im Moos“ und die Leonhardstraße. Entlang des starken Gefälles zwischen beiden Teilen ist ein Geh- und Radweg angedacht.

Erweiterungsmöglichkeiten des Baugebietes und die Möglichkeit des Straßenanschlusses Richtung Süden sind vorgesehen. Da die öffentliche Diskussion sich vor allem am Erhalt des beliebten Rodelhangs entzündet, wurde hierauf besonderes Augenmerk gelegt: Der neue Plan sieht eine Vergrößerung des Grünbereichs zwischen beiden Abschnitten, zu dem auch der Rodelhang gehört, auf 3000 Quadratmeter vor (zuvor waren 1500 Quadratmeter eingeplant), samt naturnahem Spielplatz in Hanglage. Die Länge des Rodelhangs gab Müller mit bis zu 80 Metern an; die Breite im unteren Teil betrüge 60 Meter.

Gemeinderat Manfred Gabler (Bündnis 90/Die Grünen) lobte die getrennte Verkehrsanschließung. 3. Bürgermeister Michael Hauke (CSU) fragte, ob die potenzielle Möglichkeit zur Platzierung eines Blockheizkraftwerkes gegeben sei, das bejahte der Planer. Birgit Prestel (Grüne) gab zu bedenken, das tatsächliche Rodelfeld sei derzeit anders ausgerichtet und eine Erweiterung Richtung Süden könnte das Aus für den traditionellen Rodelhang bedeuten. „Die ‚Mühle ­Hopsassa ist was wert‘“, mahnte sie, „viele Leute kommen auch von weiter weg hierher“.

Monika Schneids (Grüne) Anmerkung, der Rodelhang sei nach wie vor zu klein, konterte Martin Hiemer (Freie Wähler) mit der Meinung, man plane „schließlich ein Baugebiet und keinen Rodelhang“. Hauke räumte ein, man werde immer unterschiedliche Interessen abwägen müssen. Er selbst und seine Kinder seien selbst früher an der „Mühle Hopsassa“ gerodelt, aber es gebe schließlich im Umfeld der Gemeinde auch noch andere Rodelmöglichkeiten. Hier habe man die Möglichkeit, Wohnraum für junge Familien zu schaffen und gleichzeitig „einen Teil von etwas Schönem“ zu erhalten.

Neuentwurf Büro Sieber

Andreas Brockof stellte den überarbeiteten Entwurf des Büros Sieber Consult aus Lindau vor. Anstelle von anfangs 29 sind hier nun ebenfalls 35 Einfamilienhäuser mit einer durchschnittlichen Grundstücksgröße von 597 Quadratmetern sowie ein Mehrfamilienhaus (am Fuß des Hanges) vorgesehen, eine Süderweiterung ist möglich. Die östliche Siedlung soll durch eine Ringstraße, die westliche durch eine Stichstraße befahren werden. Dazwischen befindet sich ein nicht überplanter Grünbereich. Für den verbliebenen Rodelhang mit angeschlossenem Spielplatz wurde auf ein Baugrundstück verzichtet. Er befände sich bei dieser Option am steilsten Bereich des Gefälles und weist eine Breite von 45 Metern auf.

Patrick Berz (Freie Wähler) lobte die „wesentlich bessere Ausrichtung des Rodelhanges“. Simon Dirr stießen die mit 17 mal 35 Metern ungünstigen Abmessungen der fünf Grundstücke im nordwestlichen Teil des Planes auf. Max Hold (CSU) wetterte: „Solche Handtücher mit Garage auf der Sonnenseite gehen gar nicht. Und die Breite ist ein Witz!“ Brigitte Schmid-Brunk (FW) befand die Planung für „gut und aufgelockert“, man vertrete als Gemeinderat „aber nicht nur die Interessen der Häuslebauer, sondern aller Bürger, auch der Rodler“. ­Christian Holl (FW) lag im Magen, „dass sechs bis sieben der Grundstücke sehr schwer bebaubar“ seien, vor allem unter dem Aspekt, dass diese „bezahlbar bleiben sollten“. Zudem sah er grundsätzlich Probleme mit dem Verkehrsabfluss über die sehr schmale Fleschützer und Leonhardstraße. Josef Wölfle: „Das Problem halte ich für beherrschbar.“

In den nächsten Wochen wird der Erschließungsplaner Klaus Bäumler die Pläne aus städtebaulicher Sicht beurteilen. Eine Entscheidung für eine der beiden Entwürfe soll im Februar gefällt werden. Josef Wölfle versprach, die Pläne zuvor an die Bürgerinitiative zu übermitteln und das Gespräch zu suchen.

Welche Anliegen die Bürgerinitiative „Rettet die Mühle Hopsassa“ verfolgt, der es nicht nur um den Rodelhang, sondern auch um ganz grundsätzliche Themen der Gemeindepolitik geht, lesen Sie in der kommenden Samstagsausgabe des Kreisbote.

Sabine Stodal

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