Frühjahrs-Schur statt Frühjahrs-Kur

Marlons Erlebnistag: Der Schafscherer ist da

Ein Schafscherer schert im Stall ein Schaf.
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Bei Schafscherer Gottfried Besler sitzt nach 44 Jahren jeder Handgriff und ehe es sich das Schaf versieht, steht es schon wieder auf seinen vier Beinen – kahlrasiert.
Ein Schafscherer schert im Stall Schafe.
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Marlons großer Erlebnistag.
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Marlons großer Erlebnistag.
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Marlons großer Erlebnistag.

Buchenberg – Während das „Prinzchen“ in aller Ruhe Haus und Vorgarten erkundet, ist im Schafstall einiges geboten. Der Schafscherer ist gekommen – die im Frühjahr und Sommer zu warmen Winter-Locken sollen fallen. Auf Marlon wartet damit ein Abenteuer, das er – anders als seine weißfelligen Altersgenossen, die das Ereignis überwiegend verschlafen – mit größtem Interesse verfolgt.

Gottfried Besler aus Amberg bei Buchloe ist schon seit 44 Jahren Schafscherer. Jeder Handgriff sitzt. Zum Wohl der Tiere lässt er sich auch etwas mehr Zeit für das Handwerk, als es bei vor allem in Australien und Neuseeland beliebten Wettbewerben der Fall ist. Der Weltrekord liegt bei 44 Sekunden. Normal sind zwischen zwei bis drei Minuten pro Tier.

Einen Markt gibt es besonders für die etwas drahtige und dreckigere Winter-Wolle kaum. Immerhin ist sie – ähnlich wie Hornspäne– ein guter Dünger für den Blumenkasten oder das Beet. Zwar ist die Sommerwolle, die im Herbst geschoren wird, von Haus aus weicher. Handelt es sich nicht um Wolle von Merinoschafen o.ä., ist die Nachfrage aber leider auch hierfür marginal und bedient eher superkleine Nischen wie zum Beispiel den Bedarf an Filzwolle oder findet zunehmend als natürliches Dämm-Material beim Bau Verwendung. Von Interesse ist vor allem das Fleisch oder auch das Fell der im Alter von etwa sechs Monaten geschlachteten Krainer-Steinschafe, einer alten einheimischen Rasse, auf Connys Bioland-Betrieb.

Schon sein Großvater, Vater und auch Cousin seien Schafscherer gewesen, erzählt Besler, während er mit dem großen Rasierer gekonnt auch schwierige Stellen an Kopf, Beinen oder ums Euter kahlrasiert. Da habe er eben immer mitgeschoren. Wegen der „ziemlich starken Beanspruchung“ für das Kreuz, „will es kaum jemand machen“. Außerdem „muss man mit den Tieren umgehen können“ und es brauche „ein wenig Tierliebe“. So ist Besler in einem Umkreis von rund 100 Kilometern als Schaf-Scherer unterwegs und entledigt am Tag etwa 70 Tiere ihres 1,5 bis zwei Kilogramm schweren Fells. „Die Damenwelt wäre entzückt über eine solche Blitzdiät“, scherzt Besler.

Einen Teil davon hat er an diesem Tag schon bei anderen Kunden absolviert. Nun warten 23 halbwegs erwachsene Schafe inklusive vier „Jungs“, plus vier Lämmer als Zaungäste auf ihn. Als hätten sie ein Déjà-vu-Erlebnis, verfolgt die Schafherde aufmerksam, wie Besler sein mobiles Schergerät und die Bank installiert. Kein Blöken durchbricht das geduldige Warten. Nur Marlon zügelt seine Neugierde nicht. Abseits von der ihn ablehnenden Herde beäugt er mutig alles aus nächster Nähe.

Da ihm Conny und Leonie zur Hand gehen, arbeitet Besler hier nach der Rücken schonenderen schwäbischen Methode, der „Bankschur“. Dabei sitzt das Schaf erhöht auf einer Bank, so dass Besler sich nicht so weit hinunter beugen muss. Wenn er völlig allein arbeite, dann wende aber auch er die neuseeländische Methode der Bodenschur an, „weil ich das Schaf dann nicht hochheben muss“, erklärt er. Immerhin bringt ein „normales“ Schaf laut Besler durchschnittlich rund 60 Kilogramm auf die Waage; Mutterschafe und Bergschafe zwischen 70 und 80 Kilogramm und Französische Fleischschafe sogar bis zu 100 Kilogramm. Die kahle Haut bleibt durch eine dicke Schicht von Wollfett geschützt. Conny und Leonie ergreifen die Gelegenheit, den „Schaf-Kosmetiktag“ durch ihr mobiles „Nagelstudio“ zu ergänzen: Klauenschneiden ist angesagt.

Einmal mehr ist zu beobachten, dass Schafe Außenseiter nicht dulden. Kehrt das geschorene Schaf nach der Prozedur zurück zur Herde, wird es von den KollegInnen mit Fell regelrecht gemobbt – da halten weiße und schwarze Schafe sogar zusammen. Erst wenn die geschorenen Schafe zahlenmäßig genügend sind, herrscht wieder Frieden.

Was für ein ereignisreicher Tag für den jungen Marlon. Voller neuer Eindrücke nickt er am Abend erschöpft und zumindest scheinbar auch zufrieden auf einem weichen, warmen Haufen Wolle ein.

Die Geschichte von Marlons Cousin Prinzchen findet sich hier.

Christine Tröger

Rubriklistenbild: © Tröger

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