Eine Oster-Geschichte

Von der wundervollen Auferstehung eines schon abgeschriebenen Lammes mit starkem (Über-)Lebenswillen

Ein Lamm auf einer Wiese bei seinen ersten Gehversuchen.
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Nach einer knappen Woche schon sicher auf den Beinen: „Prinzchen“, ein ganz besonderes Lämmchen.
Ein Lamm sitzt in einem Katzenkorb aus Plüsch.
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Am Tag der Geburt im Katzenkorb.
Ein Lamm macht auf einer blauen Matte erste Versuche zu stehen.
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Erste Stehversuche.
Ein Lamm vor einem leuchtend blauen Hintergrund.
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Lieber nicht bewegen...
Ein Lamm mit Windel geht über einen Hof.
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Prinzchen mit Windel.
Ein Lamm mit Windel steht auf einer Wiese und schnuppert an einem kleinen Schneehaufen.
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Prinzchen macht Bekanntschaft mit Schnee.
Ein Lamm. Version 1.
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Auf Entdeckungstour.
Ein Lamm. Version 2.
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Auf Entdeckungstour.

Buchenberg – Eine Auferstehungsgeschichte ist es in jedem Fall, wenn auch nicht so spektakulär und nachhaltig wie die Geschichte, die Christen jedes Jahr zu Ostern feiern.

Auch hat sie sich bereits drei Wochen vor Ostern abgespielt – hier im Allgäu, auf einem Biolandhof, nicht weit weg von Kempten. Da wurde ein gleich nach der Geburt von der Mutter verstoßenes „Prinzchen“ geboren. Halbtot vor Kälte, voller Schmutz und winzig klein wurde das kleine Lamm von seiner menschlichen Ziehmutter gefunden und hat sich mit eisernem Willen – und deren Hilfe natürlich – ins Leben zurückgekämpft.

Wie in einem Märchen, hat es sich in kürzester Zeit in einen so gar nicht typischen Lammbock, sondern in ein charmantes zartes „Prinzchen“ verwandelt. Inzwischen hat das Flaschenkind auch schon einige Abenteuer erlebt. Aber der Reihe nach:
„Politically not correct“ würde es bei Menschen heißen. Dass Schafe ziemlich rassistisch veranlagt sind, ist eine Erfahrung, die das „Prinzchen“ schon bei seiner Geburt machen musste. Er gehört nämlich zu den sprichwörtlichen schwarzen Schafen. Gegen seinen properen weißen Zwillingsbruder Milan hatte er da keine Chance bei der Mutter, obwohl diese ebenfalls schwarz ist. Auch hatte der kleine Zwerg nicht das Glück, von einem anderen Schaf adoptiert zu werden, wie es manchmal der Fall ist. Von allen gemobbt, schien sein Schicksal schon besiegelt... fast.

Der rettende Engel heißt Conny, vielmehr waren es zwei rettende Engel, denn auch Tochter Leonie war Teil des Rettungsteams. In der warmen Küche des Bauernhauses wurde der arme, völlig unterkühlte Tropf gesäubert, per Föhn auf Körpertemperatur gebracht und ihm mit der Flasche eine kleine Portion der für das Immunsystem so wichtigen Muttermilch voller Immunglobuline eingeflößt.

Nach einer Runde Tiefschlaf im Katzenkörbchen glich das „Prinzchen“ zwar noch immer weniger einem Lamm als einem Welpen, aber immerhin jetzt einem lebenden. Nur mit dem Stehen wollte es noch so gar nicht klappen. Eine falsche Bewegung und das „Prinzchen“ landete unsanft auf dem Bauch – alle Viere von sich gestreckt, bis ihn eine helfende Hand wieder sortierte. Wer als Vierbeiner nur Zweibeiner zum „Vorbild“ hat, muss vermutlich selbst herausfinden, wie das mit so vielen Beinen und der Koordination funktioniert. Für etwas mehr Stabilität war definitiv eine zweite Runde Milch aus der Flasche nötig, inklusive anschließendem Verdauungsschlaf. Apropos Verdauung: Wie bei Neugeborenen nun mal üblich, kam auch das „Prinzchen“ nicht stubenrein zur Welt. Wie gut, dass Conny die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannte und ihm schnell eine abwaschbare Gymnastikmatte unterschob.

Vorerst zu winzig für das Leben in der Herde

Mit einem gewissen Stolz im Blick (zumindest ist das die verwegene Interpretation der Autorin) präsentierte er sogleich das ganze Programm, nicht ohne ein triumphierendes „Määh“ hinterherzuschicken.

Zu klein und schwach, um im Stall von der Herde nicht totgetrampelt zu werden, durfte das „Prinzchen“ die Nacht nach diesem ereignisreichen ersten Tag in seinem Leben im sicheren Katzenkorb (misstrauisch beäugt von den Katzen) im Haus verbringen.

Ein Katzenklo gibt es auf einem Bauernhof natürlich auch, aber das verstehen Lämmer nicht. Also musste eine Lösung gefunden werden, die dem „Prinzchen“ möglichst viel Trainingsfreiheit ermöglichte und die menschlichen Bewohner nicht in ständiger Einsatzbereitschaft hielt. Flugs war eine Art Windel improvisiert, die es dem „Prinzchen“ erlaubte, fröhlich in der Stube herumzuhüpfen. Versuche einer Familienzusammenführung stießen indes anhaltend auf beiderseitiges Desinteresse.

Nur vier Tage später erblickten zwei Cousins des „Prinzchens“ in praktisch gleicher Konstellation das Licht der Welt. Marwin, ein strammer weißer Kerl und Marlon, ein nahezu gleich großer schwarzer, der das „Prinzchen“ aber bei weitem überragte. Auch dieser ein verstoßenes „Flaschenkind“, immerhin kräftig genug, um sich im Stall behaupten zu können. Das Interesse der beiden im Charakter sehr unterschiedlichen Cousins aneinander hielt sich sichtbar in Grenzen: Der eine in Rambomanier mit gesenktem Kopf voraus, der andere mit eher pazifistischen Zügen.

Selbst für einen „Mini-Rambo“ reicht es beim „Prinzchen“ auch nach drei Wochen noch nicht wirklich. Aber vielleicht ist das auch gar nicht seine Bestimmung. Zumindest wenn man ihn in seinem wärmenden Mantel sieht, den Leonie ihm wegen seines anfangs auch zu zarten Fells gegen die Kälte draußen genäht hat, drängt sich der Eindruck auf, dass er eher Individualist als Herdentier ist.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Immerhin begleitet er Conny mittlerweile gerne täglich in den Stall – und genauso gern wieder zurück ins Haus. Eine Weile wird es wohl noch dauern, bis er so groß ist, dass er sich seiner Herde wieder anschließen kann.

Weitere Abenteuer siehe:Frühjahrs-Schur statt Frühjahrs-Kur.

Unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir besonders in diesen seltsamen Zeiten ein fröhliches Osterfest!

Christine Tröger

Rubriklistenbild: © Tröger

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