„Keine Zeit für Chichi“

Buchenberger Haushalt offenbart Corona-Folgen

Fenster und Gebäudeteil mit geschlossenen Fensterläden.
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229 Zweitwohnungsmeldungen gibt es aktuell in Buchenberg und seinen Teilorten. Jetzt prüft die Gemeinde, ob sich eine Zweitwohnungssteuer lohnt.

Buchenberg – Die Pandemie reißt Löcher – auch in den Haushalt der Marktgemeinde Buchenberg. „Wir müssen erhebliche Einnahme-Einbußen verkraften“, konstatierte Bürgermeister Toni Barth auf der jüngsten Gemeinderatssitzung, „wegen der Auswirkungen von Corona.“

Das heißt: weniger Investitionsmöglichkeiten, mehr Schulden pro Kopf. Und trotzdem das Bemühen, das infrastrukturelle Niveau des Ortes zu halten und neuem Gewerbe attraktive Anreize für eine Niederlassung zu bieten: „Ein Spagat ist das“, sagte Barth“, eine echte Gratwanderung.“

Angesichts dieser Entwicklung beziehungsweise Prognosen passte sich die Stimmung im Gemeinderat der sehr gedämpften, eher düsteren Beleuchtung im Sitzungssaal an. „So wie bisher können wir nicht weitermachen“, hieß es, alle geplanten Maßnahmen und Ausgaben müssten auf den Prüfstand gestellt werden, es stünden schwierige Jahre bevor.

Vor schwierigen Jahren

Gemeinderat Willi Oberhofer (CSU) fand knackige Worte: „Jetzt ist eben nicht die Zeit für Chichi und Schönheitsreparaturen!“ („Chichi“ bedeutet laut Wikipedia: unnötige Accessoires, Anm. des Verfassers). Kämmerer Rolf Bischof demonstrierte mit seinen Folien den Ernst der Lage: „Vermutlich wird die Pro-Kopf-Verschuldung bis Ende 2021 um rund 400 Euro auf knapp 1800 Euro steigen, unser Vermögenshaushalt wird statt 17 Prozent im Jahr 2020 nur noch gut sieben Prozent Zuwachs erfahren.“

Trotzdem darf es in Buchenberg keinen Stillstand in puncto Infrastruktur und Weiterentwicklung geben, hieß es in der Diskussion. Toni Barth regte neue Wege der Finanzierung an und sprach mögliche Kooperationen an, um auch in Zukunft die nötigen Investitionen tätigen zu können. Besonders die Schule, der Kindergarten, der Breitbandausbau, die Instandhaltung der Straßen und der geplante neue Bauhof zehren die Kasse der Marktgemeinde aus.

Fremdenverkehrsbeitrag vom Tisch

Als eine mögliche Geldquelle wurde über den Fremdenverkehrsbeitrag diskutiert, der von vom Tourismus profitierenden Gewerbe abgeführt werden müsste: „Eine kontraproduktive Idee“, so der Bürgermeister, „gerade in diesen schweren Zeiten die Gastronomie oder das Handwerk zusätzlich zu belasten, das passt gerade überhaupt nicht!“ Der Gemeinderat nahm das Thema einstimmig von der Tagesordnung – bis auf Weiteres, mindestens für die beiden kommenden Jahre wird in Buchenberg nicht mehr über einen Fremdenverkehrsbeitrag gesprochen.

Zweitwohnungssteuer wird geprüft

Anders sieht es beim Thema Zweitwohnungssteuer aus. Diese in größeren Tourismusorten, aber auch zum Beispiel in Weitnau beliebte Geldquelle ist nicht vom Tisch. Exakt 229 Zweitwohnungsmeldungen gibt es aktuell in Buchenberg und seinen Teilorten. Rechtlich gesehen ist es kein Problem, diese Steuer einzuführen. Allerdings gibt es noch keine belastbaren Schätzungen, wie viel Geld diese Abgabe in die klamme Gemeindekasse spülen würde. „Wir werden jetzt mal recherchieren, ob sich der Aufwand lohnt“, versprach Barth.

Gemeinderätin Sabine Wehr aus Kreuzthal sieht die Zweitwohnungssteuer positiv: „Nach meinen vorläufigen Berechnungen brächte sie allein in Kreuzthal rund 80.000 Euro pro Jahr ein.“ Wehr plädierte dafür, dort einen Zweitwohnungsstopp zu erlassen, „um nicht noch mehr runtergelassene Rollläden“ im Ort zu haben.

Lutz Bäucker

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