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Kempten darf sich jetzt »fahrrad-freundlich« nennen

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Von: Lutz Bäucker

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Urkunde fahrradfreundlich Kempten Verleihung Sommerfeld Wiedemann Kiechle Januar 2022
Motivation für das „Team Radfahren“: OB Thomas Kiechle (Mitte) mit Urkunde und Verkehrs- und Tiefbauchef Markus Wiedemann (li.) sowie dem Kemptener Radverkehrsbeauftragten Stefan Sommerfeld (re.). © Screenshot: Bäucker

München/Kempten - Für Kempten gab‘s jetzt die Auszeichnung „fahrradfreundlich“.

Ein bissle gelächelt hat er, der Oberbürgermeister der Allgäu-Metropole: „Ja, wir freuen uns sehr!“, so Thomas Kiechle, als er bei der digitalen Auszeichnungsveranstaltung für 15 bayerische Kommunen die Urkunde mit dem Prädikat „fahrradfreundlich“ in die Kameras hielt. Verliehen wurde sie von der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen“ (AGFK) und dem bayerischen Verkehrsministerium.

Die Auszeichnung ist Folge einer Prüfung der AGFK mithilfe des ADFC Bayern, die im vergangenen Jahr die Radinfrastruktur und das Fahrradklima in Kempten unter die Lupe genommen hatte. In der Laudatio hieß es, dass unter anderem die Wiedereröffnung der König-Ludwig-Brücke für den Radverkehr sowie die Bike-Box in der Nähe des Stadttheaters „reiner Luxus für Radler“ darstelle, so Moderator Roman Roell.

Kein Luxus

„Luxus ist das nicht,“ erwiderte Kiechle, der gern selbst mal durch die Stadt strampelt. „Diese Errungenschaften gehören zum 2018 verabschiedeten Mobilitätskonzept unserer Stadt.“ Der OB räumte ein, dass in Sachen Radfahren noch ordentlich Luft nach oben besteht: „Viele Kemptener warten auf durchgängige Radwege-Verbindungen in der Stadt, das ist das große Thema und unser großes Ziel!“

Tobias Heilig vom ADFC Kempten-Oberallgäu kommentierte die Aufnahme Kemptens in den Kreis von mittlerweile 52 als „fahrradfreundlich“ zertifizierten bayerischen Kommunen kurz und prägnant: „Damit steigt die Erwartungshaltung an Kempten bezüglich der Fahrradfreundlichkeit deutlich an. ‚Adel verpflichtet!‘“

Kommentar

Blend-Licht: Eine Auszeichnung freut immer, eine Urkunde ist immer was Schönes. So auch das Prädikat „fahrradfreundliche Kommune“, das die Stadt Kempten jetzt in ihrem Briefkopf führen darf. Das ist Motivation für alle, die mit viel Herzblut und großem Zeitaufwand versuchen, aus der autofokussierten Allgäu-Metropole ein Mini-„Alpen-Amsterdam“ zu machen. Leider verschleiert so eine schöne Auszeichnung auch den Blick auf die nach wie vor trostlose Realität fehlender Radwege, gefährlicher Radfahrten und des ungebrochenen PKW-Primats links und rechts der Iller. Die Verwaltung bekommt in Sachen Radinfrastruktur-Verbesserung das Zeugnis „hat sich bemüht“. Der Politik schreibe ich die Note „ungenügend“ ins Heft. In der Schule ist die Versetzung damit gefährdet. Wie sagt der ADFC-Kreisvorsitzende Heilig so treffend: „Adel verpflichtet!“ Richtig. Die schöne Urkunde blendet leider. Sie ist aber zu klein, um sich dahinter verstecken zu können. Kempten muss liefern. Jetzt. Lutz Bäucker

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