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Das Saurer-Allma-Gelände bekommt eine visionäre Bebauung

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Von: Helmut Hitscherich

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Visualisierung der Bebauung für das Saurer-Allma-Gelände-Entwurf-Oktober 2021
So könnte das Saurer-Allma-Gelände laut Siegerentwurf künftig aussehen. © Grafik: Büro Hähnig Gemmeke

Kempten - Bibliothek, Werkstätten, Car-Sharing, Dachgärten: Einem zukunftsweisenden Wohnquartier für das Saurer-Allma-Gelände hat der Bauausschuss zugestimmt.

Die Sozialbau möchte die Flächen des ehemaligen Saurer-Allma-Firmengeländes in einer Größe von 5,1 Hektar mit ca. 400 Wohnungen, davon die Hälfte als Eigentumswohnungen, bebauen.

Das Wohnquartier soll an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Zusätzlich sollen eine wohnortnahe Nahversorgung sowie Einrichtungen für die Kinderbetreuung, Kultur und Gewerbe entstehen. Die Entwicklung des Geländes erfolgte mittels eines zweiphasigen Ideen- und Realisierungswettbewerbs.

Besonderes Augenmerk war dabei die Verknüpfung mit dem Engelhaldepark, die Wegeführungen für Fuß- und Radverkehr, die Gestaltung der Leonhardstraße, die Verbesserung des Wohnumfelds, der Lärm- und Klimaschutz, der Verkehr und die passenden Nutzungsarten.

Wettbewerb mit drei Runden

Im März 2021 wurden 22 Arbeiten in der Wettbewerbsphase 1 (städtebauliches Konzept) abgegeben. Sieben Büros wurden in die zweite Bearbeitungsphase geschickt. Nachdem es zunächst keinen Sieger gegeben hatte, wurden die beiden zweiten Preisträger – das Büro Hähnig Gemmeke und F64 Architekten und Baumschläger Eberle – aufgefordert, ihre Entwürfe nochmals zu überarbeiten und der Jury erneut vorzustellen.

Der Entwurf des Büros Hähnig Gemmeke Architekten aus Tübingen wurde als Sieger des Wettbewerbs ausgelobt. Man wolle ein lebendiges urbanes Stadtquartier schaffen, welches in die Nachbarschaft eingebunden werden soll, so Mathias Hähnig. Er erläuterte dem Gremium die Überlegungen und Ideen, die dem Entwurf zugrunde liegen. Nämlich die Verzahnung/Verknüpfung mit dem Engelhaldepark, Nahversorgung, Quartiersmitte, Kreativquartier in erhaltenswerten Gebäuden, Parkhaus (Quartiersgarage), Büroturm und Verkehrsdrehscheibe, Verkehrsarmut im Quartier.

Grünkorridor

Wichtig war ihm, einen Grünkorridor vom Engelhaldepark in Nord-Süd-Richtung zu schaffen. Die Gebäude sind größtenteils drei bis fünf Geschosse hoch, wobei die Gebäude mit vier Geschossen überwiegen. Es gibt auch einige sechs- und siebengeschossige Gebäude am Nordrand zum Engelhaldepark.

Geprägt wird das neue Quartier durch ein zehngeschossige Punkthaus mit Büronutzung nahe des Schumacherrings. Die Flachdächer sollen begrünt sowie ergänzend mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Ein zentraler, autofreier Quartiersplatz für alle mit Baumbestand und Wasserspiel wird geschaffen. Er bildet das Zentrum und fungiert als Gelenk und Verteiler in einem urbanen Stadtgefüge. Hier befinden sich Bäckerei, Café, Restaurant, Ladengeschäft und eine von zwei Kitas.

Die Anlieferung für den Nahversorger erfolgt über den Schumacherring. Auf dem Dach des Parkhauses (Quartierparkhaus), dessen Fassade begrünt werden soll, befinden sich öffentlich zugängliche Dachgärten. Es wird über die Verkehrsdrehscheibe an der Leonhardstraße erschlossen. Kurze Wege, eine autoarme Erschließung, Wohnstraßen, verkehrsberuhigte Bereiche und ein engmaschiges Wegenetz fallen ins Auge.

Gewerbe- und Bürogebäude als Lärmschutz

An der Ostseite entlang des starkbefahrenen Schumacherrings befindet sich eine relativ geschlossene, parzellierte Bebauungsstruktur mit Gewerbe- und Büronutzung, die als Lärmschutz dient. Der Büroturm bildet den Auftakt in das Quartier und akzentuiert den Quartierseingang.

Südwestlich und quasi als Vorplatz zum Büroturm entlang der Leonhardstraße befindet sich die Verkehrsdrehscheibe mit Bushaltestelle, Sharing-Angeboten, E-Ladestationen, Fahrradparken. Die Verkehrsdrehscheibe und der Eingang ins Kreativzentrum bilden mehrere kleine Platzsituationen entlang der Leonhardstraße. Diese soll mittels einer Baumreihe aufgehübscht werden.

Das Quartier hat lediglich vier Tiefgaragen und zwar unterhalb der nördlichen Blöcke. Im Westteil parallel zur Reichenberger Straße werden verschiedene bestehende Industriegebäude (z.B. Pförtnerhaus) erhalten und in ein sogenanntes Kreativquartier mit Bibliothek, Werkstätten, Café und Miniappartements umgewidmet.

Nördlich des sogenannten Kreativquartiers befindet es sich eine „Minikita“ mit einer Kindergruppe. Das Baugebiet wird von begrünten Flächen und baumbegleiteten Straßen durchzogen, welche zahlreiche Freiflächen bilden. Im Norden zum Engelhaldepark entstehen aus dem Gebiet heraus kleine, offene Platzsituationen, die die Verzahnung zwischen Stadt und Landschaftraum aufzeigen.

„Schwammstadt“ in der Stadt

Der Engelhaldepark und das Quartier werden durch mehrere Wege miteinander verbunden. Nordöstlich des Quartierplatzes und angrenzend an den Engelhaldepark befindet sich ein Kindergarten und nördlich davon eine Retentionsfläche. Das Areal soll zur „Schwammstadt“ werden, die Niederschläge aufnimmt. Der Baumbestand an der Grenze zum Engelhaldepark soll erhalten bleiben.

Laut Baureferent Tim Koemstedt ist der Siegerentwurf eine sehr gute Grundlage für die städtebauliche Entwicklung. In einem nächsten Schritt soll der Entwurf weiterentwickelt werden. Hierzu wird die Sozialbau eine Bürgerbeteiligung durchführen. „Der Flächennutzungsplan muss angepasst werden und ein vorhabenbezogener Bebauungsplan ist zu erstellen. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln“, so Koemstedt. Dem städtebaulichen Entwurf von Hähnig Gemmeke Architekten als Grundlage für die weitere Entwicklung des Quartiers nördlich der Leonhardstraße wurde einstimmig zugestimmt.

Am Rande der Bauausschussitzung zeigte sich Herbert Singer, Geschäftsführer Sozialbau, mit dem Siegerentwurf sehr zufrieden, da er alle Wünsche erfülle.

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