Auch Fuchs und Hase lieben Ottos Spuren

Der »Loipenmodellierer«

Freut sich über die schönen Spuren, die er im Schnee hinterlässt:  Otto Kretzler , der „Loipenmodellierer“ aus Buchenberg.
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Freut sich über die schönen Spuren, die er im Schnee hinterlässt: Otto Kretzler , der „Loipenmodellierer“ aus Buchenberg.
  • Lutz Bäucker
    VonLutz Bäucker
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Buchenberg – Unterwegs mit Otto Kretzler, in Buchenberg der Mann für die richtige Spur. Früher haben sie sogar „Loipenchef“ zum ihm gesagt.

Die Januarsonne scheint vom milchigblauen Winterhimmel, die Schneekristalle glitzern wie Edelsteine, es ist knackig kalt. „Das ideale Wetter für ein paar Kilometer in der Loipe“, freut sich Otto Kretzler, „schöner kann‘s doch nicht sein!“

Er klettert ins Cockpit seines Pistenbullys, drückt den Joystick nach vorne und fährt los. Knirschend gräbt sich die gelbe Fräse des Fahrzeugs in den Schnee, Otto senkt per Knopfdruck die Spurprofile in das Rillenfeld: „Wir spuren jetzt die Diagonalspur auf der Willibald-Loipe“, erklärt er, „auf geht’s!“

Zauber im Schnee

Kretzler ist in Buchenberg der Mann für die richtige Spur. Früher haben sie „Loipenchef“ zum ihm gesagt, heute sprechen manche von „Loipenmodellierer“. Klingt vielleicht ein bisschen hochtrabend, trifft aber das ganz gut, was der drahtige 72-Jährige macht. Er zaubert mithilfe seines mehrere hundert PS-starken Pistenfahrzeuges jeden Wintertag aufs Neue viele Kilometer bestens präparierte Langlaufloipen in den Schnee.

Direkt am Ortsrand fängt er damit an, zuerst die bis weit nach Ulm, Ravensburg und Kempten hinaus beliebte Sechs-Kilometer-Runde nach Schwarzerd und retour. Dann rüber zum Wirlinger Wald und schließlich hinauf Richtung Eschacher Weiher. „Da bin ich stundenlang unterwegs“, berichtet Otto, der selbst leidenschaftlicher Langläufer ist. „Als Bub bin ich bei den Bayerischen Meisterschaften mitgelaufen“, erzählt er mit leuchtenden Augen, noch heute eilt er leichtfüßig durch den Schnee.

Loipen müssen durchfrieren

Bis weit in die 60iger Jahre hinein mussten Freiwillige mühsam die Langlaufspuren in den Schnee treten, bis Pistenraupen ein neues Zeitalter einläuteten. Doch irgendwie war Otto nie zufrieden mit dem, was damit präpariert wurde. „Das war alles, bloß keine Loipe“, lacht er und drückt die Fräse hinter seiner 130.000-Euro-Maschine ein bisschen fester in den weichen Neuschnee. „Und weil mich das immer geärgert hat, hab ich angeboten, die Buchenberger Loipen zu präparieren.“

Seit mehr als 20 Jahren macht er das nun schon, der ehemalige Lokführer. Schnee statt Schienen: „Macht echt Spaß, so eine exakt ausgefräste Spur hinzulegen, die den Leuten das Laufen leicht macht.“ Immer abhängig vom Schnee, mal morgens um Fünfe die erste Runde, bei Neuschnee, mal abends bis Mitternacht, wenn es trocken und eiskalt ist: „Meine Spuren müssen durchfrieren, damit sie halten.“ Otto Kretzler hält also nichts von den sportlich Übermotivierten, die ihm auf seinen Runden mit aufgesetzten Stirnlampen sofort hinterherrennen: „Das macht die Loipe kaputt.“

Service für Fuchs, Hase und Enkel

Da sind ihm die Tiere weitaus lieber, die ihn nachts begleiten, immer ein paar Meter voraus, im Lichtkegel seiner mächtigen Scheinwerfer. „Füchse und Hasen suchen sich immer einen festen Untergrund, auf dem sie leichter durch den Schnee laufen können“, erzählt der Buchenberger, „also sind sie immer auf meiner Loipe unterwegs.“ Otto macht den Weg frei für Fuchs und Hase, sorgt für ein attraktives Loipennetz und ist dabei sein eigener Herr.

Dank seiner großen Erfahrung und durch permanentes Abhören verschiedener Wetterberichte entscheidet der sechsfache Großvater allein, wann er von seinem Hof mitten im Loipengebiet ausrückt. Davon hält ihn nicht mal ein Schneesturm ab. „Da spure ich allerdings nur eine kleine Runde, die lange Loipe weht ja im Nu wieder zu.“ Winterwanderwege und Rodelhänge modelliert er auch noch. Seine beiden Söhne unterstützen den „Loipenmodellierer“ beim Präparieren und beim Reparieren des rotlackierten Pistenbullys.

Und die Enkelkinder kommen natürlich ebenfalls nicht zu kurz. Nach getaner Arbeit lenkt Otto die Maschine mitten hinein in die endlose weiße Weite, senkt die Fräse ab und rauscht einen Hügel ein paar Mal rauf und runter. „Das gibt einen tollen Rodelhang für die Kleinen“, lacht er und schaut in den Rückspiegel, mit dem er seine Arbeit kontrolliert. „Sieht gut aus für Ski und Rodel in Buchenberg.“

Infos zu den Loipen in und um Buchenberg gibt es hier: www.buchenberg.de/sport_freizeit/langlauf.

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