Harte Geduldsprobe nimmt gutes Ende

Der Neubau des Kemptener Museumsdepots wird endlich Realität

Christian Buck (Amt für Gebäudewirtschaft), Roland Hartmann (Fa. Schmid), OB Thomas Kiechle, Monika Lingg (Kulturamt), Lothar Meißner (fmp Architekten), Mike Gerspach (Amt für Gebäudewirtschaft) beim Spatenstich fürs neue Depot in Kempten
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Beim Spatenstich: Christian Buck (Amt für Gebäudewirtschaft), Roland Hartmann (Fa. Schmid), OB Thomas Kiechle, Monika Lingg (Kulturamt), Lothar Meißner (fmp Architekten), Mike Gerspach (Amt für Gebäudewirtschaft).

Kempten – Nachdem seit 2010 ein neues Museumsdepot im Rahmen des Museumsentwicklungskonzeptes gefordert worden ist, ist es nun endlich so weit.

Derzeit sind die 40.000 Kunstgegenstände und Kulturobjekte, die die Stadt verwahrt, auf elf verschiedene Lager verteilt. Diese entsprechen aber nicht den modernen Ansprüchen eines Museumsdepots. Mit dem Neubau in Ursulasried können diese Objekte endlich an einem Ort zusammengefasst werden. „Das führt zu einer Reduzierung der Restaurierungskosten ebenso wie zu einer Wege-, Zeit- und Kostenersparnis durch die Auflösung der elf Zwischenlager“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle beim symbolischen Spatenstich vergangenen Mittwoch.

Unter anderem musste für einen Teil dieser Zwischenlager Miete bezahlt werden, die nun entfällt. Der Bau wurde zunächst zurückgestellt, da im städtischen Haushalt keine Gelder zur Verfügung gestellt werden konnten. „Die Bildungsoffensive hatte Vorrang“, betonte Kiechle. Daher sollte die Sozialbau das Museumsdepot für die Stadt bauen. Als allerdings klar wurde, dass es dafür keine Zuschüsse geben würde, ist man auf der Suche nach Geldern dann doch noch im städtischen Haushalt fündig geworden.

Haushaltsreste in Höhe von knapp 2,9 Millionen Euro haben es ermöglicht, in diesem Jahr mit der Baumaßnahme zu beginnen, welche insgesamt 5,9 Millionen Euro kostet. Die Fertigstellung soll im Frühjahr 2022 erfolgen. Das Museumsdepot hat auch Auswirkungen auf das strategische Ziel der Stadt für Kultur und Tourismus. „Mit dem Neubau gibt es einen Schub und er ist wesentliche Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Museumskonzeptes“, sagte Kiechle.

Für den Bau des Museumsdepots wurde eine schnelle Bauweise gewählt. Durch die kompakte Bauweise des neuen Depots wird eine Reduktion der Fassaden- und Dachfläche und damit eine energetisch günstige Bauform erreicht. Das Gebäude wird in einer Systembauweise errichtet und gewährleistet dadurch ein konstantes und träges Raumklima.

Die Tragwerkskonstruktion besteht aus Betonfertigteilen, ausfahrenden Wänden und einem Dach aus Porenbeton sowie einer Fassade aus heimischen Hölzern. Dadurch wird sichergestellt, dass die langfristigen Betriebskosten geringgehalten werden und der Betrieb des Gebäudes nachhaltig und mit äußerst geringem Einsatz von Technik gewährleistet werden kann (Lowtec-Ansatz).

Der Porenbeton gleicht Kälte und Wärme aus. Zusätzlich werden eine Raumentlüftung und eine Fußboden-Gasheizung) eingebaut.

Der Baugrund habe sich als schwierig erwiesen, wie der Leiter des Amtes für Gebäudemanagement Christian Buck gegenüber dem Kreisboten meinte. Laut Baumeister Roland Hartmann, Baufirma Hubert Schmid, waren 2000 Quadratmeter Grund zu bebauen. Hierfür sind 150 Fertigteile und 500 Kubikmeter Beton erforderlich. Geplant wurde diese Maßnahme durch Lothar Meißner von fmp Architekten, der sagte: „Wir hatten keine lange Vorlaufphase. Sieben bis acht Personen waren damit beschäftigt. Für uns war das eine Powerbaustelle.“

Restauratorin Monika Lingg vertrat das Kulturamt und zeigte sich hocherfreut, dass es jetzt vorangeht. „Das war wie eine Alpenüberquerung, jetzt stehen wir auf dem letzten Gipfel.“ Laut Lingg soll der historische Buchbestand und Schriften aus dem städtischen Archiv ebenso ins neue Museumsdepot umgelagert werden. Der freiwerdende Raum in der Messerschmittstraße wird von der Archäologie übernommen.

Kulturamtsleiter Martin Fink zeigte sich in einem Telefongespräch mit dem Kreisboten hocherfreut, „dass wir für unsere Sammlungen nun schlussendlich eine solide Arbeitsbasis bekommen“. Das Depot ist für ihn Basis jeglicher Museumsentwicklung. „Das Depot ist Grundvoraussetzung, dass wir mit unseren Sammlungen arbeiten können“, so Fink weiter. Für ihn ist wichtig, dass die Stadt selbst baut. Das ist aus seiner Sicht auch die finanziell bessere Lösung. „Der Kulturfonds hat eine Million Euro in Aussicht gestellt. Die bayerische Landesstiftung 327.000 Euro und die Landesstelle für nichtstaatliche Museen 200.000 Euro. Mit dem Depot werden die logistischen Abläufe einfacher und man kann jetzt ein Sammlungskonzept entwickeln und mit unseren Sammlungsgütern eigenständige Sonderausstellungen machen. Mit dem Marstall, einem der schönsten Sonderausstellungsräume Schwabens, können wir künftig entsprechende Sonderausstellungen verwirklichen“, so Fink.

Helmut Hitscherich

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