Trostpflaster in Planung

Die Allgäuer Festwoche 2021 ist abgesagt

Eine Frau weint in ein Taschentuch. Ein Mann tröstet sie. Alles in antiker Aufmachung einer alten Postkarte. Beide tragen Trachten
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Für die Kemptenerinnen und Kemptener ist es schmerzlich, schon das zweite Jahr in Folge auf ihre Allgäuer Festwoche verzichten zu müssen.

Kempten - „Es schmerzt natürlich sehr, die Allgäuer Festwoche ein zweites Mal absagen zu müssen“, sagte Festwochen-Chefin Martina Dufner bei der soeben abgehaltenen Pressekonferenz.

  • Auch 2021 fällt die Allgäuer Festwoche Corona zum Opfer.
  • „Der Kemptener Stadtsommer“ als kleineres Veranstaltungsformat soll über die Entbehrungen hinweghelfen.
  • Die Kemptener Kultur, der Einzelhandel, Kempten Tourismus, und das Stadttheater haben sich hierfür zusammengeschlossen.

Auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle war es arg, Kemptens fünfte Jahreszeit abzusagen. „Wir haben uns in den letzten Wochen sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, ob und wie die Allgäuer Festwoche 2021 stattfinden kann.“ Das Ergebnis der „schwierigen Entscheidung“ wurde nun sogar schon etwas früher als geplant an die Öffentlichkeit getragen: „Die Allgäuer Festwoche ist definitiv abgesagt, es gibt auch keine Festwoche light oder sonst irgendwas.“ Der OB war in seiner Aussage ganz klar.

Zu hoch sind die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Risiken für Besucher, Aussteller und Künstler, erklärte Martina Dufner. Zum jetzigen Zeitpunkt müsste der Kempten Messe- und Veranstaltungs-Betrieb intensiv in die Planungen einsteigen und Investitionen tätigen. Das alles mit „null Planungssicherheit“. Niemand wisse, was im Sommer sein wird. Und „je später die Absage, desto höher die Verluste“, auch für die Aussteller, die jetzt ebenfalls investieren würden.

Ganz ohne Fest sollen Gäste und Künstler dennoch nicht bleiben

Auf Bier und Folklore müssen die Allgäuer aber nicht ganz verzichten. Das Organisationsteam möchte ein kulturelles, wirtschaftliches und gastronomisches Angebot auf die Beine stellen - ganz corona-konform: Beim „Kemptener Stadtsommer“ soll es den ganzen Sommer über Konzerte, Aufführungen und Theater geben. Dazu Essen to go in einem „Picknick-Konzept“ und auch einige Aussteller sollen mit Ständen mit dabei sein. „Natürlich ist nur eine sehr kleine Veranstaltung möglich, die nichts mit der Festwoche zu tun hat“, sagte die Festwochen-Chefin.

Um das Angebot zu entzerren, sind die Veranstaltungsorte in der ganzen Stadt verteilt. Von „Insellösungen“ sprach Hans-Peter Hartmann, Beauftragter des Stadtrates für Wirtschaftsfragen und die Allgäuer Festwoche. Auch auf dem ursprünglichen Festwochengelände, dem Stadtpark, dem Königsplatz, dem Schwaigwiesschul-Gelände und vor dem Finanzamt wird es solche Inseln geben. Die Aussteller sind im Freigelände zu finden und erhalten eventuell eine Überdachung. „Auch ein bis zwei Zelte könnte es unter Umständen geben“, sagte Dufner. Der zentrale Bühnen-Standort soll entlang der Sparkasse sein. Für den Festbiernachschub ist ein Biergarten im Linggpark angedacht. Zum Programm beitragen sollen auch die Vereine.

Ziel ist, alles frei zugänglich ohne Umzäunung zu gestalten. Da man aber corona-konform agieren müsse, sind eventuell Registrierungen nötig und somit auch Umzäunungen. Weil es sich aber um eine viel kleinere Veranstaltung handle, hätten die Detailfragen auch noch länger Zeit. Alles sei relativ kurzfristig gestaltbar.

Eine weitere Neuheit: Beim „Kemptener Stadtsommer“ sind alle städtischen kulturellen Organisationen miteingebunden. So wird es von Seiten des Einzelhandels mit dem City-Management Angebote geben. Auch Kempten Tourismus, die Kultur, und das Stadttheater sind mit von der Partie. Dufner freute sich außerordentlich über den Zusammenschluss. „Wir bündeln all unsere Kräfte aus dem Veranstaltungsbereich, um ein attraktives Angebot bieten zu können.“ Sie sah das Konzept auch als Chance, neue Dinge auszuprobieren. Denn „die Veranstaltungsbranche hat noch einen langen Weg vor sich“.

Auch der Oberbürgermeister zeigte sich froh, mit der kleineren Veranstaltung der Stadt und den Kulturschaffenden helfen zu können.

Hoffnungsfroh war Hans-Peter Hartmann, dass dies die letzte Festwochen-Absage sein wird. Denn „dann reicht‘s auch wieder“ mit der Abstinenz.

Susanne Lüderitz

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