Wintertraum mit 2Gplus

Die Schwärzenlifte in Eschach sind trotz Corona in die Ski-Saison gestartet

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Ein Wintertraum in Eschach: 40 Zentimeter Neuschnee auf den Pisten in 1.000 Metern Höhe boten für Skifahrer den perfekten Saisonstart.
  • Lutz Bäucker
    VonLutz Bäucker
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Buchenbenberg/Eschach - Nach fast zwei Jahren Stillstand liefen die Schwärzenlifte wieder - und das Publikum jubelte dankbar.

Der Schnee war „g’führig“, die Sonne strahlte vom bilderbuchblauen Himmel und der Parkplatz war voll: „Endlich wieder Skifahren“, lachte beispielsweise Roland, der mit Ehefrau Melanie und zwei Kindern aus Kempten heraufgekommen war und der die Skistiefel gar nicht schnell genug anschnallen konnte. Auch Liftbetreiber Rupert Schön ließ hinter seiner FFP2-Maske ein zufriedenes Lächeln erahnen. Allerdings übte er auch scharfe Kritik an den Corona-Hygiene-Regeln der Staatsregierung.

Unsicherheit vor dem Start

Ein Skitag wie ein Wintertraum: 40 Zentimeter pulvriger Neuschnee glitzern in der Dezembersonne, die Piste bestens präpariert, an den beiden Schleppliften keine Wartezeit. Rupert Schön hatte seine Pistenraupe laufen lassen und vorab rund 8.000 Kubikmeter Kunstschnee auf die weiten Skiwiesen von Eschach rieseln lassen. Und er hatte am vergangenen Freitag seine Kasse geöffnet, trotz großer Bedenken und Unsicherheit. „Ich konnte ja nicht wissen, ob jemand trotz der vorgeschriebenen 2Gplus-Regel kommen würde.“

Kritik am Test für Skifahrer

Doch es kam jemand, sogar mehr Menschen, als von Schön erwartet. Martina aus Kempten zum Beispiel. „Meine beiden Kinder wollten unbedingt wieder in den Schnee - und das bei so einem Traumwetter! Einfach genial.“ Den nötigen Schnelltest hatte sie am Vormittag gemacht, Kinder dürfen ohne Test in den Lift. „Ein bissle umständlich vielleicht“, sagt Martina, „aber fürs Skifahren mach ich das gern“.

Neben ihr steht ein Vater aus Ottobeuren an der Liftkasse. „2G ist okay, das seh‘ ich ein – aber der zusätzliche Test ist Schwachsinn“, findet er. Liftbetreiber Schön nickt zustimmend: „Beim Schleppliftfahren und auf der Piste ist die Infektionsgefahr minimal, das ist unnötig.“

Zumal der Aufenthalt in seinem Restaurant „Gletscheralp“ nebenan mit 2G erlaubt ist – ohne plus: „Verrückt, diese Regelungen!“ Seine Leute seien alle geimpft und über Corona instruiert worden. Wer eine Liftkarte kaufen möchte, muss an der Kasse Impfnachweis, Ausweis und Testergebnis vorzeigen.

Das Kabinett hat in der Testfrage beim Skifahren mittlerweile nachgesteuert: Künftig gilt dort 2G, nicht mehr 2Gplus. Damit wolle man unter anderem ein Abwandern von Skifahrern in Nachbarländer vermeiden, sagt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), Anmerkung der Redaktion.

In Württemberg gilt freie Fahrt für »Geboosterte«

Nicht nur Schön befürchtet, dass deutsche Skifahrer die Allgäuer Pisten links liegen lassen und lieber nach Tirol und Vorarlberg fahren – dort gilt beim Skifahren lediglich die 2G-Regel. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will die schärferen Regelungen im Freistaat nochmal überprüfen, vielleicht kippt dann der bisher vorgeschriebene Testzwang.

Allerdings dürften dabei die unterschiedlichen Kontaktverhältnisse in Kabinen, Sesseln und Schleppern eine Rolle spielen. Oder es kommt die baden-württembergische Variante für Skifahrer: An den Liftanlagen im Ländle dürfen Menschen mit Drittimpfung (also „geboosterte“) ohne Test carven und Schuss fahren. Eine Regelung, die übrigens auch für württembergische Gastronomiebetriebe gilt.

Auf alles gefasst

Trotz aller Anti-Corona-Maßnahmen überwog an den Schwärzenliften und auch an der Felderhalde in Isny die gute Stimmung. „Endlich dürfen wir wieder Skifahren, das ist gerade für die Kinder enorm wichtig“, so der Tenor. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren sind derzeit vom Testen befreit.

Rupert Schön ist erleichtert, dass er den Saisonstart gewagt hat, er bleibt aber skeptisch. „Bei Markus Söder muss man immer auf alles gefasst sein“, ist Schön überzeugt.

Immerhin sind die Wetteraussichten für Skifahrer nicht schlecht: Es sind weitere Schneefälle vorhergesagt.

Lesen Sie auch: „Lichtblicke in schwierigen Zeiten“

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