»Wichtige Richtschnur«

Die Stiftsstadtfreunde legen den Finger in mehrere Wunden

Die Kemptener kaufen auf dem Wochenmarkt auf dem Hildegardplatz ein.
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Mit so wenig Verkehr wie auf diesem Foto kann man den Wochenmarkt auf dem Hildegardplatz nur äußerst selten erleben.
  • VonChristine Tröger
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Kempten - Um die heißen Eisen Sparkassenquartier, Polizeigebäude und Verkehrsdichte am Wochenmarkt ging es bei der Jahresversammlung der Stiftsstadtfreunde.

Nach der „langen Durststrecke“ war Ilse Roßmanith-Mitterer, Vorsitzende des Stiftsstadtfreunde e.V., sichtlich erleichtert darüber, eine Jahreshauptversammlung in Präsenz abhalten, und die überfällige Wahl des Vorstandes durchführen zu können.

Die Wahl nahm dabei die kürzeste Zeit in Anspruch – alle Vorstandsmitglieder wurden bestätigt: Ilse Roßmanith-Mitterer (Vorsitzende), ihre Stellvertreterin Silvia Bohlinger, Iris Rudolph-Sencar (Kassenwart), Heinz Domonell (Schriftführer) und Manfred Sauer (Beisitzer).

Für die langjährige und weiterhin Vorsitzende gab es nicht nur ein großes Dankeschön von Vereinsmitglied Dieter Schade, sondern auch ein dickes Lob von Stellvertreterin Silvia Bohlinger, die ihr attestierte: „Sie rockt den Schuppen.“

Nachwuchs dringend gesucht

Nachwuchssorgen plagen aber auch den rund 150 Mitglieder zählenden Verein – vor allem was die Besetzung des Vorstandes betrifft. Nachdem inzwischen viele junge Familien und neue Bewohner in das Viertel gezogen sind, hofft der Vorstand auf interessierten Vereinsnachwuchs, der sein Wohnquartier gerne mitgestalten möchte.

„Wir brauchen diese Interessensvertretung der Stiftsstadtfreunde“, die für Verwaltung und Politik „eine ganz wichtige Richtschnur“ sei, zollte OB Thomas Kiechle seinen Respekt. Trotz eines Bandscheibenvorfalls hatte er es sich nicht nehmen lassen, der Einladung in den Saal des Margaretha- und Josefinen-Stiftes zu folgen.

Die Top-Themen des Abends waren die Neugestaltung des „Sparkassenquartiers“, die Pläne für ein neues Polizeigebäude am Pfeilergraben – nach ihrer Wahrnehmung sei dieser Standort dafür „beerdigt“, so Roßmanith-Mitterer – und der Verkehr am Hildegardplatz zu Wochenmarktzeiten.

Zukunft Sparkassenquartier

Bevor Stiftsstadtfreund Dieter Schade seine Gedanken zur Zukunft des Sparkassenquartiers darlegte, war es ihm ein Anliegen, mit „drei positiven Dingen“ im Vereinsgebiet zu starten: dass die Stadtseilbahn „entfallen ist“; dass die Polizei nun nicht hinter dem Gesundheitsamt Am Pfeilergraben errichtet werden soll; dass die neue Stadtbibliothek ganz im Sinne der Stiftsstadtfreunde nicht auf der Zumsteinwiese gebaut werden soll und das Projekt mit einer Bürgerbeteiligung geplant werde, „die ich in diesem Umfang noch nicht gesehen habe“.

Dagegen mache ihn die Zukunft des Sparkassenquartiers „seit vier Jahren unruhig“, vor allem weil es keine richtigen Aussagen dazu seitens der Sparkasse und damit des Investors gebe. Beunruhigt zeigte sich Schade u.a. wegen des Architekten-Wettbewerbs, der „kein städtebaulicher“ sei. Er sorge sich, dass der denkmalgeschützte Bereich auch seinen Stellenwert erhalte und vor allem, dass „wir eine fertige Planung“ wie seinerzeit beim Sparkassengebäude bekommen.

Würden die Bürger an der Planung beteiligt, könnten sie sich dann auch mit dem Gebäude identifizieren, richtete er das Wort in Richtung Sparkassenvorstand Manfred Hegedüs und insistierte zu erfahren, was geplant sei. Denn nur Luxuswohnungen oder hochpreisige Angebote kommen für Schade nicht in Frage.

Mit „Verantwortung“

OB Kiechle, Verwaltungsratsvorsitzender Sparkasse Allgäu, bestätigte die „wichtige Scharnierfunktion“ zwischen Alt- und Stiftsstadt an dieser insgesamt „historisch sensiblen Stelle“, an der „innenstadtrelevanter Einzelhandel denkbar ist“ sowie Büros und Praxen, blieb er vage. Bevor das aber nicht fixiert sei, mache es auch keinen Sinn, an die Öffentlichkeit zu gehen, betonte er, „froh“ zu sein, „dass die Sparkasse diese Investition tätigt“ und das Projekt nicht einem Investor überlasse. Die Sparkasse „sieht ihre Verantwortung“, zeigte er sich überzeugt.

Es sei jedenfalls nicht so, „dass wir nicht informieren“, sagte Hegedüs, sondern dass es lange Zeit nichts zu berichten gegeben habe. Man habe warten müssen, bis der künftige Standort für die Stadtbibliothek entschieden worden sei. Seine Vision: eine Mischung aus Handel, Dienstleistung, Wohnen und Ensembleschutz. Jedenfalls solle etwas entstehen, „das uns Freude macht“ und „keine maximale Rendite“, blieb auch Hegedüs indifferent.

Wettbewerb geplant

So sei die CIMA von der Stadt als Berater für das Projekt beauftragt worden. Nun wolle man erst mit den Trägern schauen, wohin die Reise gehen soll und dann in den Wettbewerb gehen, der im Übrigen in einem „ähnlichen Verfahren“ wie in einem städtebaulichen laufen soll.

Auch Baureferent Tim Koemstedt betonte: „Die Kleinteiligkeit an der Promenadestraße ist zu erhalten.“ Laut OB soll die Öffentlichkeit einbezogen werden, „sobald die Strukturen feststehen“. Das Ziel sei nicht die maximale, aber eine zumindest „akzeptable Rendite“.

Raumbedarf Polizei

Was das Thema Neubau Polizei betreffe, sei eigentlich alles gesagt, so der OB. Die „Zeit drängt“ wegen des Platzmangels und der schlechten Bausubstanz des aktuell genutzten Gebäudes. Mit seinem Angebot, auf das Gelände der ehemaligen Ari-Kaserne zu gehen, sei er „einem alten Wunsch der Polizei gefolgt“, den sie schon vor einigen Jahren an ihn herangetragen hätten. Allerdings handle es sich dabei um eine Liegenschaft des Bundes; die Polizei sei aber Sache des Bayerischen Staates.

Aktuell „liegt es beim Innenminister“, so Kiechle. Dass er auch die Rottachstraße als künftigen Standort ausschloss, beruhigte Roßmanith-Mitterer, der der Erhalt der Parkplätze am Herzen lag. „Es kann ja nicht jeder mit dem Fahrrad kommen“, sei es aufgrund eines Gebrechens oder anderer Einschränkungen. „Ja“, pflichtete ihr der OB bei, „aber das hat noch nicht jeder Stadtrat verstanden“. Auch komme nicht jeder mit dem Bus. Aber das Thema Verkehr sollte an diesem Abend vor allem den Hildegardplatz betreffen.

Verkehr um den Wochenmarkt

Dass das Verkehrschaos an Wochenmarkttagen am Residenz- und vor allem am Hildegardplatz so nicht bleiben könne, darüber herrschte Konsens. Vorschläge zur „Entzerrung“ reichten von die Straße zwischen Galeria und Bäckerei Sinz zumachen, mit oder ohne Busverkehr oder als Einbahnlösung ... Auch der Eindruck, das Chaos dort sei eine vom Ordnungsamt weitgehend ignorierte „Heilige Kuh“, wurde laut.

Schade erinnerte daran, dass die Altstadtfreunde gegen ein ähnliches Problem in der Kronenstraße 20 Jahre lang gekämpft hatten, bis es jetzt endlich zu einer Lösung gekommen sei, und rief Kiechle dazu auf: „Handeln Sie jetzt!“

Laut Silvia Bohlinger habe sich auch niemand vorstellen können, dass die Bahnhofstraße einmal für den Verkehr gesperrt würde. An Markttagen über den Hildegardplatz zu radeln „ist mir zu gefährlich“, unterstrich sie Schades Forderung.

Kiechle bezeichnete den Wochenmarkt als „unsere wichtigste Einrichtung in der Stadt“ und die müsse auch weiterhin mit dem Auto erreichbar bleiben. „Davon bin ich zutiefst überzeugt.“

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