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Drogenring im Allgäu gesprengt — „Drogen-Taxi“ fiel bei Grenzkontrolle auf

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Von: Christine Reder

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Pressekonferenz Josef Ischwang Sebastian Murer Peter Gruber,
In einer Pressekonferenz präsentierten Josef Ischwang, Leiter Kriminalpolizei Kempten, (v.li.) Sebastian Murer, Staatsanwaltschaft Kempten, und Peter Gruber, Landeskriminalamt Vorarlberg, die Ermittlungsergebnisse der Ermittlungsgruppe „Platzhirsch“. © Christine Reder

Kempten/Oberallgäu – Der Kemptener Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft gelang gemeinsam mit der Landespolizeidirektion Vorarlberg ein bedeutender Schlag gegen die regionale, organisierte Kriminalität. Ein strukturierter Drogenring konnte gesprengt werden. 

Es wurden 44 Wohnungen in Kempten, Lindau, Memmingen, sowie im Großraum Bregenz und Dornbirn durchsucht. Dabei konnten insgesamt 37 Kilogramm Rauschgift sichergestellt werden.

Diese Menge entspreche einem marktüblichen Straßenverkaufswert von etwa 300.000 Euro, erklärte Josef Ischwang, Leiter der Kriminalpolizei Kempten. Daneben seien auch gefährliche Schusswaffen, eine größere Summe Bargeld, mehrere Luxusfahrzeuge, eine Harley Davidson und eine Uhr der Marke Rolex aufgefunden worden. Es gibt 30 Beschuldigte, gegen die ein umfangreiches Ermittlungsverfahren läuft. Acht Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Ermittlungsgruppe „Platzhirsch“

Seit November letzten Jahres wird von der Ermittlungsgruppe „Platzhirsch“ in dieser Sache ermittelt. Der Name sei so gewählt worden, weil einige der mutmaßlichen Tatverdächtigen die Platzhirsche in der Szene seien, so Sebastian Murer, Staatsanwaltschaft Kempten. Bei dem Haupttäter handle es sich um einen 25-jährigen Mann, der in Dornbirn (Vorarlberg) seinen Wohnsitz hat. Er soll mit Marihuana und Kokain im großen Stil gedealt haben.

Zu seinen Abnehmern zählten auch zwei Männer aus dem Allgäu, die das Rauschgift mit einem sogenannten „Drogen-Taxi“ in der Region verkauft haben. Dieses echte Taxi sollte offensichtlich den Eindruck erwecken, es handle sich um normale Beförderungsfahrten, erklärte Ischwang.

Zwei Männer betrieben „Drogen-Taxi“

Die beiden Männer wurden dieses Jahr im Februar an der Grenze zu Österreich bei der Einreise kontrolliert, wobei etwa 300 Gramm Marihuana bei ihnen gefunden wurde, dass sie augenscheinlich von dem tatverdächtigen, in Dornbirn lebenden Mann bekommen haben. Bei zwei anschließenden Wohnungsdurchsuchungen im Bereich Kempten konnten weitere eineinhalb Kilogramm Marihuana und etwa 750 Gramm Amphetamine sichergestellt werden.

Am 27. April 2022 kam es dann länderübergreifend in Deutschland und Österreich zu weiteren Hausdurchsuchungen und einigen Festnahmen. Bei dieser Aktion konnte der 25-jährige Haupttäter aus Dornbirn durch österreichische Spezialkräfte festgenommen werden, erklärte Peter Gruber vom Landeskriminalamt Vorarlberg. In einem „Rauschgiftbunker“, so der Jargon im Milieu, wurden 13 Kilogramm Rauschgift im Raum Lindau gefunden und zwei scharfe Schusswaffen. Darüber hinaus wurden weitere 17 Kilogramm Marihuana bei einer 32-jährigen Frau aus dem Kreis Memmingen sichergestellt. Auch kam es zu vier weiteren Festnahmen.

Der bisher letzte weitere groß angelegte Durchsuchungseinsatz mit Unterstützungskräften der Bayerischen Bereitschaftspolizei und der Zentralen Einsatzdienste Neu-Ulm und Kempten erfolgte letzten Mittwoch, berichtete Josef Ischwang. Auch bei diesem Einsatz kam es zu 22 Wohnungsdurchsuchungen bei insgesamt 16 Tatverdächtigen mit weiteren Festnahmen. Neben 1,3 Kilogramm Marihuana, 20 Gramm Amphetamine, sowie geringe Mengen Kokain und Heroin sei auch Bargeld in Höhe von 10.000 Euro in szenetypischer Stückelung sichergestellt worden.

Rauschgift, Waffen und Vermögen sichergestellt

„Die Täterstruktur ist von hoher krimineller Energie geprägt. Die Qualität der mutmaßlichen Täter sticht hervor“, betonte Ischwang. Ein Teil der aufgefundenen Menge sei für die lokal ansässige Händlerszene bestimmt gewesen, so die Vermutungen der Ermittlungsbehörden. Neben Rauschgift, Waffen und Vermögenswerten seien auch Handys und Datenträger sichergestellt worden, erklärte Ischwang. Die Auswertung werde wahrscheinlich Daten mit weiteren Hinweisen liefern.

Auch das Abschöpfen von Vermögenswerten, wie Luxusautos, Bargeld, Schmuck etc. sei in der Ermittlungsarbeit von großer Bedeutung, ergänzte Oberstaatsanwalt Murer. So könne verhindert werden, dass Vermögen verschwinde. „Im Rahmen der Ermittlungsarbeit wurden Vermögensgegenstände in Höhe von circa 260.000 Euro eingezogen“, so Murer.

Internationale Zusammenarbeit

„Durch die gute und internationale Zusammenarbeit, verbunden mit entsprechenden Kontrollen und einem sehr guten Netzwerk, konnte effektiv und schnell gehandelt werden“, lobte Murer die Zusammenarbeit mit den österreichischen Kollegen. Das vorläufige Ergebnis sei Ausdruck erfolgreicher Ermittlungsarbeit. Für ihn bedeute dies „wachsam sein und dran bleiben“. Auch Josef Ischwang hob das „herausragende Ergebnis“ hervor. Bei einer Verurteilung der Festgenommen könne die Strafe zwischen einem und 15 Jahre Freiheitsentzug betragen, erklärte Ischwang abschließend.

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