Neue Runde, neues Glück

Erneute Umplanung des Dorfzentrums Heiligkreuz: Vereinsbeteiligung im April

Auch die Mauer des neuen Carports in Heiligkreuz war Thema bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „kulturhaus heiligkreuz“ im März 2021
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Auch die Mauer des neuen Carports in Heiligkreuz war Thema bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „kulturhaus heiligkreuz“. Jetzt müsse die Stadt beweisen, dass sie vertrauenswürdig sei, war eine Forderung.

Kempten – Die Historie ist bereits beachtlich. Erste Pläne für ein Dorfzentrum im Pfarrgarten von Heiligkreuz stammen aus den Jahren 2016 und 2017.

Dann stellte sich heraus, der Bedarf an Schul- und KiTa-Plätzen ist noch größer. Um dem Projekt mehr Platz zu bieten, sollte dessen Areal erweitert werden. Auf dem Plan stand ein neues Schulgebäude für 220 Schüler mit neuer Sport- und Aufführungshalle, Mensa und Bibliothek. Die Mensa sollte multifunktional als Bürger-, und Veranstaltungssaal dienen und sich an einen neuen Dorfplatz westlich der Kirche anschließen. In die alte Schule sollte die KiTa mit fünf Gruppen ziehen. Im Frühjahr 2020 fand die Vorstellung der vorläufigen neuen Pläne statt. Im Herbst kam dann die Nachricht: Sie sind nicht realisierbar. Die Grundstücksverhandlungen wurden nicht mit einem gemeinsamen Ergebnis beendet.

Den Prozess stets kritisch begleitet hat der Verein „kulturhaus heiligkreuz“. Trotz Lockdown fand am Montag die Jahreshauptversammlung statt. Virtuell kamen rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.

Auch bei dieser Versammlung war die Stimmung eher nüchtern. Nach Abbruch des „Oberen Wirts“ und dem dort für Veranstaltungen genutzten Saales setzt sich der Verein hartnäckig dafür ein, wieder Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen in der Gemarkung St. Lorenz zu bekommen. Vorsitzender Wolfgang Meyer-Müller las einen Brief des Oberbürgermeisters vor, in dem er von der erneuten Planüberarbeitung berichtete. In der Überlegung sei entweder, nur das Mehrzweckgebäude vom Pfarrgarten auszulagern oder den neuen Dorfmittelpunkt gesamt an anderer Stelle zu realisieren. „Diese Ideen befinden sich gerade in der Ausarbeitung und werden mir in den nächsten Wochen vorliegen. Dann komme ich gerne zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf die Vertreter der Vereine zu, um diese Möglichkeiten zu erörtern und sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen.“

Nach wie vor enttäuscht zeigt sich Meyer-Müller von der Kommunikation mit der Stadt. Seit 2014 dränge er auf einen Arbeitskreis, in dem auch Vereinsvertreter rechtzeitig am Dorfzentrum mitwirken können. „Wenn die Grobplanung erst steht, kann man meist keinen Raum mehr hinzufügen, weil die Außenmauern schon stehen“, sagte er. Die Sorge, zu spät gehört zu werden, zeigte sich auch bei anderen Vereinsmitgliedern. Die Tatsache, dass Kulturamtsleiter Martin Fink nicht in die Planungen involviert sei, ist für Meyer-Müller der Beweis, dass es sich um ein Schulprojekt handelt, und die Vereine „es dann untereinander ausmachen können“. Es gehe um Kleinigkeiten, die aber für die Nutzbarkeit wichtig seien. Mit entsprechenden Fördergeldern könne vielleicht auch der Schützenverein wieder ein Dach im neuen Zentrum finden.

Einen anderen Kritikpunkt führte die Stellvertretende Vorsitzende Bea Kammerlander ins Feld: „Dass die Liegenschaften für das Dorfzentrum vor einem Jahr noch nicht ausdiskutiert waren, ist ein starkes Stück“, sagte sie, „die Glaubwürdigkeit hat gelitten.“ Der OB müsse jetzt beweisen, dass er vertrauenswürdig sei und „nicht wieder etwas durchrutscht“. Mit „durchrutschen“ spielte sie auf die neu errichtete Mauer am Carport in Heiligkreuz an. Ihre Höhe erstaunt Bewohner wie auch Stadträte. Groß war der Wunsch, den neuen Bürgern Gelegenheit zu geben, sich zu integrieren. Bisher „sieht man sie beim Bäcker, sonst nicht“, sagte Kammerlander.

Dass sie die Heiligkreuzer unterstützen wollen, signalisierten Stadträtinnen und Stadträte aus den Fraktionen der SPD, der Grünen und der Freien Wähler mit ihrer Teilnahme an der Versammlung. Hans-Peter Wegscheider (FW) hatte gleich noch eine gute Nachricht für den Verein im Gepäck. Er rechnete damit, dass sie schon im April in die Planungen einbezogen werden. Parteikollege Thomas Landerer erklärte, dass sich der Etat für das Dorfzentrum mehr als verdoppelt habe: von 9,9 auf jetzt rund 24 Millionen Euro im Haushalt der nächsten Jahre. „Auch mit Corona wurde nichts gekürzt.“ Insgesamt zeigten die Stadträte mit Katharina Schrader (SPD) und Barbara Haggenmüller (Grüne) Verständnis, warben aber auch um Verständnis für Stadt und Verwaltung. Sie sicherten den Vereinen ihre Hilfe zu und lenkten den Blick auf den Termin im April. Trotzdem richtete Meyer-Müller mehrfach den inständigen Appell an die Räte, sich für einen Arbeitskreis mit Teilnahme der Heiligkreuzer Vereine starkzumachen.

Schulreferent Thomas Baier-Regnery „versteht, dass ein Vertrauensverlust formuliert wird“. Das sagte er dem Kreisbote auf Nachfrage. Der Prozess sei langwierig und komplex. Bei den Planvorstellungen im März 2020 hatte es sich um weit gediehene, aber dennoch erste Überlegungen gehandelt. Grundstückseigner, Kindergarten Sankt Hildegard und die Diözese Augsburg waren hier involviert. Aber die Liegenschaftsverhandlungen waren noch nicht konkretisiert. „Es sah lange Zeit nach einem gemeinsamen Ergebnis aus. Nach einer sehr langen Verhandlungsreihe bis in den Sommer 2020 sind wir aber nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen“, so Baier-Regnery.

Bei den neuen Entwürfen handle es sich um „Diskussionsgrundlagen“ und nicht um vollendete Tatsachen, unterstrich er. Auch eine integrierte Nutzungsmöglichkeit für die älteren Menschen in Heiligkreuz kann sich Baier-Regnery vorstellen.

Susanne Lüderitz

Lesen Sie dazu auch:

- Dorfzentrum für Heiligkreuz: https://www.kreisbote.de/lokales/Kempten/staedtische-gremien-bringen-gemeinsame-planungen-8254290.html

- Beim Zentrum Heiligkreuz geht es voran, trotzdem sind noch Fragen offen https://www.kreisbote.de/lokales/kempten/ausschreibung-erwuenscht-beim-zentrum-heiligkreuz-geht-voran-trotzdem-sind-noch-fragen-offen-9727597.html

- Kulturverein zeigt sich enttäuscht und von der Stadt im Stich gelassen: https://www.kreisbote.de/lokales/kempten/abgehaengt-heiligkreuz-kulturverein-zeigt-sich-enttaeuscht-stadt-stich-gelassen-kempten-11798821.html

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