Hutschnur gerissen

Fehlendes WLAN in Kemptener Gemeinschaftsunterkünften erzürnt Integrationsbeirat

Die Vorsitzenden des Kemptener Integrationsbeirat 2021
+
Alle drei Vorsitzenden waren bei der ersten Sitzung des Jahres dabei. Der stellvertrende Vorsitzender Salvatore Catania (v.li.), die 1. Vorsitzende Ilknur Altan und die stellvertretende Vorsitzende Anuradha Kalia.

Kempten – Auch die Integrationsarbeit wird durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht leichter.

Trotzdem entschied der neue Integrationsbeirat der Stadt Kempten, seine erste Sitzung im Jahr 2021 stattfinden zu lassen. Nicht im Sitzungsaal des Rathauses, sondern als digitale Videokonferenz, zu der sich insgesamt 27 TeilnehmerInnen zugeschaltet hatten, darunter die neuen stellvertretenden Vorsitzenden Salvatore Catania und Anuradha Kalia. Moderiert wurde das Treffen durch die Integrationsbeauftragte des Kemptener Stadtrats und 1. Vorsitzende Ilknur Altan.

Vom Stadtrat waren anwesend Erna-Kathrein Groll, Lajos Fischer (beide Grüne) und Franz-Josef Natterer-Babych (ÖDP). Vom Amt für Integration waren Cornelia Sauter und Priska Hecht und vom Referat für Jugend, Schule und Soziales dessen Leiter Thomas Baier -Regnery mit dabei.

Zuvorderst stimmten die Anwesenden einer nachträglichen Mittelbereitstellung für den Interkulturellen Herbst 2020 zu. Beim zweiten Tagesordnungspunkt wurde durch Sauter und Hecht der aktuelle Stand zum Kommunalen Integrationskonzept KIK dargelegt. Das Projekt beschäftigt sich seit 2019 intensiv mit den Handlungsfeldern Sprache und Bildung; Arbeit und Ausbildung; gesellschaftliche Teilhabe; Gesundheit; Bürgerschaftliches Engagement und Interkulturelle Öffnung.

Derzeit bearbeitet eine Steuerungsgruppe die Inhalte der vorgeschlagenen Maßnahmen, diese werden im Anschluss verschriftlicht und sollen ab Juli politisch behandelt werden.

Sichtbare Anstöße gegen Rassismus

Hecht stellte zudem Kemptens Teilhabe an der Aktion „Weltoffene Kommune – vom Dialog zum Zusammenhalt“ vor. Das von der Bertelsmannstiftung getragene Projekt ermöglicht es Kommunen, in einer Selbsteinschätzung Stärken und Optimierungspotenziale ihrer lokalen Integrations- und Diversitätsarbeit zu erkennen. Das Projekt versteht sich nicht als Ranking- oder Benchmarking-Instrument, wie es Hecht betonte: „Die Erkenntnisse aus dem Selbstcheck und dem Workshop fließen lediglich in das Kommunale Integrationskonzept ein.“ Fischer wünschte sich, dass auch dem Integrationsbeirat die Ergebnisse des KIK zur Beurteilung vorgelegt werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt des Abends war die Planung zum „Tag gegen Rassismus“ am 21. März. Im vergangenen Jahr coronabedingt abgesagt, soll es heuer in jedem Fall Aktionen geben. Von den Teilnehmern wurde Vorschläge gemacht, wie Videobotschaften zu filmen und zu posten, Artikel und Anzeigen in der lokalen Presse zu schalten oder Reversbuttons zu pressen. Als Zeichen gegen Rassismus könnten auch die Regenbogenfarben in die Fenster von Bürgern gestellt werden, so der Vorschlag eines Teilnehmers. Spektakulär der Vorschlag mittels „Skywriting“ am 21. März einen Slogan gegen Rassismus in den Himmel über Kempten schreiben zu lassen. Kemptens 3. Bürgermeisterin Groll betonte, „dass in jedem Fall die Aktionen sichtbar sein müssten.“

Versprochen gebrochen

Gesprochen wurde auch über einen möglichen Workshop mit dem Integrationsbeirat, der zum besseren Kennenlernen dienen soll. Übereinstimmend wurde vermerkt, dass dieser für Oktober geplante Workshop nur in Präsenz Sinn mache. In diesem Zusammenhang verlautbarte Altan, dass Sitzungen des Integrationsbeirats nur so lange online abgehalten werden, solange die strikten Anti-Corona-Maßnahmen gelten. „Wir alle wünschen uns wieder eine Zusammenkunft in Präsenz“, so unisono die Meinung des Integrationsbeirats.

Lebendig wurde die Sitzung noch zum Ende, als Berichte aus den Gemeinschaftsunterkünften vorgetragen wurden. Anders als die dezentralen Unterkünfte verfügen die GUs noch über keine digitale Infrastruktur. Ein WLAN-Anschluss ist aber unverzichtbar, damit dort untergebrachte Kinder am Distanzunterricht teilnehmen können. Die Bereitstellung falle eindeutig in den Zuständigkeitsbereich des Freistaats und nicht in den der Kommunen. Für die entsprechenden Endgeräte wie Tablets und Notebooks wurde seitens der Stadt gesorgt, nun fehlt es weiterhin an WLAN-Zugängen.

Nachdem sich einige Teilnehmer der Sitzung dafür aussprachen, nun selbst für die Anschlüsse zu sorgen, riss Referent Baier-Regney die Hutschnur. „Die Bereitstellung des Internetanschluss fällt eindeutig in die Zuständigkeit des Freistaats, so wie es dieser vollmundig versprochen hat. Die Situation nun über ehrenamtliche Dritte oder die Bewohner selbst lösen zu wollen, ist weder praktikabel noch bietet sie eine schnelle Lösung. Die ist aber absolut notwendig, weil die Auswirkungen auf die soziale Entwicklung und seelische Gesundheit der Kinder massiv sein werden“, so Baier-Regnery. Mit einem Forderungsschreiben an den Freistaat möchte der Integrationsbeirat nun erreichen, dass von diesem die versprochenen WLAN-Anbindungen in den eigenen Asylunterkünften eingerichtet werden.

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ticker Kempten: Corona-Lage verschärft sich - Gemeinsamer Appell zur Vorsicht
Corona-Ticker Kempten: Corona-Lage verschärft sich - Gemeinsamer Appell zur Vorsicht
Nadine Rieder und Sina van Thiel gemeinsam im Nationalteam
Nadine Rieder und Sina van Thiel gemeinsam im Nationalteam
Vier Parteien mit gemeinsamen Plänen
Vier Parteien mit gemeinsamen Plänen

Kommentare