Münze aus Zeiten des Augustus

Fundstücke liefern Erkenntnisse zum Alter des antiken Cambodunums

Cambodunum Kempten Ausgrabungen Archäologischer Park Cambodunum Lindenberg
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So sieht das Grabungsfeld aktuell aus.
  • VonChristine Reder
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Kempten – Neuere Grabungen in der Römerstadt Cambodunum, dem heutigen Kempten, förderten Material zu Tage, das als älteste Spuren römischer Stadtkultur identifiziert wurden.

Diese Fundstücke, wie etwa eine Münze, die aus der Zeit des Augustus stammt, liefern neue Erkenntnisse, dass es sich bei dem antiken Cambodunum um die erste Provinzhauptstadt nördlich der Alpen handelt und sie deutlich früher, bereits um Christi Geburt herum, entstanden ist, erläuterte der Archäologe Professor Dr. Salvatore Ortisi von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in seinem Online-Vortrag letzten Donnerstagabend.

Im Rahmen der aktuellen Forschungskooperation der Stadt Kempten mit der LMU München führte der Professor mit Studenten der römischen Geschichte von Kempten die Ausgrabungen im Archäologischen Park Cambodunum (APC) durch.

In die Geschichte Kemptens eingegraben

Ihre Grabungen, die einige Meter in die Tiefe führten, haben unterschiedlich gefärbte Erdbänder freigelegt, erklärte Ortisi die ersten Ergebnisse. Mittels der Stratigraphie, einer Methode aus den Geowissenschaften, die von der Archäologie übernommen wurde, konnten die Sedimentschichten altersmäßig eingeordnet werden.

Die freigelegte Schichtenabfolge zeige Spuren des ersten bis dritten Jahrzehnts nach Christi mit zwei Holzbauphasen und einem Estrichbau mit massivem Schichtaufbau. Es seien erste Holz-Fachwerkhäuser entstanden, die bereits etwa 20 nach Christi durch Häuserbauten mit Ziegeln und Steinen ersetzt wurden. „Eine dynamische Stadtentwicklung“, erklärte Ortisi. „Die Geschichte der Stadt lässt sich gut nachvollziehen.“

Gebäude und Münze passen zusammen

Eine unter der Mörtelschicht gefundene Münze aus der späten Zeit des Augustus, geprägt zwischen dem neunten und 14. Jahrzehnt nach Christi bestätigen diese Einschätzungen, bekräftigte der Archäologe. So könne der Steinbau Insula 1 aufgrund dieser Forschungsergebnisse auf die gleiche Zeit datiert werden. „Die Bauabfolge zeigt klar, dass es sich um den ältesten Bau aus der Wohnbebauung handelt.“ Damit einhergehend haben die Untersuchungen zudem ergeben, dass das ältere Forum jünger sei als der Steinbau Insula 1 und die römische Stadt Cambodunum bereits wesentlich früher als 15 nach Christi entstanden sei.

Insula 1 sei relativ bald nach seinem Bau abgebrannt und dann wieder aufgebaut worden, erläuterte der Professor. Durch aufgefundenen Brandschutt könne dies belegt werden. „Die historischen Daten passen zu den Funden.“

Bunte Bevölkerung

Die antike Römerstadt sei als zivile Siedlung und lange ohne Militärstützpunkt von den Römern, unter den Heeresführern Tiberius und Drusus, nach ihrem Einmarsch in das heutige Alpenvorland im Allgäu auf dem Lindenberg errichtet worden, erklärte Ortisi. Die unterschiedlichen Fundstücke lassen das Bild einer bunten Bevölkerung aus dem römischen Reich entstehen. Cambodunum sei ein Magnet und Sammelpunkt für Siedler aus dem oberen Adriabereich, aus der Donauregion und aus Gallien gewesen, die ihren Lebensunterhalt als Handwerker, wie etwa als Glasbläser verdienten.

Nach der überaus interessanten Videokonferenz mit dem Archäologen hatten die Teilnehmer Gelegenheiten, weitere Fragen zu den Ergebnissen der aktuellen Ausgrabungen zu stellen.

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