Die Sehnsucht wächst

Gebirgsaufklärer der Allgäu Kaserne kehren nach einem halben Jahr im Einsatz zurück

Stabsfeldwebel H. aus F. gehört zu den rund 100 Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillon 230, die im August in den Einsatz nach Mali verlegten.
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Stabsfeldwebel H. aus F. gehört zu den rund 100 Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillon 230, die im August in den Einsatz nach Mali verlegten. Er freut sich nun auf die baldige Heimkehr zu den Liebsten im schönen Allgäu.
  • vonSelma Höfer
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Füssen/Gao – Die Gebirgsaufklärer aus der Allgäu Kaserne in Füssen stellten einen Teil des 15./16. Deutschen Einsatzkontingents im westafrikanischen Binnenstaat Mali.

Die rund 100 Männer und Frauen sagten Ende August ihren Kameraden im Heimatstandort Füssen, ihren Familien, Freunden und ihrem Zuhause „Lebe wohl, auf Wiedersehen“ (wir berichteten mehrfach). Getrennt von den Liebsten und der Heimat verbrachten sie den Herbst und Winter, Weihnachten, Neujahr wie auch den einen oder anderen Geburts- und Jahrestag. Zwar auf dem selben Planeten, aber dennoch in einer anderen Welt. Nun ist das Ende in Sicht. Dem Kreisbote verrieten einige der Einsatzsoldaten, wonach sie sich besonders sehnen und worauf sie sich am meisten freuen.

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Die United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali (Minusma) ist derzeit die gefährlichste Blauhelm-Mission weltweit und das Füssener Bataillon ist seit 2017 einen Teil davon.

Auch Oberfeldwebel R. aus Roßhaupten freut sich nun auf zu Hause.

Ein Großteil der Bundeswehrsoldaten ist in Gao, im Norden Malis, stationiert. Von dort aus setzt die Bundeswehr Aufklärungskräfte am Boden und in der Luft ein, um dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bamako die angeforderten Informationen zu liefern. Regelmäßig werden zusätzlich Patrouillen in der Region um Gao durchgeführt. Um für diese Aufgaben und Gefahren gewappnet zu sein, begann bereits im April des vergangenen Jahres eine intensive Vorbereitung und Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten. Auch in dieser Zeit, zum Beispiel für sechs Wochen im Juni/Juli, waren sie nicht zu Hause. Bereits dieser „Einsatz vor dem Einsatz“ ist für so manche Familie, die eine oder andere Beziehung oder Freundschaft eine Geduldsprobe.

Für die Aufklärungsspezialisten der Allgäu Kaserne Füssen bedeutet die Möglichkeit, in den Einsatz zu verlegen eine Chance, das zu tun, was sie gelernt und intensiv trainiert haben. Jeder einzelne weiß, dass die jeweilige Arbeit ein wichtiger Teil des gesamten Einsatzgeschehens darstellt. Vertrauen, Kameradschaft und Respekt sind die Grundlage für ihre Sicherheit und das Gelingen der Operationen. Dafür, jedoch auch, um das Leben im Camp Castor für einen so langen Zeitraum annehmen zu können.

So gut wie keine Privatsphäre

Die Männer und Frauen wohnen dort in befestigten Containern, meist zu zweit auf einer „Stube“. Privatsphäre gibt es im Camp Castor so gut wie gar nicht. Weder bei den Mahlzeiten, noch beim Zähneputzen oder am Arbeitsplatz. Auf Einsätzen der Vereinten Nationen gilt außerdem ein absolutes Alkoholverbot.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und einer zweiwöchigen Isolation vor dem Abflug, konnte das Covid-19-Virus auch aus dem Camp nicht ferngehalten werden. Seit Ende November gibt es immer wieder Infektionsfälle. Damit die Soldatinnen und Soldaten trotzdem ihre Aufgaben erfüllen können, müssen sie umfangreiche Maßnahmen zum Gesundheitsschutz umsetzen. Ein Lageralltag ohne Einschränkungen wurde unmöglich.

So musste das Weihnachtsessen ausfallen, die Sportbereiche durften nur noch stark eingeschränkt, teilweise gar nicht mehr benutzt und jegliche gemeinschaftlichen Aktionen mussten abgesagt werden. Mehrere Wochen fiel die Küche aus und es gab Einmannpackung, kurz Epa genannt. Das sind Mahlzeiten, die bis zu drei Jahre haltbar und wenig abwechslungsreich sind.

Das Tragen von FFP2-Masken ist im gesamten Camp drinnen wie draußen Pflicht. Und das bei meist weit über 30 Grad Celcius im Außenbereich.

Vieles entbehren die Soldatinnen und Soldaten aus der Füssener Kaserne. Briefe und Päckchen aus der Heimat, Telefonate oder Video-Anrufe mit ihren Liebsten waren dabei eine große Stütze. Auch waren sie gezwungen, ihre Familien und Freunde mit den Corona-Maßnahmen und dem Kampf gegen einen unsichtbaren Feind alleine zu lassen. Nun wächst die Vorfreude auf die Heimkehr und – ?

Die Vorfreude auf zu Hause wächst

Die Ehefrauen, Freundinnen und Kinder, Freunde und das gemeinsame Fußballspielen. Pizza und Döner stehen hoch im Kurs. Die heimische Natur mit viel Grün und die Kühle des Winters. Einfach einmal die Türe hinter sich schließen zu können und alleine zu sein. Manch einer möchte erst einmal zu der Fast-Food-Kette mit der großen, gelben Möwe, Motorrad fahren und lange und ausgiebig duschen.

„Ich freue mich am meisten auf meinen Sohn und meine Frau. Auch auf eine leckere Leberkässemmel mit süßem Senf und dazu ein kaltes Weißbier. Besonders habe ich neben meiner Familie den Winter vermisst“, sagte Oberfeldwebel R. aus Roßhaupten.

Stabsfeldwebel H. aus F. sagt: „Vermisst habe ich vor allem meine Familie und meine Freundin. Aber auch den Regen und den Schnee. Wenn es fünf Monate lang nicht einmal geregnet hat, freut man sich auch darauf. Und natürlich auf die Allgäuer Berge mit den dunklen Wäldern, den grünen Wiesen und der klaren frischen Luft, die Seen und darin zu schwimmen.“ Auch Oberstabsgefreiter S. aus Kempten vermisst seine Liebsten: „Ich freue mich am meisten auf meine Familie.“

Was hat am meisten gefehlt?

Hauptgefreiter L. freut sich darauf, zu „Essen was man will“, ihre Familie, den Winter und Schnee. Sie kann es kaum erwarten, wieder Privatsphäre zu besitzen und ihre Haustiere um sich zu haben.

Auf die Frage, „Was hat mir am meisten gefehlt?“, antworteten Soldaten der Instandsetzung (Stabsunteroffizier und Stabsfeldwebel): „Familie und Freunde, vernünftiges Brot und das gesellige Zusammensein bei einem gemütlichen Kaltgetränk.“ Sie freuen sich auf die Frau und die Kinder, Freunde und Familie, auf mehr Privatsphäre oder eine kleinen Rückzugsort und „natürlich auch die Berge und vielleicht noch ein bisschen Schnee“.

Soldaten und Soldatinnen des Gefechtsstandes schließen sich dem Vorherigen an. Auch ihnen fehlen ihre Liebsten. „Ein richtiges Bett, grüne Landschaft, spazieren gehen mit der Familie hat mir hier gefehlt.“ Auch ersehnt werden allerdings „mein Pferd!“ und „stabiles und schnelles Internet“.

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