Mischnutzung gewünscht

Gestaltungsbeirat gibt Sozialbau Anregungen für Saurer Allma Gelände

+
Rot umrandet das 5,12 Hektar große Saurer Allma Grundstück, davon sind aktuell 3,33 Hektar voll versiegelt, 1,33 Hektar Grünfläche und 0,46 hoch verdichtete Schotterfläche.

Kempten – 2014 hat die Sozialbau das Saurer Allma Gelände am Schumacherring zwischen Leonhardstraße, Reichenbacher Straße und Engelhaldepark erworben, um die 5,1 Hektar große Fläche mittelfristig – laut Sozialbau-Chef Herbert Singer in 8 bis 10 Jahren – für Wohnbauzwecke zu nutzen.

Aber Kemptens Bevölkerung wächst bekanntlich und entsprechend auch der Bedarf an Wohnraum, weshalb sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt hat, „zügig zu einer baulichen Entwicklung zu kommen“, wie Singer vor dem Gestaltungsbeirat kundtat. In den geplanten 300 Wohnungen könnten bis zu 900 Menschen ein neues Zuhause finden. Bereits im kommenden Frühjahr soll die Jury über die städtebaulichen Entwürfe entscheiden.

Bis dahin gilt es noch einige Hürden zu nehmen. So prüft die Verwaltung derzeit, ob auf dem Gelände Vorbehaltsflächen für eine zwei- bis dreizügige Grundschule sowie für einen Kindergarten reserviert werden müssen, da die Einrichtungen in den angrenzenden Sprengeln bereits jetzt aus allen Nähten platzen. Auch der Straßen- und Schienenlärm vom Schumacherring und den parallel verlaufenden Bahnlinien nach München und Ulm belasten das Quartier sowie der Wertstoffhof östlich zwischen Ring und Saurer Allma Gelände.

Für das „sehr exponiert“ auf einer Art Hochplateau gelegene Areal soll es neben einer großflächigen Entsiegelung auch eine „flächensparende Erschließung“ geben sowie Energieeffizienz, Freiraumqualität, Smarte Vernetzung und Intelligente Mobilität im Fokus stehen. Von der geplanten Nahversorgung sollen auch die nahe gelegene Ludwigshöhe sowie der Bereich rund um die Leonhardstraße profitieren. Geplant ist ein Realisierungswettbewerb für das Gebiet, auf das sicher zugegriffen wird, und darüber hinaus ein Ideenwettbewerb.

Demographisch handelt es sich um ein seniorengeprägtes Quartier mit qualitativ eher geringwertigem, überwiegend unsaniertem Wohnbestand und wenig attraktiven Freiraum- und Aufenthaltsqualitäten, sieht man vom nicht weit entfernten Engelhaldepark ab, der in das Konzept des neuen Quartiers eingebunden werden soll. Aus Sicht des Gestaltungsbeirats bieten Lage und Größe des Areals „unglaubliche Chancen“, nicht nur für die künftigen Bewohner, sondern auch für die Allgemeinheit. Diese müssten genutzt werden, um „dem gesamten Viertel einen guten Stempel aufzudrücken“, wie Beirat Thomas Glogger sagte. Einig waren sich die Mitglieder darüber, dass der Blick nicht nur auf der Wohnbebauung liegen soll, sondern auf einer gemischten Nutzung, zum Beispiel mit nicht störendem Gewerbe.

Für Irritation unter den externen Gremiumsmitgliedern hatte gesorgt, dass die Sozialbau als alleiniger Auslober auftritt, statt wie ursprünglich vorgesehen zusammen mit der Stadt Kempten. Würde die Stadt als öffentlicher Auslober dabei sein, müsste die Auslobung EU-weit erfolgen, so die Begründung der Sozialbau, die als privates Unternehmen gilt. Deshalb sei eine „enge Abstimmung“ zwischen Stadt und Unternehmen die bessere Lösung. Den Auftrag, einen Auslobungsentwurf zu erstellen, hat die Sozialbau auf eigene Kosten an das Münchner Büro BGSM vergeben.

Noch drei weitere Anregungen gab Glogger der Sozialbau in einer Zusammenfassung der gremiumsintern vorangegangenen Diskussion mit auf den Weg: Der Wettbewerb soll auch für junge Büros geöffnet werden, die näher an den aktuellen Entwicklungen seien. „Die Gesellschaft ist im Umbruch“, warf Prof. Hans-Peter Hebensperger-Hüther ein und streifte die Digitalisierung, Corona oder Home Office. Da sei die Auswahl der zum Wettbewerb eingeladenen Büros „antiquiert“. Auch „thematisch offener“ wünscht sich das Gremium die Ausschreibung schon ab der ersten Stufe, sowohl bezüglich der Wohneinheiten als auch für die restlichen Nutzungen. Und schließlich auch eine „Öffnung“ bezüglich einer Nachnutzung der „sehr großen Menge“ an bestehenden Firmengebäuden aus den 1960er/70er Jahren. Bisherige Voruntersuchungen hätten ergeben, dass es problematischer sei als anderswo, gab Singer an. Insgesamt versprechen sich die Gestaltungsbeiräte „eine größere Vielfalt als Ergebnisse“, wenn nicht nur vorgegeben werde, wie viele Wohnungen gewünscht sind.

Gremiumsvorsitzende Bü Prechter regte an, „dieses Wohnen am Park“ in den Auslobungstext stärker einzuarbeiten, denn „die Lage begeistert wirklich“.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Serie Beauftragte des Stadtrats 2020 - 2026 Dr. Stefan Thiemann (Bündnis 90/Die Grünen): Beauftragter für Mobilität
Serie Beauftragte des Stadtrats 2020 - 2026 Dr. Stefan Thiemann (Bündnis 90/Die Grünen): Beauftragter für Mobilität
Coronavirus: Erster bestätigter Fall im Landkreis Oberallgäu
Coronavirus: Erster bestätigter Fall im Landkreis Oberallgäu

Kommentare