»Existentielle Bedrohung unserer Firma«

Gewerbegebiet Herzmanns-Süd: Das sind die Stellungnahmen

Eine Ortsansicht von Waltenhofen.
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Eine Ortsansicht von Waltenhofen. Bei der Gemeinderatssitzung ging es um das Gewerbegebiet Herzmanns-Süd. Die Öffentlichkeit hatte Stellung genommen.

Waltenhofen – Ursprünglich waren neun Tagesordnungspunkte für die Gemeinderatssitzung am vergangenen Montagabend in der Mehrzweckhalle in Waltenhofen vorgesehen.

Nur ein Bruchteil davon konnte letztlich thematisiert werden. Ein Grund waren die zum Gewerbegebiet Herzmanns-Süd eingegangenen Stellungnahmen der Öffentlichkeit. Es sei dem Gemeinderat wichtig, ausführlich auf die Anliegen der Bürger einzugehen, wie Eckhard Harscher, Erster Bürgermeister der Gemeinde, betonte. So wurden aus den für diesen Tagesordnungspunkt vorgesehenen 45 Minuten letztlich rund zwei Stunden.

Insgesamt erreichten die Gemeinde vier Stellungnahmen seitens der Öffentlichkeit. Anwohner, die bereits im Vorfeld ihre Bedenken zum geplanten Erweiterungsbau des ortsansässigen Bauunternehmens geäußert haben, drückten erneut ihre Enttäuschung aus. Dies würde das Orts- und Landschaftsbild beeinträchtigen und zu einem Anstieg der Lärmemissionen von 6 bis 22 Uhr führen, was sich negativ auf die Lebensqualität auswirke. Ein Ehepaar verwies in seiner Stellungnahme ebenfalls auf den Lärmschutz sowie das Landschaftsbild.

Hinsichtlich des Verkehrs- und Gewerbelärms wurde auf die durchgeführte schalltechnische Beurteilung des beauftragten Ingenieurbüros hingewiesen. Demnach würden keine Grenzwerte überschritten. Gemeinderat Christian Kühnel (Wir für Waltenhofen) erkundigte sich beim anwesenden Immissionsschutzgutachter nach der Grundlage für die Lärmberechnungen. Diese sei ein standardisiertes, aber realitätsnahes Verfahren, das vom ungünstigsten Szenario ausgehe, so der Gutachter. Bezogen auf den Arbeitszeitraum fragte Parteikollege Wolfgang Lau, ob die Möglichkeit bestünde, die Uhrzeit von 22 auf 20 Uhr vorzuverlegen. Dafür gebe es laut des Experten keine rechtliche Grundlage.

Bezugnehmend auf die Beeinträchtigungen auf das Orts- und Landschaftsbild wurde auf das Ergebnis der Gemeinde Waltenhofen aus dem Jahr 2016 verwiesen, wonach der Weiterentwicklung des gewerblichen Standortes sowie der Schaffung von Arbeitsplätzen der Vorrang gegenüber den Auswirkungen auf das Landschaftsbild gegeben worden sei.

Ein ebenfalls im Gewerbegebiet ansässiges Unternehmen rechnet mit einer existentiellen Bedrohung seiner Firma, wie aus der Stellungnahme hervorgeht. Der vorgelegte Bebauungsplan widerspreche dem Regional- und Flächennutzungsplan hinsichtlich der genehmigten Lärmemissionen. Das Unternehmen äußerte die Sorge, seine Tätigkeiten nicht ungehindert fortführen zu können ohne die erlaubten Lärmemissionen zu überschreiten. Gemeinderat Florian Meusburger (Freie Wähler) wollte vom Gutachter wissen, ob das Unternehmen tatsächlich eingeschränkt werde. „Die Firma kann nicht nur so weitermachen wie bisher, sondern sich sogar hinsichtlich der Immissionsrichtwerte verdoppeln“, erklärte der Gutachter. Dies sei darin begründet, dass die aktuell zulässigen Werte nur zur Hälfte ausgeschöpft würden.

Ein betroffener Eigentümer ging neben den Lärmwerten auch auf die Lichtimmissionen ein, die seiner Meinung nach nicht berücksichtigt worden seien. Er führte in seiner Stellungnahme unter anderem die Lichteinstrahlung durch die an- und abfahrenden LKWs an, die sich bis auf 100 Meter einem Anwesen nähern, wobei die Scheinwerferlichter auch in die Schlafräume leuchten würden.

Eine Prüfung habe ergeben, dass die künftige Nutzung des Plangebiets zu zusätzlichen Lichtimmissionen führen werde. Eine besondere Belastung sei aufgrund der abschirmenden Wirkung der geplanten Anlagen sowie der Entfernung zwischen Plangebiet und Wohnbebauung jedoch nicht zu erwarten.

Abschließend merkte Gemeinderätin Ulrike Hitzler (Grüne) an, dass die Bedenken der Anwohner sehr ernst genommen würden und sich der Gemeinderat auf die vorliegenden Gutachten verlassen können müsse.

Bürgermeister Harscher ging am Ende der Sitzung noch auf den aktuellen Stand bei den Corona-Testungen sowie Impfungen in der Gemeinde ein. Ab Anfang April seien in der Mehrzweckhalle kostenlose Testungen geplant. Da jeder Bürger das Recht habe, sich einmal wöchentlich testen zu lassen, gehe er von 5000 Testungen pro Woche aus. Jeder werde eine Bescheinigung über das Testergebnis erhalten. Die endgültige Zustimmung seitens des Landratsamtes stünde noch aus.

Die ersten Corona-Impfungen seien ab 29. März in der Mehrzweckhalle geplant. Die Gemeinde werde die über 80-Jährigen zur Terminvereinbarung anschreiben. Aktuelle Änderungen werden auf der Website der Gemeinde unter www.waltenhofen.de bekanntgegeben.

Dominik Baum

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