Interview

Hortus Natura No. 5: Das sagen die Kinder aus dem Projekt

Lara (v.li.), Abigail, Vincent, Daniel und Jakob von der Kindergruppe des „Hortus Natura“ in der Linggener Straße Kempten
+
Lara (v.li.), Abigail, Vincent, Daniel und Jakob von der Kindergruppe des „Hortus Natura“.

Kempten - Hortus Natura: Diesmal äußern sich die fleißigen Helfer jüngeren Alters. Was sie sagen, bringt Mitorganisatorin Ruth Haupt zum Staunen und Nachdenken.

Hier geht‘s zu Teil 4 der Serie.

Im Projekt „Hortus Natura – ein Garten für alle“ an der Linggener Straße im Stadtteil Sankt Mang sind auch immer Kinder bzw. Jugendliche dabei, inzwischen schon ein fester Bestandteil bei den Mitmachenden. Ich wollte von ihnen wissen, warum ihnen das Projekt wichtig ist und warum sie dabei sind. Ihre Antworten erstaunten mich und haben mich aber auch nachdenklich gemacht. Die Natur sei ihnen wichtig und wir müssen alle etwas für sie tun, so ihre übereinstimmende Meinung.

Erstaunlich reflektiert

Jeder, der in einem Haus mit Garten wohne, solle verpflichtet sein, mindestens einen Baum zu pflanzen, in den Städten solle es viel mehr Grün geben, Flächen, in denen Blumen wachsen dürfen für die Tiere. „Ich sitze hier vor Acht- bis Zwölfjährigen und nicht vor einer Expertengruppe“, denke ich – und überhaupt, warum müssen viele Häuser in der Stadt in ein so tristes Grau getaucht sein und so kastenförmig aussehen, warum habe man nicht mehr Mut und Phantasie beim Bauen? Ich horche auf, wie sollen ihrer Meinung nach Häuser aussehen, frage ich sie, meinen Blick über die westwärts liegende Siedlung „Auf der Ludwigshöhe“ schweifen lassend. „Ja, nicht so Schuhschachtelhäuser in geraden Reihen, sondern dazwischen mal ein Haus, das wie ein Ei ausschaut oder eines, das mehr Rundungen aufweist als all die eckigen Kästen hier – so wie Hundertwasser eben, meint Jakob, acht Jahre alt.

Daniel, Jakob und Vincent wollen als Erwachsene daran mitwirken, wie man mit Erfindungen den Plastikmüll aus dem Meer holt und ihn vielleicht wieder verwenden kann. Auch Lara möchte lieber „einen Strand ohne Müll statt Müll mit ein wenig Strand“. Dass Bauschutt auf dem Gelände des „Hortus Natura“ vergraben war, finden alle Kinder „schlimm“, auch, dass der kleine Bachlauf schon zweimal mit Farbresten und einer undefinierbaren Flüssigkeit verunreinigt war.

„Von der Natur können wir so viel lernen“

Die Umgestaltungen auf dem Platz empfinden alle Kinder positiv, kein einziges Mal haben sie daran gedacht, dass ihnen auf dem Gelände, das sie schon von früher kennen und wo sie schon vorher oft gespielt hatten, etwas genommen wird. Im Gegenteil, jetzt schaue es eher wie eine „Märchen- oder Phantasiewelt“ aus. „Von der Natur können wir so viel lernen“, sagt Abigail, sie findet es schön, dass nun mehr Blumen und damit auch Tiere, Insekten und Vögel, auf den Platz kommen sollen.

Alle Kinder, die bei dem Interview dabei sind, sind auch in der von Manuela Härtl-Hiller initiierten und vom Lions-Club Müßiggengel finanziell unterstützen „Abenteuer-Draußen“-Gruppe, die auf dem Gelände des Hortus stattfindet. „Ich habe da und bei den Mitmachaktionen mehr über die Natur gelernt als in der Schule“, meint Daniel, „außerdem durfte ich Dinge tun, die die Erwachsenen für uns vielleicht für zu gefährlich halten, z.B. im Bagger sitzen und mit ihm Löcher schaufeln. Auch das ist Vincents großer Wunsch, „einmal im Bagger sitzen und ihn bedienen“. Vorgemerkt dazu ist er schon, wenn der Bagger in der 2. Septemberwoche nochmals zum Löcherausheben für die Obstbäume gebraucht wird.

Selbstbewusstsein gibt‘s gratis dazu

Jakob erzählt von seiner Erfahrung, eine mit Steinen beladene Schubkarre geschickt über das Gelände zu manövrieren und sicher abzuladen; am Anfang nicht so einfach, jetzt schon wie ein Profi.

Alle Kinder betonen, dass sie sich in der Gemeinschaft gut aufgehoben fühlen, sie fühlen sich ernst genommen und am Ende ihres „Arbeitseinsatzes“ würden sie sehen, was sie gemacht haben und das mache sie stolz. Was ihnen sonst noch an dem Projekt gefalle, möchte ich wissen. „Die Verpflegung“, kommt es ganz spontan von Vincent und alle nicken. „Die Verpflegung von Manu (Initiatorin Härtl-Hiller, Anmerkung der Autorin) ist klasse und wir finden es gut, dass wir bei den Mahlzeiten in der lebenden Laube sitzen und gemeinsam darüber reden, was als Nächstes drankommt.“ Auch Daniels Schlusswort passt dazu sehr gut: „Wenn wir die Welt verändern möchten, müssen wir zusammenhalten.“ Und das aus dem Munde eines Zwölfjährigen!

Als ich mich von den Kindern verabschiede, gehe ich mit sehr gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite ist Freude in mir, auf solche jungen Menschen zu treffen, aus deren tiefstem Inneren so viel Verantwortung für die Natur und unsere Erde spricht, auf der anderen Seite aber auch Wehmut darüber, dass ihnen dieses Erbe aufgelastet wird. Und dennoch war in ihnen allen keine Bitterkeit zu spüren, sondern Neugier und Aufgeschlossenheit der Zukunft gegenüber, und wer weiß – vielleicht werden ihre Visionen von bunten Häusern und Gärten dank ihres Einsatzes Wirklichkeit?

Ruth Haupt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schaulustiger belästigt Anwohnerin
Kempten
Schaulustiger belästigt Anwohnerin
Schaulustiger belästigt Anwohnerin
Kempten: Von der Einkaufsstadt zur Erlebnisstadt
Kempten
Kempten: Von der Einkaufsstadt zur Erlebnisstadt
Kempten: Von der Einkaufsstadt zur Erlebnisstadt
Frau verkauft Sofa und zahlt für Transport
Kempten
Frau verkauft Sofa und zahlt für Transport
Frau verkauft Sofa und zahlt für Transport
Über 2100 Laufsportbegeisterte geben alles beim Silvesterlauf
Kempten
Über 2100 Laufsportbegeisterte geben alles beim Silvesterlauf
Über 2100 Laufsportbegeisterte geben alles beim Silvesterlauf

Kommentare