Keine Quarantäne

Initiative: Kindergarten-Eltern setzen sich für mehr Corona-Schutzmaßnahmen ein

Stefanie Koller (links) und Elisabeth Jung haben die Initiative „Stimme für Kinder in Kempten“ ins Leben gerufen. 2021 Corona Pandemie
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Stefanie Koller (links) und Elisabeth Jung haben die Initiative „Stimme für Kinder in Kempten“ ins Leben gerufen.

Kempten – Eine Eltern-Initiative zum Schutz der Kindergarten-Kinder in der Corona-Pandemie: So überschreibt sich die Aktionsgruppe „Stimme für Kinder in Kempten“.

„Wir wollen konstruktive Vorschläge bringen“, um die Kindergartenkinder besser gegen Corona zu schützen, sagt Stefanie Koller. Zusammen mit Elisabeth Jung hat sie die Initiative „Stimme für Kinder in Kempten“ ins Leben gerufen. Beide haben Kinder im Kindergartenalter und finden, dass diese Altersgruppe „im Großen und Ganzen nicht sehr gut geschützt“ ist.

Nun wenden sie sich an Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle und haben dafür eine Unterschriften-Aktion auf die Beine gestellt. Am Donnerstag, gut eine Woche nach dem Start, waren es rund 120 Unterschriften von Eltern, die verhindern wollen, dass Kemptener Einrichtungen schließen oder Kinder in Quarantäne müssen. Sie halten den regelmäßigen Kontakt zu Altersgenossen für „unbedingt“ notwendig – gerade nach den Einschränkungen, die die Kinder in der Pandemie bereits hinnehmen mussten.

Die Initiative schlägt neben niederschwelligen Impfangeboten und -beratungen für Eltern und Kitapersonal auch Luftfilter für die Räumlichkeiten vor. Natürlich „kostet alles Geld, aber gerade jetzt ist uns der Schutz der Kinder wichtig“, sagt Stefanie Koller. Außerdem sollen nach dem Willen der Eltern die Kinder wieder in getrennten Gruppen spielen. Das wurde von der Staatsregierung seit Dienstag auch wieder angeordnet. „Die Gruppenaktivitäten“ seien im Vorfeld zwar schon reduziert worden, „bis gestern hatten wir aber Regelbetrieb“, so Koller, „der Kindergarten schwimmt“ aber ob der vielen ständigen Neuregelungen.

Kinder sollen nicht »wochenlang daheim hocken«

Statt der derzeit üblichen zwei bis drei freiwilligen Schnelltests pro Woche in den eigenen vier Wänden, für die die Eltern Berechtigungsscheine in der Apotheke einlösen, fordert die Initiative außerdem gemeinsame Tests in den Kindergartengruppen. „Wir haben das Gefühl, dass der Schein Eltern davon abhält, die Tests zu holen“, erklärt Koller. Sie führt das Beispiel eines Isnyer Kindergartens an, wo sogenannte Wangenschnelltests üblich seien. „Wenn die ganze Gruppe sich testet, können Ausbrüche besser verhindert werden“, ist sich die Mutter zweier Jungen sicher. Der Staat biete Pooltests an, die aber nicht umgesetzt würden.

Der Referent für Jugend, Schule und Soziales, Thomas Baier-Regnery, begrüßt auf Nachfrage des Kreisboten, dass Eltern sich mit Anregungen und Überlegungen einbringen. „Wir hoffen auch, dass es zu keinen Schließungen kommt“, sagt er. Es solle alles dafür getan werden. „Dennoch sind die KiTa-Kinder nicht völlig ungeschützt.“

»Wir hören zu«

Die Einrichtungen halten sich an den „Rahmenhygieneplan“ für die Kindertagesbetreuung, wofür das Personal auch geschult worden sei. Darin ist etwa empfohlen, dass feste Gruppen gebildet werden. „Abhängig von der Inzidenz gab es dazu entsprechende Regulierungen“, erklärt Baier-Regnery, „über den Sommer wurde dies etwas zurückgenommen, seit Jahresbeginn aber wieder verstärkt“. Er räumt ein, dass manche Träger eventuell ein Personalproblem hätten und eine etwaige stärkere Durchmischung der Kinder daherrühren könne.

Geregelt ist im Hygieneplan daneben, dass externe Besucher eine Masken- und Testpflicht haben und dass vom Personal eingehend dokumentiert wird, wer in welcher Gruppe spielt, wer im Laufe des Tages Symptome zeigt und welche Besucher anwesend waren. Das Personal reduziere nun untereinander die Kontakte. Ungeimpfte/nicht Genesene testen sich dreimal pro Woche.

Wie Baier-Regnery betont, habe die Stadt gleich zu Beginn der Impfkampagnen bei Eltern und Kita-Personal dafür geworben, sich immunisieren zu lassen. Zusammen mit einer „fachlich-sachlichen“ Erklärung. Wer sich nicht impfen lässt, „hat aber oft persönliche Gründe, die nicht immer sachlich-rational sind“. Hier sieht er seine Möglichkeiten eingeschränkt. „Auch wir wollen nicht, dass das Personal erkrankt“, so der Referent. Allein die Personalknappheit erlaube dies gar nicht. Wie er gehört habe, wolle sich die Mehrheit der Geimpften KiTa-Kräfte auch boostern lassen.

Baier-Regnery habe die Erfahrung gemacht, dass bei den Eltern die Akzeptanz für die Tests zu Hause im Allgemeinen hoch sei. „Die, die nicht testen wollen, lassen ihre Kinder daheim“, sagt Baier-Regnery.

Kapazitätsproblem

Er bestätigt, dass jetzt neben den Schulen auch in den Kindertagesstätten Pooltests möglich sind. Allerdings überlasse der Staat deren Organisation komplett den Kommunen. Bei den Tests in den Schulen sei dagegen der Freistaat der Dienstleister, die Stadt unterstütze lediglich bei der Durchführung. „Bei 39 Einrichtungen und 3.000 Krippen- und Kindergartenkindern können wir das nicht stemmen“, bedauert der Referent. Außerdem sieht er ein personelles Problem für Pooltests in KiTas. Skeptisch zeigt er sich auch in der Frage, ob die Labors genügend Kapazitäten für die Auswertungen haben.

Was die Luftfilter angeht, so liege die Priorität hier bei der Schulpflicht. In den KiTas seien die Räume außerdem „meist größer“. Die Frage habe gelautet, was ist in der Kürze der Zeit stemmbar? Mittlerweile seien die Wartezeiten für Luftfilter sehr lange.

Zusammenfassend sagt der Referent: „Wenn die Kapazitäten nicht zur Verfügung stehen, können wir nicht mehr tun.“ Trotzdem seien die KiTa-Kinder nicht ungeschützt. In jedem Fall wolle sich die Stadt mit der Eltern-Initiative treffen und in Dialog treten.

Interessierte, die bei der Initiative unterschreiben wollen, senden eine E-Mail mit Name, Adresse und Mailadresse an Stimme-Kinder-Kempten@gmx.de

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