»Von China werde ich nichts sehen«

Isnyer Langläufer Friedrich Moch auf dem Olymp

Friedrich Moch WSV Isny Olympia 2022 Langläufer
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Ein Allgäuer auf dem Weg nach China – Skilangläufer Friedrich Moch aus Isny kann sein Olympia-Glück kaum fassen.
  • Lutz Bäucker
    VonLutz Bäucker
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Isny – Normalerweise müssen Skilangläufer ein paar Jahre warten, bis sie ihren Leistungsgipfel erreichen. Friedrich Moch sorgt bereits mit 21 Jahren für Furore.

Der junge Athlet vom WSV Isny hat sich mit starken Ergebnissen für die olympischen Winterspiele in Peking qualifiziert und alle Langlaufexperten überrascht. Am 6. Februar darf Moch beim größten Sportereignis des Jahres zum ersten Mal in die Loipe gehen.

Zehn Zentimeter Neuschnee im Langlaufstadion an der Felderhalde, grauer Januarhimmel, steifer Wind aus Westen – Moch kommt trotzdem wohlgelaunt zum Interview mit dem Kreisboten.

Im Fleimstal die Weltelite überholt

„Ich bin so happy, ich kann es immer noch nicht glauben“, sprudelt es aus dem gebürtigen Memminger heraus. Moch schüttelt den Kopf über seinen Anfang Januar gelandeten Coup, der die Langlaufwelt nachhaltig erstaunt hat. Beim bis zu 28 Prozent steilen Schlussanstieg der renommierten „Tour de Ski“ hinauf zur Alpe Cermis im Fleimstal ließ Moch fast die gesamte Weltelite hinter sich und wurde nach einem fulminanten Auftritt Dritter.

Fernsehreporter schrieen sich die Seele aus dem Leib, Zeitungen überschlugen sich mit hymnischen Schlagzeilen und die Homepage des WSV Isny brach beinahe zusammen: „Unglaublich!“, so Vereinsvorsitzender Tom Maus. Moch selbst bleibt cool: „Es war eben ein Tag, an dem alles gepasst hat. Das Wetter, die Form, die mentale Verfassung.“

Seit diesem Tag schauen auch die ganz Großen im Loipenzirkus mit Respekt auf den jungen Allgäuer: Klaebo, der Norweger. Bolschunow, der Russe. Niskanen, der Finne. „Klaebo ist mein Vorbild“, sagt Moch, von allen nur „Frie“ genannt. Nur Bundestrainer Peter Schlickenrieder nennt den Württemberger „Frieder“.

Leistungssport ist ein Fulltime-Job

„Egal“, grinst Friedrich, der Spätberufene. Mit 13 Jahren stieg er das erste Mal auf Langlaufbretter, sehr spät für einen Leistungssportler. Vorher hatte er als Abwehrchef bei den Fußballern des FC Isny geglänzt. Als Vater und Langlaufenthusiast Alexander ihm ein Paar der langen (bis zu 2,07 Meter) schmalen Skier schenkte, war die Kicker-Karriere beendet. Mit 16 gewann „Frie“ seinen ersten deutschen Meistertitel, als Jugendlicher über 20 Kilometer in Notschrei im Schwarzwald. „Lange Strecken sind meins“, lacht er, „ich bin kein Sprinter.“

Inzwischen ist Moch in die deutsche Spitze gelaufen. Sein Talent wurde offensichtlich, seine körperlichen Voraussetzungen sind ideal: 185 Zentimeter groß und 70 Kilo leicht. „Ich bin ausdauernd, mir fehlt nur manchmal die Kraft“, schätzt er sich ein. Also heißt es trainieren, trainieren, trainieren.

Seit dem vergangenen Frühling betrug das Pensum 2.000 Kilometer auf Skirollern und 1.500 Kilometer im Schnee, in Oberstdorf, Balderschwang oder Rohrmoos,1.000 Stunden Übung, an sechs Tagen in der Woche. Ein Fulltime-Job, nur möglich durch die Anstellung beim Zoll in München.

Hilfe, so viel essen!

Immer wieder Höhentraining in Davos, in Ramsau, am Stilfser Joch, das bringt Kondition und Können. „Ich laufe einfach gern durch die Natur“, beschreibt er seine Motivation für den nicht immer nur spaßigen Ausdauersport Skilanglauf, „wenn ich zuhause in Isny bin, dann kann man mich öfter auf der Schweineburg-Loipe antreffen. Klasse-Blick bis zum Säntis.“

Moch ist ein bodenständiger Typ, durch ein Kameratraining des Skiverbandes fit gemacht für die Interviews, die er seit seinem Loipenkracher im Val di Fiemme jetzt immer öfter geben muss – beziehungsweise darf: „Ist schon ungewohnt, vor allem, wenn es live ist.“ Bisher macht Moch aber nicht nur im Schnee, sondern auch vor dem Mikrofon eine gute Figur.

In der großen olympischen Blase

Als Ausdauerathlet muss er essen, was reingeht in seinen Magen, 5.000 bis 6.000 Kalorien am Tag, dreimal so viel, wie ein Normalbürger: „Das ist schwierig, ich krieg das gar nicht rein in mich“, lächelt Friedrich, der die jahrzehntelange nordische Tradition in Isny urplötzlich wieder belebt und das „Städtle“ zusammen mit Skisprungbundestrainer Maxi Mechler (der Kreisbote berichtete) wieder auf die Landkarte des internationalen Wintersports gebracht hat.

Isny, diesen Namen müssen sich auch die Chinesen merken. Moch schätzt seine Chancen auf eine Einzel-Olympiamedaille zwar realistisch ein – „eher nicht!“ – aber vielleicht geht was mit der deutschen Langlaufstaffel, in der er die Farben des Allgäus vertritt. Am 13. Februar startet diese im chinesischen Kyangshu. „Von Land und Leuten werde ich wohl nichts sehen“, weiß Olympianeuling Moch, „wir müssen uns in einer Blase bewegen, dürfen die nicht verlassen und werden dauernd auf Corona getestet.“

Angesichts der vielkritisierten politischen Situation in China kommt beim jungen Loipenstar kaum Vorfreude auf, er macht sich seine Gedanken über diese Spiele. „Rein sportlich betrachtet aber“, räumt Moch ein, „ist Olympia natürlich das Höchste für einen Sportler.“ Erst recht für einen so Jungen wie den Skilangläufer vom WSV Isny.

Wann läuft Friedrich Moch bei Olympia?

Alle Termine gibt’s unter www.olympics.com/de/beijing-2022/zeitplan/

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