Glasklares Ergebnis für den Glasgeist

Buchenberger Gemeinderat ringt um neuen Themenweg

Toni Barth, Bürgermeister von Buchenberg, und Tobias Boneberger, Ranger in der Adelegg, während der Corona-Pandemie mit Alltagsmasken im Pfarrsaal von Buchenberg.
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Trotz Maskierung steht BM Toni Barth (li.) und Ranger Tobias Boneberger die Erleichterung über die einstimmige Zustimmung ins Gesicht geschrieben.

Buchenberg – Die Turmuhr von Sankt Magnus hatte längst halb zehn geschlagen und der Nebel machte die Nacht noch dunkler, als Bürgermeister Toni Barth seinen Gemeinderat zur Abstimmung aufrief.

Alle 16 GemeinderätInnen hoben gleichzeitig die Hände. Damit ist Buchenberg bereit, die Mitträgerschaft am geplanten neuen Glas-Themenweg „Glasius“ in der Adelegg zu übernehmen. Die Marktgemeinde wird etwa 70.000 Euro dafür aufbringen müssen.

Neue Zielgruppe für neuen Weg

Es war ein überaus zähes Ringen im Pfarrsaal. Die Mitglieder des Marktgemeinderates machten es sich nicht leicht, diskutierten leidenschaftlich und verloren trotzdem das Objekt nicht aus den Augen. Ein neuer, spielerisch erlebbarer Wanderweg zum Thema Glas soll zwischen Schmidsfelden und Eisenbach zur künftigen Attraktion für Touristen und Einheimische werden, die Besucher besser lenken und nachhaltigen Profit in die Region bringen. Ranger Tobias Boneberger aus Leutkirch stellte das offenbar erst im vergangenen Sommer angestoßene Projekt vor: „Ein Neuanfang ist nötig, weil der altbekannte Glasmacherweg mit 22 Kilometern Länge nicht mehr den Anforderungen des heutigen Tourismus entspricht“, erklärte Boneberger dem Plenum, „er ist zu lang, zu ernst, zu schwer für die neue Zielgruppe, die seit Eröffnung des Center Parcs unsere Region erleben möchte“. Familien mit Kindern zwischen drei und elf Jahren – die müsse man nun ansprechen, betonte auch Buchenbergs Bürgermeister Toni Barth (CSU), der aber einräumte: „Das ist natürlich auch finanziell betrachtet ein großes Projekt!“ Die Gesamtkosten für den mit 17 Erlebnisstationen üppig ausgestatteten und 4,5 Kilometer langen „Glasius“-Weg werden bislang auf rund 380.000 Euro beziffert, eine Summe, die unter den GemeinderätInnen zum Teil heftige Reaktionen hervorrief

Zu hohe Kosten für ein Highlight?

Da konnte auch Bonebergers Hinweis kaum beruhigen, dass die EU mit ihrem LEADER-Förderprogramm rund 140.000 Euro davon übernehmen werde. „Viel zu viel Geld für einen Wanderweg!“ „Unverantwortlich in finanziell völlig unsicheren Zeiten!“ „Sehr gewagt!“ So reagierten die Kritiker des Plans. Die mitbeteiligten Städte Isny und Leutkirch haben laut Barth bereits ihre Bereitschaft signalisiert, das Projekt mitzutragen: „Das wird ein Highlight für unsere Gegend, so etwas dürfen wir nicht aus der Hand geben!“ Man unterhalte sich ja nicht aus Jux und Tollerei über diese Idee, so Barth, sondern „weil wir uns davon eine nachhaltige Attraktivität für Buchenberg und die Region erhoffen“. Die Befürworter des Wegeplans skizzierten eine baldige und andauernde Neubewirtschaftung der Gastronomie in Kreuzthal, sie sprachen von der „überregionalen Strahlkraft des Glasius-Themenweges, der das Potential hat, zum Aushängeschild der Adelegg zu werden.“

Hitzige Diskussion

In der anderthalbstündigen Diskussion ging es nicht nur ums Geld, sondern auch darum, dass die Idee sehr kurzfristig und für viele überraschend auf die Tagesordnung kam. Das Ganze sei zu vage und unausgegoren, hieß es, der Marktgemeinderat brauche mehr Informationen. Ranger Boneberger zitierte aus dem Vorschlag einer einschlägig beauftragten Agentur und berichtete von „bespielbaren Geräten und Hörstationen, die von Menschen und ihrer Geschichte im Zusammenhang mit der Glasmacherei erzählen werden und unsere Region erlebbar machen“. Worte, die vielleicht nicht jeden im Pfarrsaal überzeugten, die aber wohl doch eine gewisse Wirkung hatten. Denn nach langem Hin und Her neigte sich die Stimmung zugunsten des nach einem mythischen Glasgeist benannten „Glasius“-Projektes. Wenn wir da mitmachen, so der Tenor, „dann muß es Hand und Fuß haben und in der Oberklasse spielen“.

Baubeginn für 2022 geplant

Bürgermeister Barth versprach, die anfallenden Kosten auf das Gesamtinvestitionspaket für die Förderung von Adelegg und Kreuzthal anzurechnen und reagierte sichtlich erleichtert auf das glasklare Abstimmungsergebnis dieses langen Abends. Und auch Tobias Boneberger atmete tief durch: „Ich hab zwischendrin nicht mehr dran geglaubt – aber jetzt bin ich froh.“ Nach dem einstimmigen Okay aus Buchenberg muss nun die LEADER-Förderung grünes Licht geben. Danach kommt es im Frühling nächsten Jahres zur offiziellen Ausschreibung inklusive Ideenwettbewerb. Als Baubeginn für den neuen Glasweg zwischen Schmidsfelden und Eisenbach wird 2022 anvisiert.

Lutz Bäucker

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