Weiteres Defizit erwartet

Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb präsentiert Jahresabschluss 2019

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Die Allgäuer Festwoche schlug sich im Jubiläumsjahr 2019 mit einem dicken Minus in der Bilanz des Kempten Messe- und Veranstaltungsbetriebs nieder.

Kempten – Bei der Sitzung des Werkausschusses am vergangenen Donnerstag präsentierte Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des Kempten Messe- und Veranstaltungsbetriebs, den Jahresabschluss 2019.

Der städtische Eigenbetrieb erwirtschaftete 2019 ohne Zuschuss der Stadt einen Jahresverlust in Höhe von rund 2,5 Mio. Euro (2018: - 1,9 Mio. Euro). Mit Ertragszuschuss der Stadt in Höhe von 1.907.100 Euro weist der Betrieb einen Jahresverlust von insgesamt 630.100 Euro aus.

Das 70-jährige Jubiläum der Festwoche mit dem aufwendigen Sonderprogramm sowie die Baustellensituation im Stadtpark hätten zusätzliche Kosten verursacht, sagt Dufner-Wucher. Dazu wäre noch der Umzug in die Ari-Kaserne gekommen, für die Planung der Festwoche wäre ein neues Amt geschaffen worden und letztendlich hätte auch die Schließung des Kornhauses die Einnahmen geschmälert. 

Im Einzelnen ging Dufner-Wucher auf die Sparten des Betriebes ein. Mit einem Verlust von -395.188 Euro (2018: -37.878 Euro) schlägt die Allgäuer Festwoche zu Buche, das Kornhaus mit -597.465 Euro (2018: -380.377 Euro), die Allgäuhalle erwirtschaftet +114.523 Euro (2018: +127.156 Euro). Die Markthalle schlägt sich mit -33.352 Euro (2018: -39.201 Euro) in der Bilanz nieder, das Stadttheater mit -1.494.266 Euro (2018: -1.445.631 Euro) und die Residenz mit -49.819 Euro (2018: -32.151 Euro). Die Zahlen bei den Märkten sehen folgendermaßen aus: der Weihnachtsmarkt -47.410 Euro (2018: -32.151 Euro), der Wochenmarkt mit -314 Euro (2018: -14.767 Euro) und der Händlermarkt mit -33.907 Euro (Vorjahr: -59.774 Euro). 

Das Defizit der Allgäuer Festwoche führte Dufner-Wucher vor allem auf die 2019 vorherrschende Baustellensituation im Stadtpark zurück. So wurden zusätzliche Bauzäune mit Programmbannern aufgestellt, um das Festwochengelände optisch aufzuwerten. Dazu mussten geeignete Oberflächen durch Aufschüttung von Kies, Sand oder Hackschnitzel sowohl für den Auf- und Abbauverkehr als auch für den Besuchsverkehr geschaffen werden. Ebenfalls hätte sich ein Kostenanstieg für das Sicherheitspersonal ausgewirkt, zusätzliche Kräfte wären nicht nur für den Festwochenumzug, sondern auch für den Busverkehr nötig gewesen. Auch die Honorare und Gagen der auftretenden Künstler und Gruppen wären gestiegen. Die zusätzlichen Lagerumzugskosten in die Ari-Kaserne bezifferte Dufner-Wucher mit 30.000 bis 35.000 Euro. So wurden bei der Festwoche 2019 weder die Standmieten noch die Eintrittsgelder erhöht, die Tagesbesuche wären auf einem hohen Niveau gewesen. 

Durch eine dreimalige vorzeitige Schließung der Festwoche seien dem Betrieb Eintrittsgelder in Höhe von schätzungswiese 50.000 Euro entgangen. Hervorgerufen wurde diese Schließung durch einen Engpass bei Heels Alpe. Dort kam es zur Aufstauung der Festwochenbesucher, so dass man das Gelände aus Sicherheitsgründen vorzeitig schließen musste. Derzeit würden die Planer in diesem Bereich an einer Brückenlösung arbeiten, sagte Dufner-Wucher. In einer Übersicht präsentierte Dufner-Wucher die Ergebnisse vergangener Festwochen 2011 (42.759 Euro), 2014 (97.536 Euro), 2016 (-7.375 Euro), 2017 (-74.857 Euro), 2018 (-37.878 Euro) und 2019 (- 395.188 Euro). 

Sie verwies auf inzwischen deutlich höhere Personal- und Sicherheitskosten und einen wesentlichen Anstieg der Baukosten. Zusammen mit Planern arbeite man daran, den drastischen Anstieg der Kosten für den Auf- und Abbau zu analysieren und darüber nachzudenken, an welchen Stellen optimiert und eingespart werden könne. Auch durch die Neugestaltung des Stadtparks wären keine Flächen hinzugekommen und die geschaffenen Sitzmauern, die beim Wochenmarkt zwar gut angenommen würden, seien beim „Dazwischenschieben von Pavillons“ eher hinderlich. Sicherlich müsse man sich auch künftig nochmal über die Wirtschaftlichkeit der Festwoche Gedanken machen, eine „schwarze Null“ werde schwierig, sagte Dufner-Wucher. Bei den anderen Sparten des Veranstaltungsbetriebes kam es beim Kornhaus zu einer Abschreibungserhöhung, beim Stadttheater lief alles planmäßig mit einem höheren geplanten Zuschuss an das TiK.

Dazu kamen steigende Bau- und Wartungskosten und mit zusätzlichen Veranstaltungen kamen auch hier steigende Personalkosten hinzu. Beim Händlermarkt standen durch die vorhandene Baustelle weniger Fläche zur Verfügung, heuer werde zusammen mit dem Schaustellerverband ein neues Konzept für den Händlermarkt unter Einbindung des Pavillons im Stadtpark erarbeitet. Von den 2019 insgesamt getätigten Investitionen in Höhe von 818.838 Euro standen rund 500.000 Euro für die Schaffung der Infrastruktur der Festwoche für Stromzähler, Zeltlüfter und die Anschaffung von Seecontainern zur Verfügung. Für den Weihnachtsmarkt wurden Vitrinen für die Krippe angeschafft, es wurde in die Planung und den Umbau des Kornhauses investiert und auch das Stadttheater bei der Anschaffung eines neuen Lichtpults, eines Beamers und einer Drahtlosintercom berücksichtigt. Defizit wird sich weiter erhöhen Betroffen von der Corona-Krise wären auch die Veranstaltungshäuser des Kempten Messe- und Veranstaltungsbetriebes gewesen, die geschlossen werden mussten, führte Dufner-Wucher aus. 

Nicht nur die Festwoche 2020, auch der Himmelfahrtsmarkt wurde abgesagt und seit Mitte Mai habe der Betrieb Kurzarbeit angemeldet. Da Einnahmen in den Sparten fehlen und nicht alle Aufwendungen zurückgefahren werden können, geht Dufner-Wucher nach ersten Schätzungen davon aus, dass sich das Defizit 2020 noch um weitere 350.000 Euro erhöhen wird. Allein durch die Absage der Festwoche würden Einnahmen in Höhe von rund 2,4 Mio. Euro entfallen, damit aber auch ein großer Teil der Aufwendungen. Die bis zur Absage entstandenen Kosten allerdings werden das Ergebnis deutlich verschlechtern. Auch von der Anpassung der Mehrwertsteuersätze sei der städtische Eigenbetrieb betroffen, dies mache sich bei den Ausgangsrechnungen bemerkbar.

In puncto Weihnachtsmarkt sei derzeit noch keine Entscheidung getroffen worden. Man könne sich vorstellen, ihn in verkleinerter Form und mit einem räumlich ausgeweiteten Konzept durchzuführen, dazu müsste man sich demnächst mit den Händlern abstimmen. Sich ändernde Vorgaben erschweren allerdings die Planung, bis Anfang September jedoch solle eine finale Entscheidung in Absprache mit dem Ordnungsamt fallen. Die für dieses Jahr geplante Anschaffung von Weihnachtshütten und Lichterketten in Höhe von 185.000 Euro werde auf 2021 verschoben, da vermutlich auch beim Weihnachtsmarkt mit weniger Einnahmen zu rechnen sei. Stadtrat und Werkausschussmitglied Helmut Berchtold schlägt vor, den Weihnachtsmarkt zu entzerren und statt eines „geballten“ Marktes die Altstadt vom Zumsteinhaus über die Geberstraße hin zum Rathaus in eine „Weihnachtsstadt“ zu verwandeln. Auch OB Kiechle sieht gerade in diesem Jahr eine Chance, „Neues beherzt“ anzugehen, auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Auf das derzeit geschlossene Kornhaus habe die Krise keine wesentlichen Auswirkungen gehabt, so Dufner-Wucher. 

Allerdings werden sich nach ihren Prognosen auch die Ergebnisse von Markthalle und Allgäuhalle durch fehlende Einnahmen verschlechtern. Und natürlich werde sich die Corona-bedingte Schließung des Stadttheaters auswirken. Wie stark, das sei abhängig vom weiteren Verlauf der Wiederaufnahme des für Herbst geplanten Spielbetriebs. „Schlechter als geplant“ dürfte nach Dufner-Wucher ebenfalls das Ergebnis des Wochenmarkts ausfallen. Trotz der vorzeitigen Verlegung des Wochenmarkts von der Markthalle auf den Hildegardplatz kam es aufgrund des Verbotes der Imbiss-Stände zu Umsatzeinbußen. Durch die Entzerrung und Ausweitung des Wochenmarktes wären zusätzliche Kosten der Inbetriebnahme entstanden. Und auch beim Winterwochenmarkt müsste man die Stände in der Markthalle verringern, so stünden den geringeren Einnahmen gleichbleibende Kosten gegenüber. 

Tamara Lehmann

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