Deutschlands bestes Heimatmuseum 2020 durch die Stiftung »Lebendige Stadt« 

Kempten Museum erhält Auszeichnung 

Dr. Eva Lohse (Vorstandsmitglied der Stiftung „Lebendige Stadt“) mit OB Thomas Kiechle im „Salon“ des Kempten-Museums.
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Dr. Eva Lohse (Vorstandsmitglied der Stiftung „Lebendige Stadt“) mit OB Thomas Kiechle im „Salon“ des Kempten-Museums.
  • VonChristine Tröger
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Kempten – Seit zwei Wochen ist das Kempten-Museum nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und generell „spürt man regelrecht ein Aufatmen in der Kulturszene“, freute sich OB Thomas Kiechle darüber hinaus über den „besonderen Anlass“ in besagtem Museum. Die Hamburger Stiftung „Lebendige Stadt“ hat das Kempten-Museum im Zumsteinhaus nämlich als Deutschlands bestes Heimatmuseum ausgezeichnet, verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro.

„Es ist ein Preis, auf den wir besonders stolz sind“, erklärte er vor allem der Überbringerin der Auszeichnung Dr. Eva Lohse vom Stiftungsvorstand, von der „großen Herausforderung“, aus der zuvor „alten Hütte“ mit einem veralteten Museum darin ein „alles andere als verstaubtes“, modernes Museum und Begegnungsort der Bürgerinnen und Bürger zu machen. Deshalb „tun sich unsere Leute so schwer mit dem Wort ‚Heimatmuseum’“, sah er hier aber eher eine Frage der Definition. „Wir haben ein atmendes, offenes Haus“ und nur positive Rückmeldungen. „Deshalb glauben wir, dass wir den Preis verdient haben und freuen uns, dass die Wahl auf uns gefallen ist“, meinte Kiechle selbstbewusst.

„Mit dieser Auslobung ‚Heimatmuseum’ haben wir ins Schwarze getroffen“, hob Lohse die Bedeutung von Heimatmuseen hervor, die auch Bildungsort und viel mehr seien. Die Menge an Bewerbungen sei mit 251 Museen „enorm“ gewesen. Besonders wichtig sei der Stiftung u.a. die partizipative Komponente gewesen. Am Kempten Museum habe der Jury besonders gut gefallen, dass Bürger Exponate beisteuern. „Das habe ich so noch nicht gehört.“ Dazu lobte sie das Diskussionsformat „Bewegter Donnerstag“, die Mitmachangebote und die Barrierefreiheit, wozu sie auch den kostenfreien Eintritt zählte, der „eine besondere Art der Barrierefreiheit schafft“ und von der Jury besonders gewürdigt worden sei.

Insgesamt waren Museen preiswürdig, die zukunftsorientiert handeln, indem sie die gesellschaftlichen Veränderungen aufgreifen. Dazu zählt der Einsatz moderner Technologien sowie inklusive Bildungsangebote, um auch neue Besuchergruppen anzusprechen und ihr Interesse für die heimatliche Geschichte und Kultur des Ortes oder der Region zu gewinnen. Anerkennungen gingen an das Historische Museum in Frankfurt/M., das Ostfriesische Teemuseum in Norden (Niedersachsen), das Stadtmuseum in Tübingen und das Porzellanwelten Museum Leuchtenburg in Seitenroda (Thüringen).

Die Begründung der siebenköpfigen Jury für das Kempten-Museum: Vorbildlich sind die besucherspezifische Ausrichtung des Museums und die partizipativen Möglichkeiten. So werden in Themenräumen wechselnd Exponate mit ihrer Geschichte präsentiert, die von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Schulen oder Kitas zur Verfügung gestellt werden. Sonderausstellungen werden von der Öffentlichkeit mitgestaltet und im Museumskino werden eigene Filmproduktionen gezeigt.

Beim „Bewegten Donnerstag“ können die Bürgerinnen und Bürger mit bekannten Persönlichkeiten aktuelle Themen diskutieren –während der coronabedingten Schließung wurde online diskutiert. Auf der Homepage werden Diskussionsrunden übertragen, Filme über die Exponate gezeigt und Online-Führungen auch in Gebärdensprache angeboten. Das barrierefreie Museum bietet Jung und Alt inklusive Mitmachstationen, vielfältige Führungen und Workshops sowie ein umfangreiches Bildungsangebot für Kitas und Schulen. Daher wird das Museum auch als „das Wohnzimmer der Stadt“ bezeichnet. Als eines der ersten Museen in Bayern gewährt das Kempten-Museum freien Eintritt.

Das Lob für die partizipative und inklusive Konzeption des Stadtmuseums freut auch Museumsdirektorin Dr. Christine Müller Horn, die an der Feierstunde im kleinen Kreis nicht persönlich teilnehmen konnte. „Es ist eine Ehre, unter 250 Museen als bestes Heimatmuseum 2020 ausgezeichnet zu werden. Eine Museumsentwicklung mit Bürgerbeteiligung ist ein langwieriger Prozess und es ist umso schöner, wenn am Ende nicht nur die lokale Bevölkerung das Museum als ‚ihren‘ Ort begreift, sondern auch Museumsexperten das Ergebnis anerkennen“, ließ sie wissen.

Die Stiftung »Lebendige Stadt« 

Die von Unternehmer und Mäzen Alexander Otto im Jahr 2000 gegründete Stiftung „Lebendige Stadt“ verfolgt das Ziel, die kulturelle Vielfalt und Lebendigkeit der Städte zu fördern. Das bewegte Fördervolumen von über 33 Millionen Euro umfasst unter anderem die Grüngestaltung des Essener Krupp-Parks, die künstlerischen Illuminationen des Berliner Reichstagsgebäudes und Kölner Rheinufers sowie die Neugestaltungen des Hamburger Jungfernstiegs.

Weitere Infos zur Stiftung unter www.lebendige-stadt.de.

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