"In Kempten nicht erlaubt"

Zur 550-jährigen Klostergeschichte in Lenzfried hat die Historikerin Birgit Kata, hier vor einer historischen Ansicht beider Klöster und des Schlossgutes, den Zuhörern viel Interessantes zu erzählen. Foto: Tröger

Groß gefeiert wurde das Jubiläum „550 Jahre Kloster Lenzfried“ zwar nicht. Dafür gab es vergangene Woche einen mit Anekdoten gespickten Lichtbildvortrag im Lenzfrieder Pfarrsaal der St. Magnus-Kirche, zur bewegten Geschichte der, wie die Historikerin Birgit Kata gleich eingangs klar stellte, „Klöster“: Das 1461 gegründete „St. Bernhardin“ der Franziskaner, und das gegenüberliegende, 1649 entstandene „St. Anna-Kloster“ der Franziskaner-Terziarinnen.

Eine nicht unerhebliche Rolle kam in Katas Vortrag der „religiösen Situation“ Kemptens, seiner Geschichte und einstigen Protagonisten zu. Zum Beispiel hätten sich einzig fromme Schwesternschaften ansiedeln dürfen, „andere Ordensgemeinschaften waren in Kempten nicht erlaubt“. Begonnen habe die Geschichte von St. Bernhardin aber eigentlich schon 1458, meinte sie, und zwar mit einem Abendessen, bei dem der Stadtpfarrer Leonhard Märklin über gute Erfahrungen mit Franziskanern auf seinen Reisen erzählt und ihre Frömmigkeit gelobt habe. Seinem Auftrag getreu habe ein gewisser Johannes Konrader schon „bald fünf Franziskaner“ gebracht. Deren wachsende Beliebtheit sei Märklin aber schon bald ein Dorn im Auge gewesen und er habe begonnen die Brüder „raus zu mobben“, wie Kata es Neudeutsch formulierte. Plötzlich seien auch „keine Grundstücke mehr für den Klosterbau zur Verfügung gestellt worden“. Kurz darauf sei der Pfarrer in den Fluten der Iller umgekommen – „die Trauer hielt sich in Grenzen“, fügte Kata trocken an. Der Vorfall sei statt dessen zu Gunsten der Franziskaner als „Gottesurteil“ gesehen worden. Nach einigen weiteren Verwicklungen seien die Brüder „mürbe“ gewesen und bereit abzureisen. Durch die Hilfe von Freunden und die Unterstützung von Papst Pius II. habe aber in Anwesenheit von „honorigen Adeligen, viele von ihnen Lehensherren des Stiftes“, schließlich 1463 der Grundstein für das Kloster gelegt werden können. „Die Schikanen ließen nach“, und die Franziskaner „entfalteten sehr fruchtbare Arbeit“, unter anderem in der Seelsorge, erklärte die Historikerin. Bauernkrieg, Reformation und der „Große Kauf“ durch Gordian Seuter, der die Kemptener Reichsstadt endgültig vom Stiftskloster unabhängig machte, habe zur folge gehabt, dass die Brüder 1548 „aus Sicherheitsgründen abberufen worden sind“. Im gleichen Jahr seien Franziskaner-Terziarinnen in das Kloster St. Bernhardin gezogen. Mit der Reformation allerdings „geht es den Schwestern an den Kragen“: „Sie sollen ihren Glauben wechseln und heiraten“. Die Bilder der Kandidaten seien aber wohl nicht sehr attraktiv gewesen, schmunzelte Kata, denn alle zehn Schwestern seien „gegangen“, auf Umwegen aber in das verlassene Kloster zurückgekehrt. Mit der Rückkehr der Franziskaner nach St. Bernhardin im Jahr 1642 sei das Kloster für einige Jahre gemeinsam bewohnt worden, bis die Terziarinnen 1649 das eben fertiggestellte St. Anna-Kloster bezogen und dort eine Studienanstalt zur Ausbildung von Franziskanerinnen gegründet hätten. Ab 1805 habe es keine Ordensgemeinschaft mehr in Lenzfried gegeben, bis das Frauenkloster 1857 durch die „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“ wiederbelebt worden sei, die dort mit einem Waisenhaus und einer Schule zur „Ausbildung verwahrloster Mädchen“ begonnen hätten. Imposante Bilder Interessant waren auch die vielen alten Abbildungen von Kempten, Lenzfried und natürlich den Klöstern, die sichtbar machten, was schon längst verschwunden ist. Zum Beispiel der einstige, imposante, auf hohen Holzstelzen schwebende Verbindungsgang zwischen St. Anna und St. Bernhardin, über den die Schwestern „trockenen Fußes und ungesehen“ am Gottesdienst in der Klosterkirche hätten teilnehmen können. Oder die „Alte Ökonomie“, das stattliche Landwirtschaftsgebäude des Frauenklosters, das erst vor kurzem „ohne Bauuntersuchung abgerissen wurde“, wie Kata bedauerte. Zu verdanken hatten die rund 100 Abendgäste den Vortrag im Übrigen dem CSU-Stadtrat und langjährigen Pfarrgemeinderatsvorstand Thomas Kiechle. Das Jubiläum sei nämlich, so Kata, „fast übersehen worden“, er aber habe „genau hingeguckt“.

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