Ein Saatkorn für die Artenvielfalt

Ein Kemptener Projekt unterstützt nachhaltige Landwirtschaft in Nigeria

Mit Stroh gedeckte, runde Hütten in einer Landschaft in Afrika, umgeben von Rindern und einem Gehege.
+
Dank der Initiative von Georg Sedlmaier haben 650 nigerianische Bauernfamilien Saatgut erhalten.

Kempten – Vor etwa drei Jahren lernte Georg Sedlmaier, Vorstand der Interessengemeinschaft für gesunde Lebensmittel e.V. (IG FÜR), bei einer Tagung den nigerianischen Priester Monsignore Prof. Dr. Obiora Ike kennen. Die Begegnung mit dem Geistlichen, der sich u.a. als Direktor der Stiftung Globethics.net für Menschenrechte engagiert, inspirierte Sedlmaier zu einem Projekt, das inzwischen zahlreichen Bauernfamilien in Nigeria zugute kommt.

Im Gespräch mit Ike, der auch Mitglied im Club of Rome ist, entstand die Idee, die Landwirte mit samenfestem Saatgut zu versorgen. Derartige Pflanzensamen lassen sich vermehren und ermöglichen so eine nachhaltige „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Ein Züchter bezeichnet Pflanzen dann als samenfest, wenn aus dem von ihnen gewonnen Samen ‚familienähnliche‘, erkennbar der elterlichen Sorte angehörende Nachkommen gezogen werden können“, erläutert Sedlmaier und betont, dass Bauern, die samenfestes Saatgut einsetzen, auch die Artenvielfalt fördern: „Wenn viele reine Sorten und damit ein großer Genpool erhalten bleiben, kann dies dabei helfen, neue robuste Sorten zu züchten – zum Beispiel Sorten, die mit bestimmten klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen.“

Dafür sammelte Sedlmaier in den vergangenen Jahren als Vortragsredner der IG FÜR u.a. bei Veranstaltungen in Kempten und Fulda insgesamt 19.500 Euro. Einen Teil der Spendengelder verteilte er über die genossenschaftliche Pax-Bank für Kirche und Caritas in Form von Mikrokrediten an die nigerianische Bauern. Einen weiteren Teilbetrag überwies er „zu Händen von Pfarrer Ike“, der die Gelder direkt vor Ort investierte. Auf diesen Wegen haben 650 Familien Saatgut im Wert von je 20 Euro erhalten.

Ein Feld in Nigeria mit dem gespendeten Saatgut.

Da es sich vermehren lässt, könnten nächstes Jahr bereits „1300 Familien, dann 2600 Familien“ aussäen „und so weiter“, veranschaulicht Sedlmaier das Prinzip und meint, wenn „wir den Menschen dazu verhelfen, „sich selbst zu versorgen, dann helfen wir ihnen auch, eher in ihrem angestammten Land zu bleiben und nicht nach Europa auswandern zu wollen“.

Er berichtet, dass Ike ihm bei seinen Besuchen in Kempten Fotos gezeigt habe, die das Projekt dokumentieren und „glückliche Bauernfamilien und viele junge Frauen in Ausbildung“ zeigten. Im Dezember habe er zudem eine Email aus Afrika bekommen, wonach „viele Frauen und Jugendliche“ eine Messe für ihn gefeiert hätten.

Wer die Zusammenarbeit mit Nigeria unterstützen will, kann mit dem Vermerk „Betr. Saatgut-Spende“ an Prof. Dr. Obiora F. Ike in Enugu/Nigeria über folgende Bankverbindung spenden: IBAN. DE 34 370 601 9300 1680 3014, BIC: GENODED1PAX. Da auch Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller direkt mit Ike und anderen Priestern vor Ort zusammenarbeite, sei sichergestellt, „dass die Spenden bei den wirklich Bedürftigen ankommen“, versichert Sedlmaier.

kb

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ticker Kempten: Kemptener Inzidenwert steigt über die 300-Marke
Corona-Ticker Kempten: Kemptener Inzidenwert steigt über die 300-Marke
Corona-Ticker: Notbremse im Oberallgäu - Deutschlandweit ruhige Ostern
Corona-Ticker: Notbremse im Oberallgäu - Deutschlandweit ruhige Ostern
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht
Neue Impf- und Testzentren in Kempten
Neue Impf- und Testzentren in Kempten

Kommentare