»Das wird wild!«

Pistenskiverbot treibt viele Wintersportler ins Gelände

Ein Mann im blauen Polo-Shirt, mit Alltagsmaske - Sportartikelhändler Holger Frey -, der einen Tourenski hält, in einem Sportartikelgeschäft in Buchenberg vor einer Wand, an der Skier aufgereiht sind.
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Sportartikelhändler Holger Frey hat heuer so viele Schneeschuhe verkauft wie nie.

Oberallgäu – SkifahrerInnen, Liftbetreiber und Hoteliers schäumen: Sie laufen Sturm gegen das von der Bundesregierung verhängte und von Markus Söder bekräftigte Gebot, bis mindestens 10. Januar den Pisten-Skibetrieb ruhen zu lassen . Eine gravierende Entscheidung für die Tourismusindustrie im Oberallgäu, aber auch für die Natur in den Alpen. ExpertInnen erwarten einen Ansturm von Tourengehern, Langläufern und SchneeschuhgeherInnen.

Bei Sportartikelhändler Holger Frey in Buchenberg wird’s eng: „Ich hab heuer soviel Schneeschuhe verkauft wie noch nie“, sagt er, „auch bei den Tourenskiern und Langlauflatten läuft‘s richtig gut“. Rangerin Theresa Hilber vom Naturpark Nagelfluhkette in Bühl hat Ähnliches beobachtet: „Auf eine verkaufte Alpinausrüstung kommen etwa zehn Touren- bzw. Langlaufskier oder Schneeschuhe.“ Offenbar suchen die vom Corona-Virus ausgebremsten AlpinskifahrerInnen eine Alternative für ihren winterlichen Bewegungsdrang: „Ab ins Gelände, ab in den unverspurten Schnee“, so heißt das Motto. Prinzipiell keine schlechte Idee, aber die zu erwartenden Sportlerzahlen machen nicht nur der Rangerin große Sorgen: „Das wird wild!“ Die Massen stören Wildtiere in der Winterruhe und erhöhen die Lawinengefahr.

Rangerin Theresa Hilber vom Naturpark Nagelfluhkette sorgt sich um die Wildtiere.

Auch Max Löther vom Naturpark warnt: „Wir erwarten einen Ansturm auf Touren abseits der Pisten, das wird wirklich sportlich für uns!“ Gerade mal vier RangerInnen versuchen im Naturpark die Besucher zu lenken und zu rücksichtsvollem Verhalten zu animieren: „Das reicht hinten und vorne nicht“, weiß Theresa Hilber. Immerhin sind die meisten Touristen und Besucher offen für ihre Worte und prinzipiell bereit, sich nachhaltig zu verhalten.

Auch im Buchenberger Sportgeschäft appelliert Frey an die Vernunft seiner Kundschaft, mehr ist aber nicht drin: „Wenn der erste Schnee fällt und dann genug liegenbleibt, sind die Leute kaum noch zu halten!“ Das Regal mit den Schneeschuhen ist beinahe leergekauft, der Nachschub ist geordert, aber noch nicht eingetroffen.

Max Löther empfiehlt: „Machen Sie mit uns eine geführte Tour, die kostet nichts und bringt Ihnen die Natur und ihre empfindlichen Stellen näher.“ Die erste Exkursion war für Mitte Dezember am Riedberger Horn geplant. Sie fällt wohl den verschärften Corona-Verboten zum Opfer. Aktuelle Infos zu den Naturpark-Touren gibt es unter https://nagelfluhkette.info/aktuelles/veranstaltungen.

Lutz Bäucker

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