Der BUND Naturschutz warnt: Amphibien wandern wieder

Einsatz in der Abenddämmerung – Retter für Kröten, Frösche und Molche gesucht

Zwei Kröten, die in der Dunkelheit hintereinander eine Straße überqueren, während ein Auto mit leuchtenden Scheinwerfern auf sie zufährt.
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Erdkröten auf dem gefährlichen Weg über die Straße.

Oberallgäu – Milde Temperaturen, kaum noch Bodenfrost und Regen wecken die ersten Kröten, Frösche und Molche aus der Winterstarre und die Tiere werden bald die Wanderung zu ihren Laichgewässern beginnen. Ab einer nächtlichen Temperatur von circa fünf Grad Celsius und besonders bei regnerischem Wetter wandern dann die fortpflanzungsbereiten Kröten, Frösche und Molche zu ihren Laichgewässern.

Ganz genau lässt sich das aber nicht vorhersagen, denn auch Frost und Trockenheit können die Wanderung mehrmals unterbrechen“, erklärt Carolin Köpping vom BUND Naturschutz Kempten-Oberallgäu. Oft müssen die Amphibien Straßen überqueren und laufen dabei Gefahr, massenhaft überfahren zu werden. Gerade im direkten Umfeld der Laichgewässer kann die Anzahl überfahrener Tiere so groß werden, dass die Existenz ganzer Populationen auf dem Spiel steht.

Um die Amphibien vor dem Straßentod zu schützen, sind jedes Jahr etwa 100 ehrenamtliche Amphibienschützer im Raum Kempten-Oberallgäu im Einsatz: Zäune aufbauen, die Kontrolle der Zäune in der Abenddämmerung und Tiere im Eimer sammeln und über die Straße zum Laichgewässer tragen ist ihre Aufgabe. Jährlich werden so mehr als 20.000 Amphibien im Oberallgäu und in der Stadt Kempten vor dem Überfahren gerettet.

Insgesamt 20 Amphibien-Wanderstellen betreut der BUND Naturschutz im Raum Kempten-Oberallgäu. Die Amphibienhelfer sind so organisiert, dass jeder einen festen Abend in der Woche am Zaun übernimmt, manche sammeln aber auch gerne öfter.

Beim Amphibieneinsatz werden Art und Anzahl der Tiere pro Abend erfasst, so dass langfristige Entwicklungen dokumentiert werden können. „Bei uns sind überwiegend Erdkröte, Grasfrosch und vereinzelt Bergmolch an der Amphibienwanderung beteiligt. Seit 2003 sammeln wir Daten, so dass Tendenzen über die Situation der Amphibien absehbar werden“, sagt Julia Wehnert, Geschäftsführerin beim BUND Naturschutz Kempten-Oberallgäu. „Während an manchen Orten kaum noch Amphibien wandern, ist an anderen Stellen das Aufkommen so stark wie nie zuvor“, fasst Carolin Köpping zusammen, die als Artenschutzfachkraft den Amphibienschutz beim BUND Naturschutz betreut. Bei ihr können sich Interessierte melden, um mitzumachen oder Amphibienwanderungen zu melden.

Da die Bayern weit stattfindende Amphibienaktion draußen stattfindet und dem Tierwohl dient, ist sie unter Einhaltung der Abstandsregeln vom Umweltministerium und Landratsamt bereits genehmigt und kann auch bei gegebenenfalls geltenden Ausgangsbeschränkungen durchgeführt werden. Der BUND Naturschutz appelliert gleichzeitig an die Autofahrer, jetzt besonders rücksichtsvoll zu fahren. Und auch Landwirte werden gebeten, auf Gülleausbringung und Wiesenpflege im Umfeld der Amphibienzäune zu verzichten.

Amphibienrettung am Schutzzaun.

Ab Anfang März bis etwa Ende April stehen die Zäune und benötigen eine regelmäßige Kontrolle. „Besonders im Bereich Burgberg, Untermaiselstein, Buchenberg und Tronsberg bei Oberstaufen werden noch tatkräftige HelferInnen gesucht, aber auch an allen anderen Orten freuen wir uns über tatkräftige Unterstützung. Helfende Hände sind bei uns stets willkommen!“, sagt Carolin Köpping.

Interessenten am Amphibienschutz können sich in der Geschäftsstelle des BUND Naturschutz melden, per Email: kempten-oberallgaeu@bund-naturschutz.de, telefonisch unter 08323/99 88 740 oder direkt bei Carolin Köpping am „Froschhandy“ unter 0151/11 529 227.

Nähere Informationen zum Amphibienschutz in Kempten-Oberallgäu unter https://kempten.bund-naturschutz.de/aktuelles.

BUND Naturschutz appelliert an die Autofahrer

Der BN bittet alle Autofahrer in den kommenden Wochen um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme.

  • Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Amphibienzäunen.
  • Achten Sie auf die Helfer an den Amphibienzäunen, die am Straßenrand Tiere einsammeln.
  • Reduzieren Sie Ihr Fahrtempo auf Straßen, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, auch wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.
  • Haben Sie eine Stelle entdeckt, an der viele Amphibien überfahren werden und an der kein Schutzzaun errichtet ist? Melden Sie sich bitte bei uns!

Amphibienwanderung und Landwirtschaft

Nicht nur Straßen sind eine Gefahr für die Amphibienwanderung. Denn unglücklicherweise fällt jedes Jahr die Hauptwanderzeit der Tiere bei stärkeren Regenereignissen mit der Gülleausbringung und Wiesenpflege der Landwirte zusammen. Für die Tiere, die sich tagsüber in der Wiese verstecken, ist das Striegeln oder Walzen der sichere Tod. Gülle mit ihrer ätzenden Wirkung kann aufgrund der empfindlichen Amphibienhaut noch Tage nach der Ausbringung deren Gesundheit gefährden.

Der BN bittet deshalb Landwirte, die Wiesenpflege und Gülleausbringung im näheren Umfeld der Amphibienschutzzäune auf die Zeit nach der Amphibienwanderung zu verschieben. Landwirte können sich gerne an den BN wenden, um sich zeitnah über die Wanderbewegungen an den einzelnen Übergängen zu informieren.

kb

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