Christsoziales Allgäu-Tandem

CSU Kempten und Oberallgäu hält sich beim Politischen Aschermittwoch eher zurück

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Der amtierende Oberbürgermeister von Kempten, der es auch bei der kommenden Wahl in zwei Wochen wieder wissen will.

Kempten – So kurz vor der Kommunalwahl kommt der Fasching gerade recht, denn dieser gibt den lokalpolitischen Matadoren die Gelegenheit, den politischen Gegner „gscheit zu derblecken“. So luden die beiden Kreisverbände CSU-Kempten und CSU-Oberallgäu am vergangenen Mittwoch zum politischen Aschermittwoch ins „S‘Lorenz“. Allerdings wurde am Abend nur das rhetorische Florett und nicht der Säbel geführt. 

„Im Angesicht der Vorfälle in Hanau und Volkmarsen wollen wir es mit der Bierzeltrhetorik nicht übertreiben und eher informieren als polarisieren“, formulierte es der Landratskandidat Alfons Hörmann zu Beginn der Veranstaltung im Einvernehmen mit seinem Parteifreund Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Derblecken

Nur zu Beginn hielt sich der Vorsitzende der Landtagsfraktion und des CSU-Kreisverbandes Thomas Kreuzer (MdL) nicht an dieses Gebot und schoss in seiner Begrüßungsrede das ein oder andere Mal auf den politischen Gegner, vornehmlich auf die Farben Grün, Dunkelrot und Blau. Kreuzer zeigte sich mit der Arbeit der Koaltion in München im Wesentlichen zufrieden, als positive Weichenstellungen hob er deren Familien- und Umweltpolitik hervor. Die Pauschalkritik an den Landwirten stößt Kreuzer allerdings auf und er verspricht, den Landwirten gegen überzogene Forderungen zum Umweltschutz seitens der Grünen beizustehen. Der Umwetschutzpartei unterstellt er, eine „hysterische Klimadebatte“ zu führen, die jedes Maß und Ziel aus den Augen verloren hat. Das zu Beginn des Jahres durch den WDR veröffentlichte Lied „Unsere Oma ist eine Umweltsau“ bezeichntete der Christsoziale als eine Unverschämtheit. „Die junge Generation kennt keine schlechten Zeiten und sollte sich mit Kritik an denen zurückhalten, die ihren Wohlstand erst ermöglicht haben“, so Kreuzer.

Zudem kritisierte er deutlich das „Pharisäertum“ vieler Grünenpolitiker, die Wasser predigen und Wein trinken. „Katharina Schulze grüßte via Instagram ihre Follower vom Eisessen in Kalifornien und tut damit das, wovon sie andere vorwurfsvoll abbringen möchte“, wetterte Kreuzer. In einem zweiten Teil war es ihm wichtig hervorzuheben, dass es für die Christsozialen unmöglich sei, mit den „Rechtsradikalen“ der AfD zu koalieren.

„Es gilt der alte Grundsatz von Franz Josef Strauß: ‚Rechts der Union darf es keine nationalkonservative Partei geben.‘“ Im Gegensatz zu SPD und Grünen aber verlangt Kreuzer auch eine klare Abgrenzung zur Partei „Die Linke“. „Diese Partei ist die Nachfolgepartei der SED, sie ist eben keine neue Partei, sondern hat durch Umbenennungen lediglich versucht, ihre SED-Denke zu kaschieren und ihr Parteivermögen zu retten.“ Den beiden CSU-Kandidaten für Stadt und Landkreis attestierte der Christsoziale, eine gute und erfolgreiche Arbeit gemacht zu haben. Beim Landratskandidaten wies Kreuzer ein weiteres Mal auf dessen internationale Expertise hin. Keuzer begrüßte in diesem Zusammenhang auch ein Fernsehteam des WDR, das für eine Dokuproduktion über Hörmann anwesend war.

Allgäu-Tandem

Im zweiten der Teil des Abends betraten Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Landratskandidat Alfons Hörmann die Bühne. Dort wurden sie vom Moderator Bernhard Lingg zu aktuellen Themenfelder befragt. Den beiden Kandidaten war es wichtig, ihre Verbundenheit mit der hiesigen Landwirtschaft zu betonen, gerade weil beide durch ein familiäres Erbe mit dieser verbunden sind. „Rund 100 Voll- und Nebenerwerbsbetriebe gibt es noch in Kempten“, so Kiechle, „die es zu unterstützen gilt“. Hörmann brachte zum Ausdruck, dass die Allgäuer Landwirtschaft durch eine hohe Diversität geprägt sei und somit stets individuelle Lösungsansätze bei Problemen gefragt seien. Beide lobten das häufig anzutreffende ehrenamtliche Engagement der Landwirte, u.a. bei den Feuerwehren.

Auch beim Thema ÖPNV zeigten die beiden Kandidaten gemeinsame Auffassungen. „Die Ausgestaltung des ÖPNV in Stadt und Landkreis sind eine Jahrzehntaufgabe, die nur gemeinsam gelöst werden kann. Was wir brauchen, sind passende Angebote zu akzeptablen Preisen“, sagte Hörmann.

Wie zu erwarten, wurden beide Kandidaten auf ihre jeweiligen Seilbahnprojekte angesprochen. Hörmann räumte ein, dass ein reduziertes Konzept am Grünten mit dem Verzicht auf eine Gipfel- und Walderlebnisbahn den Weg frei gemacht habe für eine einvernehmliche Lösung. OB-Kandidat Kiechle verteidigte nochmals seine Idee einer Stadtseilbahn für Kempten. „Kempten braucht aus meiner Sicht drei statt zwei zentrale Umsteigestellen und eine Seilbahn vermag einerseits mehr Busse aus der Innenstadt herauszuhalten und andererseits eine engere Taktung von Bussen außerhalb zu ermöglichen“, vertrat er seinen Standpunkt.

"Gemeinsam stark"

Beim Thema Wirtschaft war es beiden CSU-Kandidaten wichtig, keine Konkurrenzsituation zwischen Stadt und Landkreis entstehen zu lassen. Zwar sei Kempten mit seinen täglichen 22.000 Einpendlern momentan das ökonomische Zugpferd im Allgäu. Aber laut Hörmann soll durch Investition in die digitale und verkehrliche Infrastruktur im ländlichen Raum weiterhin eine starke, wirtschaftliche Entwicklung des Oberallgäus gewährleistet werden. Kiechle bemerkte, dass Kempten von einem Modellprojekt der Telekom profitiere, bei dem vor Jahren kilometerweise Breitbandanschlüsse verlegt worden seien. „Für die Telekom war es wohl ein unternehmerisches Fiasko, für Kempten allerdings ein Segen“, resümierte er.

Beim Thema bezahlbarer Wohnraum betonten die Kandidaten, dass es im Allgäu einen hohen Wohnraumbedarf gibt, aber keine Wohnungsnot. Beheben könne die erhöhte Nachfrage nach Wohnraum nur die Stärkung der Angebotsseite: „Es muss mehr gebaut werden.“ Allerdings möchten beide Kandidaten dabei dem Flächenfraß keinen Vorschub leisten und sprechen sich dezidiert für eine Verdichtung der Bebauung aus. Ihr Ansatz: „Wir werden zukünftig mehr in die Höhe bauen müssen.“ Kiechle verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe Zuwanderung ins Allgäu und insbesondere nach Kempten. In den letzten zehn Jahren sei die Bevölkerung nominal um 8000 gestiegen: „Das stellt jede Kommune vor große Herausforderungen.“

Erfolgsrezepte

Deshalb sei man froh, dass im Allgäu anders als in vielen anderen Regionen gemeinsam gehandelt wird. Kiechle und Hörmann erwähnten hierzu die Tätigkeiten der Wohnbaugesellschaften, der Zweckverbände im Krankenhauswesen und der Abfallwirtschaft, der Allgäu GmbH und der Hochschule Kempten.

Am Ende wurden beide Kandidaten aufgefordert die jeweiligen Stärken des anderen zusammenzufassen. Kiechle über Hörmann: Er ist welterfahren, hervorragend vernetzt, erkennt die Themen und besitzt eine Liebe zur Heimat.“ Hörmann über Kiechle: „Er ist unprätentiös, uneitel und bringt die Menschen zusammen.“ Das letzte Wort der Veranstaltung lag beim Vorsitzenden des CSU-Kreisverbandes Oberallgäu Eric Beißwenger. Der machte noch einmal deutlich, worum es chistsozialer Politik grundsätzlich geht: „Wir leben in einer Gesellschaft, die alles toleriert, aber immer weniger respektiert.“ Dieses Missverhältnis wieder ins rechte Lot zu bringen, dafür werde man sich einsetzen.

Jörg Spielberg

Zum politischen Aschermittwoch von SPD, FDP, Freie Wähler-ÜP und UB/ödp lesen Sie in der kommenden Mittwochsausgabe des Kreisbote vom 4. März 2020.

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