Kreisausschuss für Wirtschaft hat Bedenken: Förderung? Ja, aber ...

Ökomodell auf dem Prüfstand

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Aktionen wie „Allgoiß“ sollen die Vermarktung von Bio-Jungziegenfleisch fördern.

Oberallgäu – Im Jahr 2016 war die neu gegründete „Öko-Modellregion Oberallgäu-Kempten“ unter den Vorreitern in Bayern.

Öko-Modellregionen sollen dazu beitragen, den Anteil des Ökolandbaus bis zum Jahr 2030 auf ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern zu steigern von derzeit etwa elf Prozent. Seit 2016 unterstützt das dreiköpfige Projektmanagement der Öko-Modellregion Oberallgäu-Kempten Landwirt, verarbeitende Betriebe und Vermarkter bei der Umsetzung von Projekten vor Ort. Der Landkreis hat insgesamt rund 127 000 Euro eingebracht. Im Kreisausschuss für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz ging es um die weitere Unterstützung und die Verlängerung des Projektes bis Ende 2023. Das Gremium wollte sich mehrheitlich nicht auf die Gesamtdauer von drei Jahren aussprechen. Vielmehr folgten die Ausschussmitglieder wie schon kurz zuvor der Stadtrat in Kempten dem Vorschlag, das Projekt zunächst um ein Jahr zu verlängern und dann die „Erfolgskriterien“ erneut zu bewerten. Zudem sollen „ergänzende Finanzierungsformen“ gesucht werden.

Dass der Beschluss über die Fortführung des Projektes Öko-Modellregion Oberallgäu-Kempten für den Ausschuss keine leichte Entscheidung sei, räumt Sarah Diem vom Projektmanagement sehr wohl ein. Immerhin gehe es für den weiteren Förderzeitraum bis Ende 2023 um Gesamtkosten von 450.000 Euro; der Landkreisanteil beträgt davon etwa die Hälfte, rund 220.000 Euro. Zuvor hatte Diem die Kernprojekte der Öko-Modellregion vorgestellt und vor allem auf die beiden Erfolgsprojekte „Allgäuer Hornochse“ und „Allgoiß“ hingewiesen. Beide Projekte sollen die regionale Bio-Aufzucht von Kälbern und Ziegen und deren regionale Vermarktung voranbringen. Noch nicht ausgeschöpft sind offenbar die Potenziale der Gemeinschaftsverpflegung. „Aber zehn Prozent bio sind immer möglich ohne Kostensteigerung“, meint Sarah Diem. Und Landkreis-Kämmerer Reinhard Reitzner ergänzt für das Unternehmen MenüServiceAllgäu MSA, ein Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Oberallgäu und Unternehmen der privaten Wirtschaft: „Wir sind hier nicht bei Null, aber der Anteil ist ausbaufähig.“

"Dicke Bretter bohren"

„Bringen die Projekte das, was wir benötigen“, stellte Kreisrat Laurent Mies (Freie Wähler) die entscheidende Frage und kritisierte die „hohen Personalkosten“ gegenüber dem eigentlichen Aufwand für die Projekte. Von den im Kostenplan für die kommenden drei Jahre veranschlagten 450 000 Euro entfielen nicht einmal 10 Prozent auf die Projekte selbst, moniert Mies. Peter Neßler (Ausschussgemeinschaft) sieht die Öko-Modellregion „auf einem guten Weg“ auch wenn es noch viel zu tun gäbe und man „dicke Bretter bohren“ müsse. Es wäre schade, wenn man auf halbem Wege stehen bliebe, so seine Sichtweise. Die Region sei auf eine funktionierende Land- und Alpwirtschaft angewiesen: „Sonst können wir einpacken!“ Neßler regt an, zu prüfen, ob nicht aus dem Etat für die Nordische Ski-WM Mittel für das Ökomodell abgezweigt werden könnten. Auch Monika Mayer (CSU), selbst Mitglied der Steuerungsgruppe der Öko-Modellregion spricht von einem „guten Weg“ auf dem man unbedingt weiterkommen wolle. Es gelte, das Image und die Strahlkraft des Begriffes Ökomodell als „Türöffner“ zu nutzen und im Bereich Bio größere Mengen umzusetzen.

"Das Baby muss erwachsen werden!"

Das Projekt verdiene die uneingeschränkte Unterstützung auf weitere drei Jahre, so ihr Appell. Den Vorschlag, die Unterstützung zunächst nur für ein weiteres Jahr zuzusagen, empfinde sie als Misstrauensvotum gegenüber dem Projektmanagement. Die drei Mitarbeiterinnen (in Teilzeit) bräuchten einen verlässliche Perspektive – oder bald schon einen Plan B für ihre berufliche Zukunft.

So will Landrätin Indra Baier-Müller das jedoch nicht verstanden wissen: „Es braucht klare Rahmenbedingungen.“ Das Projektmanagement erhält den Auftrag, alternative und ergänzende Finanzierungsformen zu suchen. Die Steuerungsgruppe soll mit den Projektbeteiligten Erfolgskriterien erarbeiten, um im kommend Jahr über eine Verlängerung entscheiden zu können. Die Landrätin hofft darüber hinaus, dass die Stadt Kempten, die einen ähnlichen Beschluss gefasst hat, nach der Neubewertung in einem Jahr wieder mit im Boot ist.

Der Kreisausschuss lehnte die Drei-Jahres-Verlängerung mehrheitlich ab und sprach sich für die auf ein Jahr befristet Verlängerung der Öko-Modellregion Oberallgäu-Kempten aus. In Kürze wird der Kreistag über den weiteren Weg der Öko-Modellregion entscheiden. Die staatliche Förderung wird in den kommenden drei Jahren schrittweise von 60 auf 20 Prozent abgesenkt und soll 2023 enden.

Josef Gutsmiedl

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