Dringend gesucht: Corona-Contact-Tracer

Überlastete Gesundheitsämter im Allgäu arbeiten am Limit 

Indra Baier-Müller, Landrätin Oberallgäu, Porträt
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Indra Baier-Müller, Oberallgäuer Landrätin: „Wir können Verstärkung dringend gebrauchen.“

Oberallgäu/Landkreis Ravensburg – „Wir freuen uns über jede Bewerbung!“, sagt Indra Baier-Müller, „wir können Verstärkung dringend gebrauchen“.

Die Oberallgäuer Landrätin hat das THW und die Johanniter aktiviert, auch BundeswehrsoldatInnen helfen, mit dem Coronavirus infizierte Personen zu finden und zu informieren. „Sie alle müssen richtig ackern“, stellt Baier-Müller fest, denn die Zahlen stiegen enorm. Aber das Personal im Gesundheitsamt reicht nicht. Das gilt auch im benachbarten Landkreis Ravensburg.

Die Lage ist angespannt

Die Stellenausschreibung ist auf der Internetseite des Landratsamtes Oberallgäu zu finden: „MitarbeiterInnen für unsere Contact-Tracing-Teams gesucht“, heißt es da, „mit guter Belastbarkeit, gutem mündlichem Ausdrucksvermögen und Verständnis für medizinische Grundzusammenhänge“. Diese Corona-Scouts sind der Schlüssel, um die immer länger und komplizierter werdenden Infektionsketten zu unterbrechen. Derzeit macht ein, Zitat Baier-Müller, „diffuses Infektionsgeschehen“ den Verantwortlichen die Arbeit extrem schwer. Private Feiern, aber in zunehmendem Maße auch Schulen sind Ausgangspunkt des „eklatant starken Anstiegs angesteckter AllgäuerInnen“, weiß die Landrätin. „Ich möchte nicht jammern, aber die aktuelle Lage ist wirklich angespannt“.

Geld ist da

Um sie zu entspannen, schult das Landratsamt gerade eigene Leute für den anstrengenden Dienst, hofft auf Bewerbungen geeigneter KandidatInnen und intensiviert die Kooperation mit der Stadt Kempten: „Die baut gerade ein eigenes Contact-Tracing-Team auf, die Leute stehen bereit, an der nötigen Infrastruktur wird mit Hochdruck gearbeitet“, so Baier-Müller im Interview mit dem Kreisboten. Geld für die Verbesserung der gegenwärtig unbefriedigenden Situation ist offenbar vorhanden, die Regierung von Schwaben hat laut Baier-Müller finanzielle Hilfe zugesagt.
Lange Zeit wurden im Oberallgäu konstant niedrige Fallzahlen registriert: „Ich glaube, das lag an der Disziplin unserer MitbürgerInnen“, mutmaßt Indra Baier-Müller. Doch jetzt ist der Landkreis auch dunkelrot gefärbt, „ein bisschen weniger dunkelrot als andernorts, immerhin“, wie sie meint.

Zu wenig Fachpersonal auch im württembergischen Allgäu

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 60 liegt der Landkreis Ravensburg am unteren Ende der Corona-Infektionen. Doch das beruhigt Dr. Michael Föll vom dortigen Gesundheitsamt überhaupt nicht: „Für die rasant wachsende Zahl coronainfiziert gemeldeter Menschen haben wir zu wenig Fachpersonal.“ Föll gibt zu bedenken, „dass Fachwissen und Kompetenz nicht in kürzester Zeit beliebig auszubauen sind. Contact-Tracing ist eine komplexe Tätigkeit, deren eigenverantwortliche Durchführung Wissen und Erfahrung voraussetzt, über das in ausreichendem Umfang in der Regel nur Fachärzte für öffentliches Gesundheitswesen verfügen.“ Natürlich ist man auch im württembergischen Allgäu froh, auf Rentner, Studenten oder MitarbeiterInnen aus anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung zurückgreifen zu können.

Strategiewechsel nötig

Um der anschwellenden Infektionslawine Herr werden zu können, muß wohl ein Strategiewechsel her. Michael Föll in Ravensburg prophezeit die auf sogenannte Cluster beschränkte Nachverfolgung von Infektionen, die weniger zeitaufwändig ist. Indra Baier-Müller hat spezialisierte Task-Forces im Sinn, die das Corona-Scouting viel effektiver durchführen können als es derzeit gemacht wird. Außerdem möchte sie die laufend veröffentlichten Fallzahlen transparenter machen. Sich selbst wappnet die Landrätin mit Bewegung im Freien: „Ich laufe oder fahre Fahrrad, das stärkt das Immunsystem und macht gerade bei uns im Oberallgäu überall richtig Spaß!“

Lutz Bäucker

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