In der Natur

Ohne Dach und Wände: Erster Waldkindergarten in Durach

Der Waldkindergarten in Durach wird eingeweiht. Oktober 2021
+
Seit letztem Herbst in Betrieb – jetzt auch offiziell eingeweiht: Der Waldkindergarten in Durach.
  • VonChristine Reder
    schließen

Durach – Bei fast jedem Wetter draußen: In Durach bietet jetzt einen naturnahen Kindergarten im Wald an.

Letzten Freitagnachmittag wurde Am Schreyenwald in Durach der nach einem naturpädagogischen Konzept angelegte Waldkindergarten offiziell eröffnet. Fröhliches Kinderlachen und aufgeregte Stimmen waren schon von Weitem zu hören. Zahlreiche Eltern kamen mit ihren Kindern den kleinen Feldweg hinauf zu dem idyllisch am Waldrand gelegenen Waldkindergarten der Gemeinde Durach: Ein Kindergarten ohne Dach und Wände.

Klettern auf Bäumen, verstecken in Büschen und Sträuchern, nach Tierspuren suchen, wie Maulwürfe in der Erde wühlen, dem Wind lauschen und den Regen auf der Haut spüren: Der Waldkindergarten ist der Lern- und Spielort der Natur. Der nach einem natur-pädagogischen Konzept angelegte Waldkindergarten, der bereits seit vergangenen Herbst in Betrieb ist, wurde letzten Freitagnachmittag mit einer kleinen Feier offiziell eingeweiht.

Beeindruckendes Beispiel

Kinderbetreuung sei eine der wichtigsten Aufgaben einer Gemeinde, betonte Bürgermeister Gerhard Hock in seiner Eröffnungsrede. Es gebe eine große Nachfrage nach Kindergartenplätzen, wie etwa in einem Waldkindergarten. Daraus entstand die Idee einer naturnahen Kinderbetreuungsstätte.

Ein Besuch des Waldkindergartens in der Gemeinde Buchenberg sei besonders beeindruckend gewesen und habe alle Beteiligten bestärkt, eine Betreuung mit einem naturpädagogischen Konzept anzubieten. „Es war saukalt, der Schnee grießelte und der Wind blies durch die Bäume. Und trotzdem spielten die Kinder fröhlich draußen“, erzählte Hock. Die Fläche im Wald „Am Schreyenwald“ sei von den Bayerischen Staatsforsten zur Verfügung gestellt worden, so konnte die Idee umgesetzt werden.

Lernen von der Natur

Der Wald biete viel Raum und Spielmaterial in Hülle und Fülle. Jedes Kind habe die Möglichkeit, ob schüchtern und ruhig oder freiheitsliebend und aktiv, sich frei und individuell zu entwickeln, erklärte Franz J.M. Huber, Vorsitzender des Trägervereins H&B Learning. Er habe bei seinen beiden Kindern die Erfahrung gemacht, dass die Kinder den Aufenthalt im Wald lieben. Ihre Phantasie und Kreativität würden gestärkt. Darüber hinaus unterstütze dieses Konzept die motorische und soziale Entwicklung der Kinder. „Die kleinen Persönlichkeiten lernen von der Natur fürs Leben.“

Waldkindergärten gehören zu den umweltpädagogischen Einrichtungen. Es sei ein unvorbereitetes Umfeld, das die Natur den Kindern biete, erklärte Erzieher und pädagogischer Gesamtleiter Alfred Heller. Die Kinder erlebten in enger Verbundenheit mit der Natur das Wechselspiel der Jahreszeiten, es entstehe ein natürlicher Bezug zur Natur. Im Vergleich zu anderen Betreuungseinrichtungen halten sich die Kinder vorrangig im Freien auf.

Statt mit Spielzeug beschäftigten sich die Kleinen hauptsächlich mit Materialien, die die Natur ihnen biete, erzählte Heller. „Die zentrale Rolle hat die Natur inne.“ Die Kinder können sich besser und freier bewegen, sind weniger eingeengt und weniger Reizüberflutung ausgesetzt, beschrieb der Erzieher die Vorteile. Daneben fördere der viele Aufenthalt im Freien die Gesundheit der Kinder, sie seien weniger krank.

In der Gruppe seien aktuell 18 Kinder. 25 Plätze stehen zur Verfügung. Neben dem freien Spiel gebe es auch feste Rituale, beschrieb Heller den Tagesablauf. So starteten sie den Tag mit einem Morgenkreis, es finde eine gemeinsame Brotzeit sowie ein Abschlusskreis im wändelosen Raum „Wald“ statt.

Den ersten Winter haben die Kinder bereits zusammen im Waldkindergarten verbracht, erzählte freudestrahlend Kindergartenleiterin Katrin Breckle. Sie dankte den Eltern, dass diese den Mut hatten, gemeinsam mit ihren Kindern in der Natur-Betreuungsstätte zu starten, trotz fehlender Vorabbesichtigung, die aufgrund der Pandemie nicht möglich war.

Nach dem offiziellen Teil hatten die Gäste Gelegenheit, sich bei einer Brotzeit auszutauschen und die Eröffnung zu feiern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Feneberg will die Allgäuhalle
Kempten
Feneberg will die Allgäuhalle
Feneberg will die Allgäuhalle
Sex und Gewalt auf Kinderhandys
Kempten
Sex und Gewalt auf Kinderhandys
Sex und Gewalt auf Kinderhandys
»Fechter« und »Schneckenhäuschen«
Kempten
»Fechter« und »Schneckenhäuschen«
»Fechter« und »Schneckenhäuschen«
Abschied in der »Taberna«
Kempten
Abschied in der »Taberna«
Abschied in der »Taberna«

Kommentare